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Enerige & Management > Smart Meter - Aufregung um Smart-Meter-Studie
Bild: Fotolia.com, unique3d
SMART METER:
Aufregung um Smart-Meter-Studie
In einem Laborversuch in den Niederlanden haben elektronische Zähler fälschlicherweise einen zu hohen Verbrauch gemessen. Hersteller und Verbände üben Kritik an der Methode.
 
Anfang März dieses Jahres hatte die Universität Twente in den Niederlanden mit einer Studie vor allem in der Tagespresse für Aufsehen gesorgt. Ihren Erkenntnissen zufolge können in bestimmten Situationen, bei denen es zu einem sogenannten Oberschwingungsgehalt im Bereich zwischen zwei und 150 kHz kommt, Messfehler bei Smart Metern auftreten.

Der konkrete Laboraufbau der Wissenschaftler, über deren Beweggründe bislang nichts bekannt ist, ließ Hersteller sowie Verbands- und Behördenvertreter in Deutschland jedoch mit dem Kopf schütteln. Denn 20 Energiesparlampen und 30 LED-Lampen, die nicht als dimmbar deklariert waren, wurden an einen Dimmer angeschlossen. Darüber hinaus wurde ein Dimmer vor ein 1 800-Watt-Heizgerät geschaltet. Die Bewertung des Zentralverbands Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) in Frankfurt fällt ebenso kurz wie deutlich aus: „Praxisfern und fehlerhaft“ heißt es in einer Stellungnahme, die auch darauf hinweist, dass der niederländische Verband der Netzbetreiber Netbeheer Nederland „in der Praxis“ keine Messabweichungen zwischen herkömmlichen Ferraris-Zählern und elektronischen Zählern habe feststellen können.

Und auch Untersuchungen von Mitgliedsunternehmen hätten die Ergebnisse der niederländischen Wissenschaftler nicht bestätigen können. Zweifel an der Messgenauigkeit elektronischer Zähler hält der Verband für unangebracht. Jedes Produkt könne im Labor extremen Bedingungen ausgesetzt werden, die in keiner Weise dem „normalen Gebrauch“ oder geltenden EU-Regularien entsprechen. Mit realen und zulässigen Bedingungen im Haushalt habe dies nichts zu tun. Damit seien auch keine Rückschlüsse auf die Messgenauigkeit der sogenannten modernen Messeinrichtungen zulässig. Fehlfunktionen in einem solchen Umfeld seien möglich, aber kein Anzeichen für ein mangelhaftes Produkt, betont der ZVEI und zieht den Vergleich zu einem Auto, das bis zum Achsbruch überladen wird.

Auch der Hersteller Landis + Gyr, der nach eigenen Angaben weltweit rund 300 Mio. Zähler im Einsatz hat, übte Kritik: „Die Methoden, die von den Forschern der Universität Twente eingesetzt wurden, berücksichtigen unserer Einschätzung nach extreme elektromagnetische Phänomene, die nicht den realen Nutzungsbedingungen entsprechen, die mit CE-zertifizierten Haushaltsgeräten erreicht werden.“
Der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) zufolge sind in Deutschland erstmals im Jahr 2007 Zähler mit messtechnischen Problemen aufgefallen. Die PTB und die Eichbehörden seien daraufhin unmittelbar aktiv geworden, um mit dem betroffenen Hersteller Lösungen zur Verhinderung von Fehlmessungen zu finden, heißt es in einer Stellungnahme der Behörde.

Die Fehlersuche und die Beseitigung der Fehler hätten schließlich zur Formulierung neuer Normen geführt. Das heißt, die Prüfanforderungen für Stromzähler wurden um eine Reihe von Grenzwerten ergänzt. Auf einen kurzen Nenner gebracht: Die Prüfstellen für die Zulassung von Zählern und die zuständigen Behörden wissen Bescheid, sind sensibilisiert und sorgen dafür, dass keine Zähler, die Messfehler zulassen, auf den Markt kommen.

Die PTB sieht den anstehenden Rollout hierzulande nicht gefährdet
 
Seit 2010, nachdem sowohl auf nationaler als auch auf europäischer Ebene Lösungen für die Normungslücke gesucht und gefunden wurden, könnten falsche Messungen mit elektronischen Zählern mit ausreichender Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden. Deshalb geht man bei der PTB davon aus, „dass bei den in Deutschland eingesetzten und für den Einsatz vorgesehenen Zählern, über einen Abrechnungszeitraum betrachtet, die gesetzlich vorgegebenen Verkehrsfehlergrenzen nicht überschritten werden“. Den Smart Meter Rollout sieht die Behörde durch die Ergebnisse der niederländischen Wissenschaftler nicht gefährdet. Die für den Rollout hierzulande vorgesehenen Zähler sind nach Angaben der PTB Geräte, bei deren Entwicklung das Ausmaß und die Bedeutung der früheren Normungslücke den Herstellern bekannt gewesen seien.

Auch das Forum Netztechnik/Netzbetrieb im Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik (FNN/VDE) hat auf die niederländische Studie reagiert und erklärt, für den anstehenden Rollout habe das FNN einen Basiszähler definiert, der dem „Leitfaden zur Bewertung der Zuverlässigkeit und Messbeständigkeit von Elektrizitätszählern und Zusatzeinrichtungen“ entspreche. Dieses Dokument sei nach umfangreichen Untersuchungen zur erkannten Normungslücke im Jahr 2010 erstellt worden.

Bisher sind dem VDE nach eigenen Angaben keine Fehlmessungen von Geräten bekannt, die nach dem FNN-Lastenheft entwickelt wurden. Zähler, die die obligatorische Zuverlässigkeitsprüfung absolviert hätten, hätten ihre Widerstandsfähigkeit gegen die von den niederländischen Autoren beschriebenen Störgrößen bewiesen. Gleichwohl wollen die Experten des VDE die Ergebnisse der Studie genau prüfen.

 
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Mittwoch, 05.04.2017, 10:05 Uhr