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Enerige & Management > IT - Bundesweiter Ansatz bevorzugt
Bild: roostler - Fotolia
IT:
Bundesweiter Ansatz bevorzugt
Ob die Energiewirtschaft bei der Lizenzvergabe für das 450-MHz-Netz wirklich zum Zuge kommt, steht noch nicht fest. Theoretisch könnte es sogar noch eine Versteigerung geben.
 
In seiner digitalen Agenda vom Juni 2016 hat sich der BDEW über die Anforderungen an die Kommunikationsinfrastruktur im intelligenten Netz geäußert. „Die sehr spezifischen Anforderungen beispielsweise an Verfügbarkeit oder IT-Sicherheit können in den Mobilfunknetzen der großen öffentlichen Mobilfunkprovider nicht umgesetzt werden“, ist dort nachzulesen. Deshalb sprach sich der Verband sehr deutlich für die Nutzung des 450-MHz-Netzes aus.

Selbst ein Business Development Manager der Deutschen Telekom betrachtete damals LTE 450 als Lösung für ein Funknetz für die gesamte Energiewirtschaft über alle Infrastrukturen hinweg. Allein für die Anbindung von intelligenten Messsystemen sei die Technologie allerdings nicht unbedingt nötig. Deshalb könnten nur die Smart-Grid-Anwendungen insgesamt und der Wunsch nach einem separaten Kommunikationsnetz die Treiber für LTE 450 sein.

Drei Lizenzen sind derzeit vergeben

„Smart Grid“ ist mittlerweile fast schon ein Synonym für das heutige und noch mehr das zukünftige Energiesystem geworden und die Rufe nach einem separaten Kommunikationsnetz für Krisensituationen hallen derzeit deutlich vernehmbar durch die Energielandschaft. Dabei ist LTE, also der Mobilfunkstandard der vierten Generation, nicht die erste Priorität, aber zumindest eine Option für die 450-MHz-Zukunft.

Die Deutsche Telekom ist im Zusammenhang mit dem 450-MHz-Netz indes nicht mehr auffällig geworden, obwohl der Konzern noch im Besitz einer Lizenz für diese Frequenz ist. Zwei weitere Lizenzen gehören derzeit 450 Connect. Die Tochtergesellschaft des niederländischen Energie- und Telekommunikationsbetreibers Alliander hat hierzulande bislang sechs Verteilnetzbetreiber als Kunden gewonnen: EWE Netz, Netzgesellschaft Düsseldorf, Wemag, Thüringer Energienetze, Westfalen Weser Netz sowie Net Aachen für die Regionetz. Mit ihnen zusammen baut sie – noch regional fokussiert – jeweils ein langwelliges Funknetz auf. Wie bei der Mutter in den Niederlanden geht es dabei um CDMA450, also einen Mobilfunkstandard der dritten Generation.

Die Lizenzen für die 450-MHz-Frequenz sind befristet und laufen zum 31. Dezember 2020 aus. Eine Neuvergabe steht an. Doch zunächst muss erst einmal über die Nutzung der Frequenz entschieden werden. Dies solle noch 2018 geschehen, hat die Bundesnetzagentur im Rahmen einer Frequenzbedarfsabfrage erklärt.

Bereits in ihren „Orientierungspunkten zur Bereitstellung von Frequenzen für den Ausbau digitaler Infrastrukturen“ von 2016 hat die Behörde angekündigt, dass ab dem 1. Januar 2021 das 450-MHz-Netz für Anwendungen kritischer Infrastrukturen genutzt werden soll, also beispielsweise im Energiesektor, von Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben und vom Militär. Aus allen Bereichen wurde auch Bedarf angemeldet. Ob es schließlich zu einer parallelen Nutzung durch Energiewirtschaft, Bundeswehr und die Sicherheitsbehörden kommt, ist noch offen. Doch laut Bundesnetzagentur überwogen in den Bedarfsmitteilungen eindeutig die Stimmen, die aufgrund des begrenzten Frequenzspektrums eine exklusive Zuteilung für geboten halten.

