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Enerige & Management > Regenerative - Bochum soll grüner werden
Bild: Fotolia.com, Jürgen Fälchle
REGENERATIVE:
Bochum soll grüner werden
Das Revier-Stadtwerk setzt nach diversen fossilen Beteiligungen auf die Windenergie an Land und auf See, um die lokalen Vorgaben für den Ökostromausbau zu erfüllen.
 
Bock auf Bochum, so heißt der neue Slogan der Stadtwerke Bochum. Damit mehr Bochumer Bock auf Elektromobilität bekommen, hat der Kommunalversorger jüngst angekündigt, bis 2018 elf zusätzliche Ladepunkte an acht weiteren Standorten im Stadtgebiet zu errichten. Ohne diese Infrastruktur dürfte die Zahl der „Stromer“ tief im Westen weiter auf einem niedrigen Niveau herumdümpeln. Derzeit sind in der Revierstadt lediglich 143 Elektrofahrzeuge gemeldet. „Auch an den neuen Ladesäulen können die Bochumer Elektromobilisten kostenlos unseren Ökostrom tanken und darüber hinaus umsonst parken“, nutzte Stadtwerke-Geschäftsführer Dietmar Spohn die Ankündigung für ein Stück Imagewerbung. Denn Geld dürfte das Stadtwerk mit dem Fahrstrom nicht verdienen - was, das ist absehbar, auch längerfristig nicht der Fall sein wird.

Diese eher überschaubaren verschenkten Kilowattstunden können die Stadtwerke Bochum gut verkraften, denn so schlecht laufen ihre Geschäfte nicht. Im vergangenen Jahr lag das Plus der Westfalen bei gut 60 Mio. Euro. Es hätten eigentlich einige Millionen mehr sein sollen: 27 Mio. Euro mussten die Stadtwerke für ihre Beteiligung an dem RWE-Kohlekraftwerk Hamm-Uentrop (das so genannte Black-Gekko-Projekt) in ihrem letzten Geschäftsabschluss endgültig in den Wind schreiben.

Windenergie an Land und auf See ist das Thema, das die Bochumer Stadtwerke in den kommenden Jahren verstärkt verfolgen. Angesichts der diversen Kraftwerksbeteiligungen in den vergangenen Jahren (neben Gekko unter anderem die Scheiben an den Trianel-Projekten in Hamm-Uentrop und Lünen) ist der Erzeugungsmix des Unternehmens in den zurückliegenden Jahren ziemlich fossil-schwarz geworden. „Nach wie vor gilt das Ziel der Bochumer Politik, wonach Bochums gesamter Stromverbrauch bis Ende 2020 zu 25 Prozent aus regenerativen Energien gedeckt werden soll“, erklärt Spohn die Vorgaben. Derzeit liegt die Quote bei rund 21 Prozent.

Einen kräftigen Sprung nach vorne wollen die Stadtwerke mit ihrer Beteiligung am zweiten Bauabschnitt des Trianel-Offshore-Windparks Borkum West mit einer Leistung von 200 MW machen. „Wir werden unseren Gremien eine Beteiligung zwischen 20 und 40 Megawatt vorschlagen“, ließ Spohn durchblicken. Die Entscheidung über diese - im Falle einer zehnprozentigen Beteiligung - 50 Mio. Euro teure Investition soll noch vor Weihnachten fallen. Bei der bereits installierten ersten Baustufe von Borkum West mit ebenfalls 200 MW, die im September 2015 offiziell in Betrieb gegangen ist, gehören die Bochumer mit einer Beteiligung von 37 MW zu den größten Einzelgesellschaftern.

