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GASMARKT:
Aufwärtstrend beim Speicherbau
Drei Großbaustellen in Epe, Etzel und Jemgum markieren den Erweiterungsboom am deutschen Gasspeichermarkt.
 

Ungeachtet der Diskussionen über eine Regulierung des Speicherzugangs und eines möglichen Verbrauchsrückgangs infolge von Effizienz- und Einsparbemühungen boomt der Bau unterirdischer Gasspeicher in Deutschland. „Für die nächsten zehn Jahre ist eine Erweiterung der Speicherkapazitäten in Deutschland um 10 Mrd. m3 vorgesehen", sagt Robert Sedlacek vom Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) in Hannover.

Das LBEG veröffentlicht in Zusammenarbeit mit der Industrie und den Ländern in seinem Jahresbericht Daten über die bundesweiten Speicherkapazitäten und ihre Veränderungen. „Die Gasspeicherung zeigt derzeit einen enormen Aufwärtstrend beim Bau neuer Anlagen", heißt es im aktuellen Jahresbericht der Behörde. Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft erwartet allein für 2010 etwa 350 Mio. Euro Investitionen in deutsche Gasspeicher.

Die momentan maximal nutzbare Gasmenge in den insgesamt 47 deutschen Gasspeichern summiert sich auf 20,3 Mrd. m3 - das sind immerhin gut 20 Prozent des deutschen Jahresverbrauchs. Im Vorjahr lag die maximale Speicherkapazität bei 19,9 Mrd. m3. Deutschland ist damit momentan in der EU die größte und nach den USA, Russland und der Ukraine weltweit die viertgrößte Speichernation.

Ausgebaut werden in den nächsten Jahren vor allem so genannte Kavernenspeicher. Ihre Basis sind unterirdische Salzstöcke, aus denen mit Hilfe von Wasser Hohlräume, die so genannten Kavernen, ausgespült werden. Diese Kavernen bieten einen sicheren Speicherplatz für Erdgas. An möglichen Speicherstandorten herrscht dabei kein Mangel. „Der nordwestdeutsche Raum hat noch viele und große Salzstöcke", versichert Sedlacek.

Die Erweiterung der Speicherkapazitäten ist schon im vollen Gange. „Etzel wird neben Epe zum größten Kavernenspeicherplatz der Welt werden", prophezeit der LBEG-Spezialist. Wenn alle derzeitigen Pläne verwirklicht werden, könnten in deutschen Gasspeichern in einigen Jahren Platz für gut 30 Prozent des deutschen Jahresverbrauchs sein.

Zwischenlager für norwegisches Importgas

Im niedersächsischen Salzstock Etzel bei Wilhelmshaven sind derzeit 19 Kavernen, in denen bis 1,25 Mrd. m3 nutzbares Erdgas lagern, in Betrieb. Mieter sind vor allem der norwegische Gasproduzent Statoil-Hydro und der deutsche Importeur Eon Gas Storage. Betrieben werden die Speicher von der IVG Caverns GmbH, Eigentümer ist ein von der IVG Immobilien AG verwalteter Fonds, der wie ein Immobilienfonds geführt wird.

Von „großer Nachfrage nach Speicherkapazität" spricht IVG-Caverns-Geschäftsführer Manfred Wohlers. Bis 2015 sollen in Etzel 30 weitere Kavernen mit Platz für 2,5 Mrd. m3 Gas ausgebaut werden. „Die erste Tranche von vier Kavernen geht wahrscheinlich schon 2010 in Betrieb", kündigt Wohlers an. Dabei muss es nicht bleiben. „Wir gehen davon aus, dass wir in diesem Salzstock weitere 60 Kavernen erstellen können", so der Geschäftsführer. „Wir sind für die nächsten Jahre ausgebucht", stellt er zufrieden fest.

Zu den künftigen Mietern und Nutzern der Kavernen will sich Wohlers nicht konkret äußern. Der EnBW-Konzern, dessen französischer Gesellschafter EdF und die russische Gazprom haben Pläne bekannt gegeben, Speicherkapazitäten in Etzel mieten zu wollen.

Der niedersächsische Speicher profitiert von seiner guten Anbindung an das deutsche Ferngasnetz und an Importpipelines aus Norwegen, die an der nahen Nordseeküste anlanden. „Wir liegen heute schon ganz gut im Spinnennetz der großen Pipelines", sagt Wohlers. Die Anbindung wird noch besser. Ende 2010 soll eine neue Leitung ans Netz gehen, die Etzel direkt mit dem wichtigen Gasumschlagplatz in Bunde, an der Grenze zu den Niederlanden bei Emden gelegen, verbinden wird.