Die Bundesnetzagentur prüft die Bedarfsanmeldungen

Das Ziel, das die Regulierungsbehörde mit der Bereitstellung der Frequenzen verfolgt, formuliert sie in den Erläuterungen zur Frequenzbedarfsabfrage so: Zukünftige Zuteilungsinhaber sollten bundesweit Telekommunikationsnetze errichten und diese für Anwendungen kritischer Infrastrukturen bereitstellen. Es sei dabei nicht zwingend erforderlich, dass interessierte Unternehmen selbst zu dieser Nutzergruppe gehören. Sie könnten auch in Form eines Betreibermodells die Telekommunikationsdienstleistungen den Betreibern kritischer Infrastrukturen anbieten.

Derzeit ist die Bundesnetzagentur dabei, die Bedarfsanmeldungen zu prüfen. Über die konkrete Nutzung der Frequenz soll danach in einem „objektiven, transparenten und diskriminierungsfreien Verfahren rechtzeitig vor dem Auslaufen der Frequenzzuteilungen“ entschieden werden, wie es in den Orientierungspunkten heißt. Spätestens im zweiten Halbjahr 2019 wird dann die Bundesnetzagentur die Modalitäten für die Frequenzzuteilung festlegen.

Die Energiewirtschaft macht sich derweil Hoffnung auf eine unentgeltliche Vergabe der Lizenz an die Stromnetzbetreiber. Vielversprechende Signale seien bereits vom Bundeswirtschaftsministerium und der Bundesnetzagentur ausgesendet worden, wie aus der Branche zu hören ist. Ein Sprecher der Behörde betonte jedoch auf Anfrage von E&M, es sei keine Vorfestlegung getroffen worden. Und ganz unentgeltlich sei die Frequenznutzung ohnehin nicht. Schließlich gebe es die Frequenznutzungsgebührenordnung, auf deren Grundlage nach Ablauf des jeweiligen Nutzungszeitraums von der Bundesnetzagentur Rechnungen verschickt werden.

Je nach Blickwinkel könnte man sogar argumentieren, dass die divergierende Interessenlage der Nutzergruppen, die Bedarf angemeldet haben, eine Knappheitssituation widerspiegelt. Damit wäre auch eine Versteigerung zumindest theoretisch noch nicht vom Tisch. Allerdings lässt das Telekommunikationsgesetz auch einen „Beauty Contest“ zu, für den die Bundesnetzagentur die Kriterien vorgeben würde.

Vergabe nach Versteigerung oder Beauty Contest

Positiv könnte sich dann auswirken, dass eine Reihe von Netzbetreibern schon heute Betriebsfunknetze betreibt, beispielsweise auf der 430-MHz-Frequenz, und deshalb der Aufbau eines 450-MHz-Netzes nicht bei Adam und Eva beginnen müsste. Darüber hinaus haben die Netzbetreiber bereits umfassende Notstromkonzepte implementiert, die nicht nur Stunden, sondern gleich Tage und Wochen puffern können. Für den Betrieb eines Kommunikationsnetzes, das schwarzfallfähig sein soll, ist das keine unerhebliche Voraussetzung.

Einen gewissen Spielraum hat die Bundesnetzagentur. Sie könnte am Ende auch durch ein geschicktes Ausbalancieren der verschiedenen Interessen der potenziellen Nutzer andere Frequenzen ins Spiel bringen oder Frequenzen splitten. Ob und wie sie den Spielraum nutzt, scheint aber tatsächlich noch offen zu sein.

Dass sich am Ende die Energiewirtschaft mit welchem Betreibermodell auch immer durchsetzen wird, ist sicherlich nicht unwahrscheinlich, aber keinesfalls sicher. Viel wird davon abhängen, wie überzeugend die an einer Lizenz interessierten Unternehmen ihr Konzept präsentieren und wie überzeugend eine angekündigte Studie die überragende Bedeutung der Energieinfrastruktur belegen kann. Wenn sich dann noch argumentieren ließe, dass die Sicherheitsbehörden schon frequenztechnisch gut ausgestattet sind und sich mit einem 450-MHz-Netz nur noch die Hosenträger zum Gürtel holen, wäre die Branche ihrem Ziel vermutlich ein großes Stück näher. 

 
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Donnerstag, 18.10.2018, 09:07 Uhr