Weitere Beteiligung an Offshore-Windpark Borkum West steht an

An Land betreibt der Versorger bislang vier Windturbinen der 5-MW-Klasse in Bremerhaven. Um dieses Portfolio aufzustocken, hatten sich die Westfalen bereits Anfang dieses Jahres mit zehn Prozent an der Trianel Erneuerbare Energien GmbH beteiligt. Dieses kommunale Gemeinschaftsunternehmen will bis Ende 2020 rund 200 MW Wind- und 75 MW Photovoltaikleistung ans Netz gebracht haben. „Die ersten Projekte sind bereits in Betrieb oder im Bau, so dass wir mit diesem Engagement bislang wirklich zufrieden sind“, sagt Spohn. Noch im Köcher haben die Stadtwerke den Bau einige Windparks, die das Ergebnis einer Zusammenarbeit mit dem Projektentwickler Abo Wind AG sein werden. „Das werden eher kleinere Projekte, deren Inbetriebnahme noch dauern wird“, meint Spohn.

Mit den Beteiligungen an den Trianel-Windprojekten an Land und auf See könnten die Stadtwerke Bochum den Grünstromanteil an ihrer Erzeugung bis Ende dieser Dekade nach eigenen Berechnungen auf gut 35 Prozent steigern – und lägen damit über dem (allerdings in die Jahre gekommenen) Ausbauziel der Lokalpolitik.
 
Bochums Stadtwerke-Chef Dietmar Spohn nimmt eine neue Ladesäule für E-Autos in Betrieb
Bild: Stadtwerke Bochum

Genaugenommen zählt das Unternehmen einen gut siebenprozentigen KWK-Anteil bei diesen 35 Prozent mit. Auch diese Quote dürfte bis zum Ende dieser Dekade um einiges steigen. Zu Beginn dieses Jahres hatten die Stadtwerke zusammen mit der Ruhr-Universität die „unique Wärme GmbH & Co. KG“ gegründet. Die neue Gesellschaft soll nach dem Auslaufen der bisherigen Wärmebezugsverträge mit RWE ab 2018 neuer Wärmelieferant für den Bochumer Süden werden, wozu auch der komplette Campus der Ruhr-Uni zählt. Die notwendige Energie sollen neben einem Erdgaskessel zwei Blockheizkraftwerke liefern, die auf eine Leistung von 7,5 MWel und 7,2 MWth ausgelegt sein werden. Unique wird dafür rund 25 Mio. Euro investieren. Was den Stadtwerken Bochum über Jahre hinweg sichere Einnahmen verschafft; das Gleiche gilt auch für die Beteiligungen im Windgeschäft.

Was wichtig ist: Mit der nächsten Stufe der Anreizregulierung wird die Netzgesellschaft der Stadtwerke jährlich rund fünf Mio. Euro weniger in der Kasse haben. Fehlen wird den Stadtwerken vorerst die einstellige Millionen-Ausschüttung aus der Steag-Beteiligung. Zu 18 Prozent sind die Westfalen an dem traditionellen Steinkohleverstromer beteiligt, der Mitte September weitreichende Streichungen bei den Mitarbeiterzahlen und Schließungen im Kraftwerkspark bekanntgab. „Wir müssen uns darauf einstellen, dass wir von der Steag in den kommenden Jahren weiter reduzierte, schlimmstenfalls auch keine Ausschüttungen erhalten werden“, kommentiert Spohn die Ankündigungen aus Essen. „Wir gehen davon aus, dass die Gewinnabführung der Steag an unser Kommunal-Konsortium reichen wird, um alle Verbindlichkeiten für die zum Kauf notwendigen Kredite leisten zu können.“ Mit einer „ordentlichen Dividende“ aus dem Hause Steag rechnen die Stadtwerke nicht vor 2020.

Gebrauchen könnte der Stadtwerke-Chef dieses Geld schon früher. Bochums Stadtkämmerer will in den kommenden Jahren eine hohe Ausschüttung von mindestens 50 Mio. Euro von seinem erfolgreichen Tochterunternehmen überwiesen bekommen. „Langweilig“, so lautet Spohns Quintessenz, „wird es bei uns auf keinen Fall werden.“

 
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Freitag, 16.09.2016, 09:32 Uhr