Auch im westfälischen Epe an der deutsch-niederländischen Grenze, dem bisher größten Kavernenspeicherstandort der Welt, wird fleißig gebaut. Epe wird mehr und mehr zur Gasspeicher-Location kommunaler Unternehmen, auch wenn die beiden ehemaligen kommunalen Speicherbetreiber aus den Niederlanden, Essent und Nuon, inzwischen nur noch Konzernanhängsel sind.

Stadtwerke als neue Akteure am Speichermarkt

Das Stadtwerkebündnis Trianel hat im Herbst letzten Jahres seine ersten drei Kavernen für die Lagerung von 130 Mio. m3 Erdgas ans Netz genommen und will seine Kapazitäten auf 240 Mio. m3 erweitern. Die vierte Kaverne soll noch im Herbst in Betrieb genommen werden. Daneben will die Kommunale Gasspeichergesellschaft Epe mbH (KGE), zu der sich Gelsenwasser, die Energie- und Wasserversorgung Mittleres Ruhrgebiet (EWMR), die Dortmunder Energie- und Wasserversorgung und die Stadtwerke Essen zusammengeschlossen haben, in Epe einen Speicher für 180 Mio. m3 Gas bauen, der ab 2012 genutzt werden kann.

Insgesamt betreiben in dem Salzstock im westlichen Münsterland bislang fünf Unternehmen aus Deutschland und den Niederlanden - Nuon, Essent, Eon, RWE und Trianel - Speicherkapazitäten für insgesamt gut 2,9 Mrd. m3 Gas. Erweiterungen planen neben KGE und Trianel auch Essent und Eneco aus den Niederlanden. Die Speicherkapazität soll um 600 Mio. m3 auf dann rund 3,5 Mrd. m3 zunehmen. Auch Epe ist durch Anschlüsse an die Netze von Eon, RWE und der niederländischen Gasunie gut an das Fernleitungssystem angebunden.

Die jüngste Großbaustelle auf dem deutschen Gasspeichermarkt befindet sich in Jemgum im niedersächsischen Landkreis Leer. Die Kasseler Wingas GmbH und die Oldenburger EWE AG wollen im dortigen Salzstock 33 Kavernen zu zwei Speichern für 1,2 Mrd. m3 beziehungsweise 433 Mio. m3 ausbauen. Im September wurde bekannt, dass die ostdeutsche Verbundnetz Gas AG ein Drittel der Wingas-Kapazitäten übernehmen will.

Die Bauarbeiten in Jemgum haben im Juli begonnen, 2011 sollen die Anlagen fertiggestellt sein. „Die Region Jemgum bietet perfekte Bedingungen für den Bau eines Erdgasspeichers", erklärt Wingas-Projektleiter Arkadius Binia. Nicht nur die Geologie spreche für Jemgum - die Region liege zudem strategisch günstig im europäischen Erdgasnetz. Der neue Speicher soll in einigen Jahren auch russisches Gas, das über die geplante Pipeline durch die Ostsee nach Westeuropa kommt, aufnehmen und zwischenlagern.

Kapazitätsausbau vor allem im Norden

Die Erweiterung der Gasspeicherkapazitäten in Deutschland wird jedoch nicht nur durch Großprojekte bestimmt. Kleinere Speicher in Kiel-Rönne (Stadtwerke Kiel, MVV Energie), Kraak bei Schwerin (Eon Hanse), Krummhörn bei Emden (Eon Gas Storage), Nüttermoor bei Leer (EWE), Peckensen bei Salzwedel (GdF Suez), Rüdersdorf bei Berlin (EWE) sowie Wolfersberg bei München (Bayerngas) sollen erweitert werden.

Daneben diskutiert man über neue Standort: Die Leipziger Verbundnetz Gas AG und Gazprom Export wollen in Peissen bei Halle 350 Mio. Euro investieren und bis 2016 einen neuen Speicher bauen. GdF Suez Deutschland plant das gleiche in Ohrensen nördlich von Hannover.

Auch Scheitern gehört zum Speichergeschäft: Im August verzichtete Gazprom Germania wegen Sicherheitsbedenken auf den Bau eines Erdgasspeichers in Schweinrich bei Wittstock im nördlichen Brandenburg. Die abdeckenden Schichten oberhalb des Speichergesteins hatten sich nicht als stabil genug herausgestellt.

Wachsende Speicherkapazitäten 

Ort Betreiber/Nutzer Arbeitsgaskapazität
Epe Eneco Store GmbH 125 Mio. m3
Epe Trianel 109 Mio. m3
Epe KGE 180 Mio. m3
Epe Essent 172 Mio. m3
Etzel IVG Caverns GmbH 2,5 Mrd. m3
Jemgum Wingas/VNG 1,2 Mrd. m3
Jemgum EWE 433 Mio. m3

Daten: LBEG


 
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Dienstag, 22.09.2009, 13:42 Uhr