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Enerige & Management > Windkraft Onshore - Braun: "Einheitliches Baurecht in allen Bundesländern notwendig"
Bild: Jonas Rosenberger / E&M
WINDKRAFT ONSHORE:
Braun: "Einheitliches Baurecht in allen Bundesländern notwendig"
Weltweit sind rund 4 000 Kleinwindenergieanlagen der Braun Windturbinen GmbH In Betrieb. Doch nur die Hälfte davon in Deutschland. Warum ist das so?
 
E&M: Herr Braun, Ihr Unternehmen zählt zu etablierten Herstellern von Kleinwindenergieanlagen. Wer zählt typischerweise zu Ihren Kunden?

Braun: Unsere Kunden sind Landwirte, Privatpersonen und Industriebetriebe, aber auch Schulen, Universitäten und Kommunen.

 
Rüdiger Braun: „Der deutsche Markt hat Potenzial“
Bild: Braun Windturbinen GmbH


E&M: Mit welchen Anwendungskonzepten errichten und betreiben Ihre Kunden die Anlagen?

Braun: Die Anlagen laufen im Netzparallelbetrieb, zur Heizungsunterstützung oder im Inselbetrieb. Unternehmen kaufen eine oder mehrere Anlagen und montieren sie auf Flachdächern, um ihren Betrieb mit grünem Strom zu versorgen – was beispielsweise recht häufig in Belgien der Fall ist. Landwirte nutzen den Strom in der Regel ebenfalls zur Eigenversorgung. Und in Russland oder in der Mongolei werden ganze Dörfer mit Strom aus Kleinwind und Solar versorgt.

E&M: Stichwort Solarenergie: Oft stehen Kleinwindanlagen in direkter Konkurrenz zur Photovoltaik. Ist Kleinwind zu teuer?

Braun: Nein. Kleinwindanlagen sind eine gute Ergänzung zur Solaranlage, gerade auch in der „dunklen Jahreszeit“, weil sie rund um die Uhr Strom produzieren können. Solarmodule kommen meist aus China. Ich frage mich, wieso man Module aus einem Land kauft, in dem große Teile der Bevölkerung unter Smog leiden. Und damit will man dann hier sogenannte grüne Energie produzieren. Außerdem wurden die Solaranlagen jahrelang kräftig subventioniert, dagegen erhielten die Betreiber von Kleinwindanlagen nur eine Einspeisevergütung von 8 bis 9 Cent pro Kilowattstunde, sprich so viel wie der Betreiber von den großen Windenergieanlagen.

E&M: Welche Rolle spielt der deutsche Markt für Ihr Unternehmen?

Braun: Der deutsche Markt hat Potenzial und das nicht nur in den Küstenregionen. Dieses Potenzial wird jedoch (noch) nicht umgesetzt, trotz hoher Kundennachfragen. Unser Exportanteil liegt daher bei circa 60 Prozent. Wenn es in Deutschland bei den derzeitigen Regulierungen und Hemmnissen bleibt, wird es keinen Zuwachs auf dem deutschen Markt geben.

„Manche Kunden klagen bis vor das Oberverwaltungsgericht“

E&M: Was konkret sind diese Regulierungen und Hemmnisse?

Braun: Jedes Bundesland hat seine eigenen Bauvorschriften. Die Kunden müssen teilweise zwei bis drei Jahre auf eine Genehmigung warten. Manche unserer Kunden klagen bis vor das Oberverwaltungsgericht, um eine Genehmigung zu erhalten. Wir haben auch schon Fälle erlebt, da war der Bürgermeister aus privaten Gründen gegen die Anlage. Durch seine guten Verbindungen zum Bauamt ließ man sich dort immer neue Schikanen einfallen, um den Bau zu verhindern. In diesem Fall war der Kunde sogar zweimal vor Gericht gezogen. Die Anlage soll in einem Gewerbegebiet mit E-Tankstelle stehen. Und dies in Zeiten der sogenannten Energiewende und des Klimawandels. Da kann ich nur mit den Kopf schütteln.

 
Eine Kleinwindanlage vom Typ Antaris 75 ergänzt auf dem landwirtschaftlichen Betrieb Huber im bayerischen Erding eine Photovoltaikanlage. Unterschiedliche Regulierungen in den Bundesländern hemmen aber den Markterfolg im Inland.
Bild Braun Windturbinen GmbH


E&M: Welche Vorschläge haben Sie, um die Marktsituation für kleine Windenergieanlagen hierzulande zu verbessern?

Braun: Wir brauchen vor allem einheitliche Bauregelungen in allen Bundesländern. Zumindest bis zu einer Masthöhe von 15 Metern sollten die Anlagen genehmigungsfrei sein. Weiterbringen würde es uns auch, wenn Städte und Gemeinden keine Möglichkeit zum Einspruch mehr hätten, da in den Gemeinderäten weitestgehend der Sachverstand zum Thema fehlt. Und entscheidend ist natürlich auch die Finanzierung. Es müsste eine Einspeisevergütung von mindestens 0,15 Cent pro Kilowattstunde geben, so wie in Japan oder auf Sri Lanka. Eine weitere Fördermöglichkeit wäre neben direkten Zuschüssen wie in den Niederlanden das so genannte Net-Metering wie in Dänemark, wo der Zähler bei der Stromeinspeisung rückwärts läuft.

E&M: Hört sich so an, als seien andere Länder deutlich weiter als Deutschland...

Braun: Bei uns haben die Behörden das Thema Kleinwindanlagen schlichtweg verschlafen und das Produkt trotz der hohen Kundenanfrage massiv blockiert. Wir wünschen uns, dass unseren Kunden der Erwerb einer Antaris-Windanlage deutlich vereinfacht wird und dass eine einheitliche Genehmigungsrichtlinie, die für alle Bundesländer und alle Bauämter verbindlich ist, erlassen wird. Diese Abstimmung sollte in Zusammenarbeit mit den Herstellern passieren.
 
Zur Person
Rüdiger Braun
ist der Entwickler der Antaris-Kleinwindenergieanlagen und Technischer Leiter der Braun Windturbinen GmbH mit Sitz in der Westerwald-Ortsgemeinde Nauroth.
 

 
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Donnerstag, 02.05.2019, 09:03 Uhr