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Enerige & Management > Regenerative - Brandenburg setzt auf Wasserstoff
Bild: lassedesignen / Fotolia
REGENERATIVE:
Brandenburg setzt auf Wasserstoff
Das ostdeutsche Bundesland ist schon ein wichtiger Windstromproduzent und sieht große Chancen in einer ergänzenden Wasserstoffwirtschaft.
 
Brandenburg will eine Vorreiterrolle beim Aufbau einer erneuerbaren Wasserstoffwirtschaft übernehmen und so die Energiewende voranbringen. Das ist das Ziel von Wirtschafts- und Energieminister Jörg Steinbach (SPD). Wasserstoff biete große Chancen für das Bundesland, erklärte er bei der Vorstellung einer Studie, die die Potenziale der Wasserstoffwirtschaft auslotet. Ohne Wasserstoff und Sektorkopplung werde es keine erfolgreiche Energiewende geben, ist sich Steinbach sicher.

Kernaussage der von Experten des Deutschen Wasserstoff- und Brennstoffzellen-Verbandes für das Ministerium erstellten Studie: Brandenburg könnte ein interessanter Standort sein – sowohl für die Entwicklung und Produktion von Wasserstofftechnologien wie auch für die Herstellung und Nutzung des Energieträgers aus erneuerbarem Strom.
 
Minister Jörg Steinbach sieht in einer Wasserstoffwirtschaft gute Chancen für Brandenburg
Bild :Till Budde

Steinbach hob vor allem das „industriepolitische Potenzial“ hervor: Durch Ansiedlung einer Elektrolyseproduktionsindustrie könnten in Brandenburg bereits 2030 zwischen 3 500 und 7 000 qualifizierte Arbeitsplätze geschaffen werden, heißt es in der Studie. Steinbachs Hoffnung ist, damit Arbeitsplatzverluste durch den Braunkohleausstieg in der Lausitz auszugleichen. Er sprach von zusätzlicher regionaler Wertschöpfung und Beschäftigung – „also genau das, was wir für eine erfolgreiche Strukturentwicklung in der Lausitz dringend brauchen“.

Als Grundlage für den Start der Produktion von grünem Wasserstoff sieht Steinbach große Mengen Windstrom aus dem Norden Brandenburgs, die ungenutzt abgeregelt werden, weil Stromleitungen für den Abtransport fehlen. „An jede Windmühle gehört unten ein Elektrolyseur dran“, formulierte er etwas überspitzt seine Vorstellungen von einer flexibleren Nutzung des erneuerbaren Stroms.

Auch für die Nutzung von grünem Wasserstoff ist Brandenburg nach Einschätzung des Ministers in einer guten Ausgangsposition. In der Raffinerie in Schwedt könne der erneuerbare Energieträger für die Produktion synthetischer Kraftstoffen eingesetzt werden. „Die energieintensive Industrie in Brandenburg kann so an der Spitze der Wasserstoff-Bewegung zukunftsfähig gemacht werden.“

Industrie und Mobilitätssektor als wichtige Wasserstoffnutzer

Weitere Anwendungsmöglichkeiten bestünden im Schwerlastverkehr, in der Binnen- und Fahrgastschifffahrt sowie im Bereich des öffentlichen Nahverkehrs. Zudem denke er an einen schrittweisen Umbau der Kraftwerksstandorte Jänschwalde und Schwarze Pumpe zu wasserstoffbasierten Speicherkraftwerken. Das sei nicht nur eine volkswirtschaftlich sinnvolle Nachnutzung vorhandener Infrastruktur, sondern zugleich eine wichtige Perspektive für die Energieregion Lausitz, so Steinbach.

Das Land fange beim Thema Wasserstoff auch nicht bei null an. Der Minister verwies auf Erfahrungen mit dem Hybridkraftwerk in Prenzlau, das Wasserstoff für Tankstellen herstellt, und mit der Power-to-Gas-Anlage in Falkenhagen, die Wasserstoff und synthetisches Erdgas in das Gasnetz einspeist.

Die Ausarbeitung einer Wasserstoffstrategie betrachtet Steinbach als wichtige Aufgabe der künftigen Landesregierung – Brandenburg wählt am 1. September ein neues Parlament. Vorarbeiten habe das Land mit der Ansiedlung des DLR-Institutes für dekarbonisierte Industrieprozesse und der Kompetenzstelle des Bundesumweltministeriums für stromintensive Industrien an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg geleistet.

Außerdem habe er zum 15. Juli in seinem Ministerium ein eigenes Referat für die Themen Sektorenkopplung und Power-to-X eingerichtet, das alle Wasserstoffthemen bündelt.

Aufgabe der künftigen Landesregierung sei ferner, finanzielle Mittel des Bundes für den Strukturwandel in der Lausitz für die Förderung von Wasserstoffaktivitäten zu nutzen. „Ich hoffe und erwarte, dass sich die nächste Landesregierung dieser Aufgabe kraftvoll annimmt“, sagte Steinbach.

Und auch die Bundesregierung nimmt er in die Pflicht. Deren Ankündigungen, das Abgaben- und Steuersystem auf Energie zu reformieren, um die Nutzung von erneuerbarem Strom für die Sektorkopplung zu erleichtern, begrüße er ausdrücklich, so der Minister.

Außerdem kündigte Steinbach eine Bundesratsinitiative Brandenburgs mit dem Ziel an, die Bundesregierung dazu zu bewegen, die europäische Erneuerbare-Energien-Richtlinie (Renewable Energy Directive, RED II) rasch in nationales Recht umzusetzen. Die Richtlinie verpflichte Kraftstoffproduzenten, die CO2-Emissionen ihrer Produkte zu senken, und ermögliche es den Raffinerien, die Verwendung von grünem Wasserstoff auf diese Verpflichtung anzurechnen. Durch eine solche regulatorische Weichenstellung könne das Thema Wasserstoff gut vorangebracht werden, begründete Steinbach die Initiative.

Die H2-Industrie Potenzialstudie Brandenburg   kann von der Internetseite des Ministeriums heruntergeladen werden. 
 

 
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Mittwoch, 07.08.2019, 17:32 Uhr