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Enerige & Management > Gasspeicher - Büx: „Gehe davon aus, dass Kapazitäten aus dem Markt gehen“
Bild: Fotolia.com, B Wylezich
GASSPEICHER:
Büx: „Gehe davon aus, dass Kapazitäten aus dem Markt gehen“
Arno Büx, Geschäftsführer der Speichergesellschaft Storengy Deutschland, über Wege zu einem wieder lohnenden Gasspeichergeschäft.
 
E&M: Her Büx, sind Ihre Gasspeicher im vergangenen Winter für die Versorgungssicherheit gebraucht worden?
 
Büx: Zumindest sind sie im Winter von unseren Kunden genutzt und beschäftigt worden – zu welchem Zweck, das entzieht sich unserer Kenntnis.
 
E&M: Wie hat sich die Speichernutzung in den letzten Jahren verändert?
 
Büx: Früher war die Nutzung sehr stark temperaturgetrieben, Preis- und Temperaturkurve liefen parallel. Im Sommer wurde ein- und im Winter ausgespeichert. Heute folgt die Speichernutzung vor allem der Preis- und nicht mehr der Temperaturkurve. Ein Beispiel: Im vergangenen Februar lagen die Marktpreise für Gas niedriger als im Sommer und daraus resultierte die ungewöhnliche Situation, dass in einem Wintermonat sogar eingespeichert wurde.
 
E&M: Woran liegt das?
 
Büx: Die großen saisonalen Preisunterschiede zwischen Sommer und Winter gibt es nicht mehr. Damit entfällt auch die Selbstverständlichkeit, dass im Sommer ein- und im Winter ausgespeichert wird, was automatisch Versorgungssicherheit für die kalte Jahreszeit bedeutete.
 
Arno Büx: „Jeder Akteur verlässt sich inzwischen auf die kurzfristige, ununterbrochene Liquidität des Gasmarktes“
Bild Storengy

E&M: Mit welchen Folgen für die Versorgungssicherheit?
 
Büx: Die Verantwortung für Versorgungssicherheit ist in der unbundelten Gaswirtschaft nicht ausreichend klar geregelt. Jeder Akteur verlässt sich inzwischen auf die kurzfristige, ununterbrochene Liquidität des Gasmarktes. Die Frage ist, ob ein Versorger damit seine Verpflichtung erfüllt.

„Der Speicherbetrieb ist zurzeit nicht kostendeckend“

E&M: Wie wirtschaftlich ist das Speichergeschäft für Sie als Betreiber noch, wenn Speichern nicht mehr so attraktiv ist?
 
Büx: Die Vergütung für die Speichernutzung war vor vier Jahren noch etwa viermal so hoch wie jetzt. Der Speicherbetrieb ist zurzeit nicht kostendeckend. Der Wettbewerb um Speicherkunden spielt sich also auf der Ebene der Grenzkosten ab.
 
E&M: Aber Sie haben noch im letzten Jahr den Speicher Peckensen ausgebaut. Warum?
 
Büx: Alle Ausbauprojekte, die nicht schon in der Realisierungsphase waren, haben wir gestoppt. Zu Ende geführt wurden nur noch Investitionsentscheidungen, die vor vier oder fünf Jahren getroffen worden waren und deren Kapazitäten bereits langfristig vermarktet sind.
 
E&M: Wie stark drückt die zurückgehende Nutzung der Gaskraftwerke auf Ihr Speichergeschäft?
 
Büx: Mehr als spürbar.
 E&M: Ist mit Speicherstilllegungen zu rechnen?
 
Büx: Ich gehe davon aus, dass Kapazitäten aus dem Markt gehen werden.
 
E&M: Auch bei Storengy Deutschland?
 
Büx: Anlagen müssen rentabel sein und auch wir müssen angesichts der Überkapazitäten unser Anlagenportfolio auf seine Attraktivität hin bewerten. Dafür gibt es auch bei Gasspeichern eine Merit Order der Standorte. Unsere Vermarktungssituation erlaubt es, dieses Jahr alle Anlagen weiter zu betreiben. Wie weit das im nächsten Jahr noch der Fall sein wird, wird sich zeigen.

Auch bei Gasspeichern gibt es eine Merit Order

E&M: Ist auf Betreiberseite mit einer Konsolidierung zu rechnen?
 
