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CONTRACTING:
Chancen und Grenzen von PPA in Deutschland
Auf dem Energiewendekongress der Dena  in Berlin haben Branchenvertreter Vor- und Nachteile von EEG-Förderung und Direktlieferverträgen (PPA) für grünen Strom abgewogen
 
Das Erneuerbare Energiengesetz (EEG), das für 20 Jahre den Erzeugern von Strom aus Sonne, Wind oder Biomasse eine gesicherte Einspeisung zu einer festen Vergütung garantierte, sei essentiell gewesen für die Marktfähigkeit. Nun aber endet ab 2020 diese Förderung für die ersten Anlagen. Damit sie weiter betrieben werden, könnten PPA (Direktlieferverträge) eine Möglichkeit sein, erläuterten Energieexperten auf dem Dena-Kongress in Berlin.

Marcel Keiffenheim, Bereichsleiter Kommunikation bei Greenpeace Energy, ist dafür, diesen Anlagen eine feste Vergütung zu ermöglichen, damit ihre Betreiber sie weiter laufen lassen. Das diene dem Klimaschutz doppelt, weil keine neuen Anlagen nötig seien und weiter erneuerbarer Strom erzeugt wird. In Deutschland taugten PPA aber nur als ergänzendes Instrument zum EEG. Dieses sei für die Neuerrichtung von erneuerbaren Anlagen weiter nötig, weil nur so auch kleinere Akteure sie finanzieren könnten.

In anderen Ländern, wo nur über PPA finanziert werde, hätten Bürgerenergieprojekte keine Chance, weil sie keine Finanzierung bekommen würden. "Wir haben jetzt drei PPA abgeschlossen, die aber im Prinzip auf steigende Strompreise wetten", berichtete Keiffenheim. Man sei gezwungen, bei Flaute Strom zuzukaufen und könne nicht wissen, ob der Marktpreis nicht sinkt. Dieses Risiko der PPA sinke erst mit einem steigenden CO2-Preis, den die Bundesregierung durchsetzen muss.

Herkunftsnachweise für grünen Strom sollten nur die Anlagen bekommen, die jetzt aus der EEG-Vergütung fallen, damit sie eine Chance am Markt haben. Denn sie sparten allein halb soviel CO2 ein wie der gesamte Kohleausstieg. "Sie dürfen nicht stillgelegt werden", mahnte Keiffenheim. Die ohnehin EEG-geförderten Anlagen brauchten den Herkunftsnachweis nicht.

PPA helfen für Weiterbetrieb von Altanlagen

Für den Weiterbetrieb von Anlagen nach dem EEG setzt sich Re-Wind ein. Geschäftsführer Lars Meyer berichtete, dass sein Unternehmen Windkraftanlagen an Land aufkauft und weiter betreibt oder am alten Standort leistungsfähigere neue Anlagen errichtet (Repowering). "In den nächsten fünf Jahren fallen 15 GW Leistung aus dem EEG, davon sind 10 GW am alten Standort nicht zu repowern - aber ihre Stromerzeugung soll nicht wegfallen", sagte Meyer.

Allerdings werde Repowering im Genehmigungsverfahren momentan nicht anders behandelt als eine Neuanlage. Darum könne ein Weiterbetrieb einfacher und sinnvoller sein. Viele Anlagenbesitzer scheuten aber den Aufwand einer neuen technischen Prüfung und nötiger Instandhaltungen. Deshalb kaufe Re-Wind ihre Anlagen und fasse ihre Stromerzeugung zu größeren vermarktbaren Einheiten zusammen. "Die Stärke des EEG ist die Schwäche der PPA", weil keine Direktvermarktung so sichere und hohe Preise wir das EEG garantieren könne, gestand Meyer zu.

Andre Hückstedt, Leiter Energie der Umweltbank, betrachte die PPA aus Sicht des Finanzierers. Er kritisierte die 10-MW-Grenze beim Photovoltaikausbau, da Netzanschluss und Umspannwerke mit finanziert werden müssten. Da PPA das Risiko der Marktpreise und Erzeugung beinhalten, wären 20 Jahre Vorausschau oder Festlegung wie beim EEG nicht möglich. Allerdings wäre das am Finanzmarkt vorteilhaft. "Bisher waren die Preise für erneuerbare Erzeugung zu hoch, um PPA interessant zu machen. Dank des EEG haben sich die Technologien so weiterentwickelt, dass erneuerbarer Strom wirklich wettbewerbsfähig sind", lobte Hückstedt.

Grenzen für PPA für die Industrie

"Das Problem ist die Regulierung", sagte Claus Beckmann, Leiter Energie und Klimapolitik von BASF. Die Industrie würde gern erneuerbaren Strom beziehen, um weniger Treibhausgase auszustoßen. Das aber sei aktuell nicht möglich. "Wir sind zu 100 Prozent Eigenversorger unseres Stroms, dafür sind wir von bestimmten Abgaben und Umlagen befreit", erläuterte Beckmann. Diese Erzeugungskosten seien vergleichbar mit der Erzeugung aus erneuerbaren Quellen, selbst wenn die Netzumlage hinzu käme, weil die Brennstoffkosten wegfielen.

Sobald BASF aber Fremdstrom beziehe, zum Beispiel erneuerbaren Strom, fielen die Umlagenbefreiungen weg. "Der Preis verdreifacht sich durch die EEG-Umlage, Energiesteuer und andere Zuschläge", sagte Beckmann. Selbst wenn sein Unternehmen selbst erneuerbaren Strom erzeuge, müsse es 40 Prozent EEG-Umlage dafür zahlen. Damit sei man nicht mehr wettbewerbsfähig im internationalen Maßstab. Diese Regularien müssten dringend verändert werden.

Daniel Parsons, Head of PPA der Baywa RE, lobte die Herkunftsnachweise für erneuerbare Stromerzeuger nach dem EEG als eine gute Chance für die Vermarktung. "EEG und PPA ergänzen sich in Deutschland, beide sollten erhalten bleiben", sagte er. Klimaschutz und Ökostrom seien wesentlich für das Image von Unternehmen geworden, aber sie müssten zu konkurrenzfähigen Preisen erhältlich sein. Das aber sei inzwischen möglich.

 
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Montag, 25.11.2019, 15:55 Uhr