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NETZE:
Alles ganz neu machen
Ein komplett neues Design unserer Energieversorgung ist nötig, wenn die Energiewende gelingen soll. Die Haupt-Umbauarbeit muss dabei im Verteilnetz erfolgen.
 

Weil die Aufgabe so groß ist, forderte Alf Henryk Wulf, der Präsident des Verbandes der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik (VDE), auf dem jüngsten Smart-Grid-Kongress „schnellstens einen wasserdichten Masterplan für ein neues Systemdesign". Zwar sei die Situation in den Netzen noch nicht so dramatisch, dass man in Hysterie verfallen müsse, doch die Lage sei ernst und der Zwang zum Umbau der Netze groß: „Über die Verteilnetze, die 98 Prozent des Stromnetzes ausmachen, werden über 97 Prozent der erneuerbaren Energien eingespeist. Mit anderen Worten: ohne intelligente Netze keine Energiewende", betonte Wulf.

Jochen Kreusel, Vorsitzender der Energietechnischen Gesellschaft im VDE, machte die technische Dimension des Netzumbaus deutlich: Derzeit sind in Deutschland rund 10 000 Komponenten wie Kraftwerke und Schaltanlagen in die Systemautomatisierung des elektrischen Netzes einbezogen. Künftig, wenn die Energiewende an Fahrt gewinnt und immer mehr dezentrale Stromerzeuger in das Netz eingebunden sind, müssen bis zu 100 Millionen Komponenten zusammenspielen und miteinander kommunizieren. Das erfordert technische und organisatorische Ansätze, die man aus dem Mobilfunk kennt, wobei die Planer des neuen Energiesystems - anders als beim Mobilfunk - aber gleichzeitig einen Echtzeitbetrieb realisieren und die Versorgungssicherheit gewährleisten müssen, mahnte Kreusel.

Wieder mehr Wettbewerb nötig

In den Ruf nach einem Masterplan für die Energiewende, der heute festlegt, was zu tun ist, mochte Ernst Burgbacher, Parlamentarischer Staatssekretär im Wirtschaftsministerium, nicht einstimmen; auch deswegen, weil niemand wissen könne, was in fünf oder zehn Jahren technisch möglich ist. Er verwies darauf, dass mittlerweile 17 Gesetze und Verordnungen im Rahmen der Energiewende neu gemacht worden seien und diese damit zumindest im gesetzgeberischen Bereich gut vorankomme.

Alf Hendryk Wulf: "Ohne intelligente Netze keine Energiewende"
Bild: Alstom

Allerdings muss die Umstellung unseres Energiesystems bezahlbar für alle bleiben, sagte Burgbacher, und hier ist noch einiges zu tun: „Wir müssen wieder mehr Wettbewerb in die Energieversorgung bringen." Im Frühjahr 2013 soll deswegen zur weiteren Entscheidungsfindung eine Kosten-Nutzen-Analyse zum Smart Metering vorliegen, und bis Ende 2013 wird eine Verteilnetzstudie den Investitionsbedarf im Niederspannungsnetz abschätzen.

Neben mehr Wettbewerb ist ein Denken im Gesamtsystem nötig, um das neue Energiesystem zu entwickeln, betonte Kreusel. Auch RWE-Vorstand Rolf Martin Schmitz vermisst noch eine gemeinsame Strategie, um Marktmodelle und Marktrollen zu entwickeln und das richtige Gleichgewicht zwischen Regulierung und Markt in der Energieversorgung zu finden. Die smarte Technik, mit deren Hilfe Stromproduktion und -nachfrage besser in Einklang gebracht werden sollen, wird zwar funktionieren, ist sich Schmitz sicher, aber: „Zur Nachfrageseite gehört auch der Kunde", und dem konnte bislang der zusätzliche Nutzen von intelligenten Messgeräten nicht recht deutlich gemacht werden, hat Schmitz in Mülheim beobachtet. Bei dem dortigen RWE-Pilotprojekt lässt das Interesse der Kunden an den Verbrauchsdaten des Smart Meter nach rund zwei Monaten deutlich nach. „Die smarte Welt ist kein Selbstläufer und kein Selbstzweck", fasste er seine Eindrücke zusammen. Erst mit einer automatisierten Schaltung von Haushaltsgeräten und zeitabhängigen Tarifen könne man Anreize zur Lastverschiebung geben.

Geschäftsmodelle rechnen sich noch nicht

Doch Geschäftsmodelle für Smart Grid sind noch nicht in Sicht, das wurde auf dem VDE-Kongress deutlich. Dort stellte eine Arbeitsgruppe mögliche Geschäftsideen vor. Sie funktionieren aber alle noch nicht, weil Marktrollen sowie die Verteilung von Kosten und Erlösen heute noch unklar sind. Beispielsweise werden derzeit die wesentlichen Kosten des Netzumbaus von den dezentralen Einspeisern verursacht, sie beteiligen sich aber nicht an den Netzentgelten, kritisierte der Berater Harald Schäffler.

Denkbar sei die Einführung neuer Marktrollen, die beispielsweise für die Stabilität des Netzes verantwortlich zeichnen und die dafür Geld bekommen. Damit die unterschiedlichen Marktteilnehmer aber nicht verschiedene Interessen verfolgen (wie etwa Lieferanten und Netzbetreiber) und so das Netz dann wieder destabilisieren, ist ihre Einbettung in ein Gesamtsystem nötig.

Bei der Flexibilisierung unseres Stromsystems kann dessen Verknüpfung mit der Wärmeversorgung neue Speichermöglichkeiten eröffnen. Der Essener Berater Martin Kleinmeier und Stine Müller vom Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme plädierten deswegen auf dem Kongress dafür, den Einsatz von Strom im Wärmebereich sowie die Verknüpfung von Strom und Wärme durch KWK-Anlagen und Wärmepumpen intensiver zu prüfen. „In der vernünftigen Kombination dieser Techniken liegt die Effizienz", sagte Kleinmeier. Hier können durch geschickte Verknüpfung Speichermöglichkeiten mit nur geringen Umwandlungsverlusten erschlossen werden. Die Untersuchungen von Müller zeigten, dass sich durch zeitliche Verschiebung von Strom- und Wärmebedarf die Schwankung der Residuallast deutlich vermindern lässt. Damit können Wärmepumpen- und KWK-Systeme, wenn man sie gezielt zur Verschiebung von Lastspitzen einsetzt, zur Senkung der Strompreise beitragen.


 
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Donnerstag, 06.12.2012, 12:39 Uhr