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REGENERATIVE:
Bioerdgas muss in den Wärmemarkt
Bioerdgas kann einen wichtigen Beitrag zur umweltschonenden Wärmeversorgung der Zukunft leisten. Dafür braucht es die richtigen politischen Rahmenbedingungen, betont Michael G. Feist*. Denn die Potenziale der CO2-neutralen Wärmegewinnung mit Bioerdgas könnten nur ausgeschöpft werden, wenn erneuerbare Energien technologieneutral gefördert werden und mögliche Kosten nicht zu einseitigen Belastungen führen.
 

Das Ziel ist politisch unumstritten: Der Einsatz erneuerbarer Energien soll gefördert werden. Auch die deutsche Energiewirtschaft bekennt sich ausdrücklich zum Ziel des Klimaschutzes. Erneuerbare Energien sinnvoll fördern - das heißt Technologien fördern, die künftig in der Lage sein werden, einen wettbewerbsfähigen und effizienten Beitrag zur Energieversorgung zu leisten. Einer der Energieträger, auf den diese Kriterien unbestritten zutreffen, ist Bioerdgas.

Zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen belegen, dass die Nutzung von Bioerdgas ökonomisch wie ökologisch sinnvoll und machbar ist. Ein gutes Dutzend Stadtwerke und Energieversorger plant, baut oder betreibt bereits Anlagen zur Erzeugung und Einspeisung von Bioerdgas. Tendenz weiter steigend.

Auch technologische Fortschritte bestärken die deutsche Energiewirtschaft darin, sich für den verstärkten Einsatz von Bioerdgas zu engagieren. In diesem Sinne hat sich die Erdgaswirtschaft bereits im Sommer 2007 bereit erklärt, bundesweit angebotenes Bioerdgas ins Erdgasleitungsnetz einzuspeisen und zu vermarkten.

Wissenschaftliche Studien kommen nicht nur zu dem Ergebnis, dass Bioerdgas große Potenziale bietet, sie weisen auch mit Nachdruck darauf hin, dass gegenwärtig "erhebliche Unsicherheiten über die künftigen Rahmenbedingungen" vorliegen und dass die Nutzung dieses Potenzials "stabile politische Rahmenbedingungen" erfordere - so etwa das Ergebnis der Studie des Wuppertal Instituts.

In diesem Zusammenhang sehen wir mit Sorge den Entwurf für ein Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz, der im Nachgang zu den energie- und klimapolitischen Beschlüssen der Bundesregierung in Meseberg veröffentlicht wurde. Das Gesetz sieht vor, im Hauswärmebereich eine Pflicht zur Nutzung erneuerbarer Energien einzuführen. Der direkte Einsatz von Bioerdgas in Heizkesseln im Hauswärmebereich soll nach diesem Gesetzentwurf allerdings nahezu ausgeschlossen werden.

Es ist aus unserer Sicht völlig unverständlich, dass Bioerdgas aus dem Markt gedrängt werden soll. Weder aus ökologischer noch aus ökonomischer Sicht ist eine Schlechterstellung von Bioerdgas begründbar. Die wettbewerbsverzerrenden Regelungen des Gesetzentwurfs schränken die Auswahl der für das jeweilige Gebäude optimalen Kombination aus Energiesparmaßnahmen und erneuerbaren Energien deutlich ein. Hinzu kommt: Das Gesetz wird zu steigenden Kosten für selbst genutztes Wohneigentum und vermietete Wohnungen führen. In der Begründung zum Gesetzentwurf steht ausdrücklich, dass Bioerdgas ausgeschlossen werden soll, gerade weil es deutlich kostengünstiger wäre als andere Techniken im Bereich der erneuerbarer Energien. Damit wären Gebäudeeigentümer, Industrie und Gewerbe gezwungen, teurere Energietechniken einzusetzen, als es für das Erreichen der CO2-Minderungsziele notwendig wäre.

Der Gesetzentwurf verletzt darüber hinaus eindeutig den Gleichbehandlungsgrundsatz, da sich Gebäude in vielerlei Hinsicht stark unterscheiden. Aufgrund der Unterschiede kann nicht jeder Gebäudeeigentümer auf diejenigen Techniken zurückgreifen, die das Gesetz besonders begünstigt. In einem solchen Fall muss ein Eigentümer auf Energietechniken zurückgreifen, die im Gesetzentwurf deutlich schlechter gestellt sind. Die Nutzungsverpflichtung im neuen Gesetz muss deshalb technologieoffen gestaltet werden. Alle erneuerbaren Energieträger müssen aufgrund ihrer neutralen CO2-Bilanz im Gesetz gleich behandelt werden.

Wir stehen zu unserer Verantwortung für Klima- und Umweltschutz. Und es ist natürlich Sache des Gesetzgebers, konkrete Ziele für Energieeffizienz und CO2-Vermeidung vorzugeben. Welche Technik aber eingesetzt wird, um diese Ziele zu erreichen, sollten allerdings die Verbraucher souverän entscheiden können. Die Energiewirtschaft steht mit dieser Kritik nicht alleine. Wir haben unsere Auffassung zusammen mit neun weiteren Verbänden deutlich zum Ausdruck gebracht, unter anderem mit den Verbänden der Wohnungswirtschaft und der Heizungsindustrie. Auch der Bauernverband unterstützt uns in diesen Fragen.

Die Energiewirtschaft hat konstruktive Vorschläge zur Umsetzung der Ziele des integrierten Klima- und Energieprogramms der Bundesregierung in zahlreichen Stellungnahmen vorgelegt. Bioerdgas muss ein fester Bestandteil eines umweltschonenden Energiemixes im Wärmemarkt werden.

*Michael G. Feist ist Präsident des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) mit Sitz in Berlin


 
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Freitag, 07.12.2007, 08:44 Uhr