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Bild: Fotolia.com, nmann77
STADTWERKE:
Andere testen noch, wir optimieren
Börsenpreise direkt an den Endkunden weitergeben. Das ist eines der nächsten Ziele der Stadtwerk Haßfurt GmbH. Der Einbau intelligenter Zähler war dafür ein wichtiger Schritt.
 
Bereits seit knapp drei Jahren schicken mehr als 10 000 intelligente Stromzähler ihre Daten an das Stadtwerk Haßfurt. Damit hat der fränkische Versorger eine Vorreiter-Rolle bei dem Thema „Smart Metering“ eingenommen, während viele andere Energieversorger für die bevorstehende Einführung von intelligenten Zählern noch gesetzliche Regelungen einfordern. „Wir haben 2008 im Aufsichtsrat entschieden, diesen Rollout durchzuführen“, erzählt Geschäftsführer Norbert Zösch. Ein Jahr später konnten bereits mit den ersten Zählern getestet werden.

Bei der Einführung der neuen Technolgie hat den Franken zum einen geholfen, dass sie kein riesiges Energieunternehmen sind und zum anderen haben sie von bereits umgesetzten Infrastrukturprojekten profitiert.

Zu diesem Zeitpunkt war ein großes Hindernis bereits aus dem Weg geräumt: Die Leitungstechnik war vorhanden. „Wir haben in Haßfurt die Powerline-Technik bereits 2003 ausgebaut. Das war politisch so gewünscht. Außerdem hatten wir auch schon Kupferleitungen verlegt. Somit war auch bereits jede Trafostation angebunden.“ Was noch fehlte waren die intelligenten Zähler. Um die Investition von etwa 1,4 Mio. Euro zu stemmen, wurde eine Leasing-Konstellation gewählt. Gemeinsam mit der „Deutschen Leasing“ in Bad Homburg entwickelte die ortsansässige Sparkasse ein Finanzierungskonzept.

Einsparpotenziale für den Versorger und die Kundschaft

Mit unter 100 000 Kunden müssen sie zudem kein vollständiges Unbundling durchführen. Auf Gewinne über die Abrechnungen konnten sie daher bewusst verzichten. Die Einnahmen aus den Zählergebühren – die das Stadtwerk von der Bundesnetzagentur beantragt hat – sind ähnlich hoch wie die Leasingrate. Gewinne für die Abrechnung der Messstellen seien damit zwar keine drin, so Zösch. „Aber die Einnahmen aus den Gebühren decken die Raten ab.“

 
Geschäftsführer Norbert Zösch
Bild: Burkhard Peter


Zusätzliche Einsparpotenziale schafft der durch die intelligentere Technologie effizientere Vertrieb: „Man muss zum Beispiel keinen mehr rumschicken, um die Zähler abzulesen.“ Die Haßfurter profitieren außerdem bei der Beschaffung von den exakten Messdaten. „Das Risiko Fehlmengen nachkaufen zu müssen, ist mittlerweile für uns deutlich geringer“, freut sich Zösch. Auch Minder- und Mehrmengen werde es künftig nicht mehr geben. „Das große Einsparpotenzial ist aber nicht zu realisieren – nicht bei den derzeitigen Preisverhältnissen“, meint der Stadtwerks-Chef.

Zösch denkt aber nicht nur an seine Kosten. Der Umbau soll sich künftig auch für die Kundschaft auszahlen. „Wir wollen demnächst auch lastvariable Tarife einführen“, erzählt Zösch. Die Börsenpreise sollen so an den Endkunden weitergegeben werden. Angedacht ist ein Monatstarif von Herbst 2014 an.

Wer als Kunde ganz genau wissen will, was er verbraucht, kann seine Verbrauchsdaten darüber hinaus über ein Tool im Internet bequem von zu Hause aus abrufen. In naher Zukunft sollen die Kunden ihre Verbrauchszahlen von alle drei Sparten – Gas, Wasser und Strom – online nachvollziehen können. „Die Gas- und Wasserzähler, die jetzt turnusmäßig gewechselt werden, sind nun ebenfalls elektronische Zähler, die ihre Daten an den Stromzähler weitergeben“, erklärt Zösch.