Büx: Die Auflagen – sowohl was das Energierecht wie auch das Bergrecht angeht – nehmen immer mehr zu. Speicherbetreiber brauchen, um diese Auflagen zu erfüllen, eine Mindestausstattung an Know-how, deren Fixkosten enorm sind. Vier oder fünf größere Betreiber stellen deshalb heute schon 80 Prozent des Marktes dar. Die restlichen 20 Prozent der Speicher, werden von Stadtwerken überwiegend für eigene Versorgungszwecke genutzt. Die externe Beschaffung von Flexibilität wird für diese Unternehmen immer attraktiver, und so könnten sich viele dafür entscheiden, Speicher als Asset zu verkaufen oder zumindest die Betriebsführung an einen größeren Akteur abzugeben, der Speicherdienstleistungen für Dritte anbietet, wie wir es zum Beispiel tun.
 
E&M: Was lässt sich mit neuen Speicherprodukten bewegen?
 
Büx: Darauf liegt unser Hauptaugenmerk. Der rapide Verfall der Preisdifferenz zwischen Sommer und Winter hat eine ganz neue Situation geschaffen. Speicherkapazitäten sind, anders als vor vier oder fünf Jahren, kein knappes Gut mehr. Das hat auch das Kräfteverhältnis zwischen Betreibern und Kunden verändert. Modelle der langfristigen Vermarktung, bei denen das Risiko komplett bei den Kunden lag, sind nicht mehr durchzusetzen. Auch Speicherbetreiber müssen deshalb stärker ins Risiko gehen. Daraus resultieren neue Preisformeln und Verträge.
 
E&M: Wirken sich mögliche Speicherstilllegungen auch auf das Gasnetz aus?
 
Büx: Speicher stabilisieren und flexibilisieren die Netze. Und ich vertraue darauf, dass wir die Diskussion darüber, welchen Beitrag Speicher zur Vermeidung von Netzausbau und zur Entlastung von Netzengpässen leisten können, noch führen werden. Spätestens wenn einige verbrauchsnahe Speicher zur Stilllegung anstehen und lokale Versorger deshalb plötzlich mehr Transportkapazitäten in vorgelagerten Netzen benötigen.

Durch Speicher vermiedene Netzausbaukosten berücksichtigen

E&M: Wie könnte dieser Beitrag der Speicher berücksichtigt werden?
 
Büx: Bei der Festsetzung der Netzentgelte für Speichernutzer. Unserer Meinung nach müssten dabei die durch Speicher vermiedenen Netzausbaukosten berücksichtigt werden. Beim Strom wird derzeit viel darüber diskutiert, wie der Netzausbau reduziert werden könnte, wenn wir Speicher hätten. Beim Gas haben wir sie, und setzen sie aufs Spiel, weil wir nicht bereit sind, Anreize für ihren Weiterbetrieb zu schaffen.
 
E&M: Wie könnten solche Anreize aussehen?
 
Büx: Speichernutzer müssten bei den Netzentgelten entlastet werden. Das haben die EU und fast alle Länder um uns herum, wie Tschechien, Frankreich, Belgien und die Niederlande, schon verstanden. Überall dort sinken die Netzgebühren für Speichernutzer. In Deutschland dagegen steigen insbesondere im Marktgebiet Gaspool die Transportentgelte dramatisch an. Das ist für Speicherbetreiber eine zusätzliche Belastung und ein echtes Risiko, das auch im Interesse der allgemeinen Versorgungssicherheit beseitigt werden muss.
 
E&M: Haben Sie Hoffnung auf Besserung?
 
Büx: Regulierung ist ein lernendes System. Alle Beteiligten arbeiten mit Ernsthaftigkeit und gutem Willen an Verbesserungen.
 
E&M: Braucht Deutschland, um den Beitrag der Gasspeicher zur Versorgungssicherheit zu erhalten, auch so etwas wie einen Kapazitätsmarkt für Speicher?
 
Büx: Die Frage, die dahinter steht, lautet auch beim Gas: Wie vergütet man Versorgungssicherheit? Ich plädiere für einen Reserveenergiemarkt, der nach den Regeln des Ausgleichsenergiemarktes organisiert wird. Man definiert dafür einen Versorgungsstandard, den Versorger erfüllen müssen. Die Speicher dafür sind vorhanden und müssten geordert werden. Ein solches System wäre sehr schnell einzuführen – und es entstünden gegenüber zur früheren Situation keine Mehrkosten.
 
 
Storengy Deutschland
 
gehört zur französischen GDF-Suez-Gruppe und betreibt in Nord- und Süddeutschland sieben unterirdische Gasspeicher mit einem Arbeitsgasvolumen von insgesamt 2 Mrd. m3.

 
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Mittwoch, 19.03.2014, 14:50 Uhr