Herausforderung Datenmigration

Um die Umstellung und die damit verbundenen erhofften Einsparungen in Vertrieb und Beschaffung auf der einen und für die Kunden auf der anderen Seite zu realisieren, muss das IT-System die riesigen Datenmengen, die aufgrund der Stundenwerte anfallen, auch optimal verarbeiten. Die Stadtwerke wechselten aus diesem Grund zu einer Cloudlösung von T-Systems. Die Abrechnung liege genauso wie die Finanzbuchhaltung nun in einer Cloud. „Unser System ist SAP-basiert, der Provider ist T-Systems“, erklärt Zösch. „Die Oberfläche für unsere Mitarbeiter ist durch diese Lösung von T-Systems so gestaltet, dass es einfacher zu bedienen ist. Wir sind damit jetzt im Onlinebetrieb.“ Bei der Datenmigration hätten sich zwar typische Kinderkrankheiten gezeigt, aber nun laufe das System seit Mai 2014 fehlerfrei. 

Auch beim Datenschutz profitieren die Haßfurter von der vorab geschaffenen Infrastruktur. „Wir haben den Vorteil, dass bei uns sämtliche Daten, die übertragen werden, in unserem Netz bleiben, bei den Zählern geht das über Powerline, in den Trafostationen geht das dann weiter über die Leitungen, die auch in unserem Besitz sind, und dann geht es in den Server, der auch direkt bei uns installiert ist, sodass wir keine Daten nach außen schicken müssen.“ Das BSI-Schutzprofil wird nicht angewandt. Hier besteht für den regionalen Versorger Bestandsschutz.

Erneuerbare nicht bekämpfen, sondern fördern

Vorreiter sind die Haßfurter jedoch nicht nur bei dem Thema „Smart Metering“. In den vergangenen Jahren haben die Verantwortlichen viele Erneuerbare-Energien-Projekte mit initiiert und sind an ihnen beteiligt. Beispielsweise baut das Stadtwerk derzeit mit weiteren Investoren zehn Windkraftanlagen. Hier laufe zwar eine Klage, aber Zösch ist sich sicher, dass die Anlagen trotzdem gebaut werden können. Da die Planungen bereits sehr weit fortgeschritten seien, werfe ihnen auch die kommende 10-H-Regelung die Planungen nicht mehr durcheinander.

Die bestehenden Erneuerbaren- Anlagen erzielen Renditen von bis zu 5 Prozent, erzählt der Stadtwerks-Chef und auch die Biogasanlage laufe planmäßig. Zösch: „Wir wollen die erneuerbaren Energien unterstützen und zeigen das auch.“ Derzeit hat der regionale Versorger 10 MW PV-Leistung im Netz sowie drei Windkraftanlagen mit etwa 7 MW. Kommen die zehn weiteren Windkraftanlagen hinzu, haben die Stadtwerke 24 MW Leistung aus Erneuerbaren. Damit erzeugen die Haßfurter bilanziell dann mehr Strom als sie verbrauchen können. „Deshalb haben wir auch eine Gesellschaft für den Landkreis gegründet. Die Kommunen sollen künftig ihre Netze zurückkaufen und somit ein Landkreiswerk betreiben können.“ 

Für dieses Engagement sind die Stadtwerke Haßfurt für ihre Vorreiter-Rolle in der Energiewende im vergangenen Jahr von der Deutschen Umwelthilfe ausgezeichnet worden.

Haßfurt in Kürze
Das Stadtwerk Haßfurt hat ein angestammtes Versorgungsgebiet von etwa 17 000 Einwohnern. Das Unternehmen versorgt die Bürger mit Strom, Wasser und Gas. Zur eigenen Stromproduktion nutzt der Versorger Blockheizkraftwerke, eine Biogasanlage sowie Photovoltaik und Windkraft, betreibt eine Eishalle sowie ein Erlebnisbad. Von 2008 an hat der Versorger über 10 000 Smart-Meter-Zähler (Echelon, Aerius, Hydrometer) installiert. Seine Erfahrung hat Geschäftsfürer Norbert Zösch in dem Buch „Smart Meter Rollout - Praxisleitfaden zur Ausbringung intelligenter Zähler“ festgehalten.

 
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Freitag, 25.07.2014, 10:06 Uhr