• Notierungen im Steigen
  • Energiemärkte zeigen sich weiter fest
  • Stufenweiser Smart Meter Rollout geht weiter
  • Neue Allianz fordert 500 Euro Energiewende-Prämie
  • Kabinett beschließt Etat 2022 und Klimaschutzgesetz mit Lücken
  • EnBW verkauft Start-up Twist Mobility
  • Stadtwerke Bochum erfüllen Unternehmensziele
  • EnBW will bis 2025 rund 180 Mio. Euro einsparen
  • Die Marktmacht von RWE wächst
  • Sieben Empfehlungen zum Gelingen der Energiewende
Enerige & Management > Meinung - Denn sie wissen nicht, was sie tun
Bild: Fotolia.com, Bertold Werkmann
MEINUNG:
Denn sie wissen nicht, was sie tun
Ein Glück nur, dass sich die Regulierung der Netzentgelte hinter so komplizierten Begriffen verstecken kann: Erlösobergrenzen, Erweiterungsfaktor... Wer sich nicht von Berufs wegen damit beschäftigen muss, macht um dieses Dickicht lieber einen Bogen.
 
Das ist gut für alle, die sich das gegenwärtige System ausgedacht haben. Denn schaut man genau hin und schiebt den Wortmüll zur Seite, wird eins schnell klar: Die meisten, die damit zu tun haben, begreifen das System selber nicht.
Zum Beispiel die Netzbetreiber. Viele Verteilnetzunternehmen behaupten, dass das gegenwärtige System vor allem Investitionen in teure neue Kabel attraktiv macht und Investitionen in intelligente Technik bestraft. Wer stumpf in Kupferleitungen investiere, könne sich die Abschreibungen daraus in den nächsten Jahrzehnten verlässlich aus den Netzentgelten wieder zurückholen. Zuzüglich einer lukrativen Verzinsung auf das eingesetzte Kapital.

Wer dagegen das vorhandene Netz so intelligent steuert, dass keine neuen Kabel notwendig sind, fällt nach Ansicht vieler Netzbetreiber mit den Kosten für Sensoren und Telekommunikation in das wesentlich unattraktiveres Regulierungsregime für die laufenden Betriebskosten. Und da bei Betriebskosten kein Eigenkapital eingesetzt werde, gebe es auch dafür auch keine Verzinsung. Zusätzlich drohe, anders als bei den Kapitalkosten, bei den Betriebskosten, beispielsweise durch die Einführung von Yard-Stick-Elementen, eine künftige Verschlechterung. Die Köpfe hinter dem heutige Regulierungsregelwerk sehen das dagegen ganz anders: Wer heute in intelligente Technik investiere, habe sofort geringere Kosten, beispielsweise für Verlustenergie. Entgegen der Behauptungen der Netzbetreiber gebe es derzeit keinen starken Anreiz, Kapitalkosten zu suchen und Betriebskosten zu meiden.

Fragt man aber auf beiden Seiten genau nach, kommt bald die Antwort: „Das ist ziemlich kompliziert. Da müssten auch wir noch mal genau hinschauen.“ Trotz langer Bemühungen der Redaktion: Es lässt sich praktisch nicht rausfinden, welche Seite Recht hat.

Diese Unklarheit allein reicht, dass viele Netzbetreiber weiter machen wie bisher. Spricht man mit vernünftigen Menschen in den Unternehmen, wird eins bald klar: Es gibt viele andere triftige Gründe, warum intelligente Steuerungstechnik sich bei den Verteilnetzbetreibern nicht durchsetzt. Nicht der unwichtigste ist, dass viele Netztechniker der Fitzel-Elektronik traditionsgemäß nicht trauen und lieber mit den richtig großen Werkzeugen arbeiten. Wahrscheinlich müssen die neuen, smarten Techniken mit einer neuen, gezielt geförderten Techniker-Generation in die Unternehmen hinein wachsen.

Die Unsicherheit darüber, welche Anreize vom heutigen Regulierungsregime ausgehen, ist ein denkbar schlechter Startpunkt für die Überprüfung der Anreizregulierung, die mit einem Bericht der Bundesnetzagentur in Kürze beginnen soll. Wie sollen Politiker über Verbesserungen der Regulierung entscheiden, wenn selbst die Praktiker eingestehen müssen, dass sie die Wirkungen des heutigen Systems nicht zweifelsfrei erklären können? Ein ziemlich aussichtsloses Unterfangen. Statt hektische Veränderungen zu starten, sollte die Politik vielleicht erstmal eine Enquete-Kommission einsetzen, die die Wirkungen der heutigen Regelungen erforscht und öffentlich macht.

Mit einem haarsträubenen Unsinn sollte allerdings bald Schluss sein: Derzeit bemessen sich die zulässigen Erlöse der Netzbetreiber auch nach dem Investitionsaufwand, den sie jeweils in den alle fünf Jahre wiederkehrenden Basis- oder Fotojahren betreiben. Stromnetzbetreiber, die in den Jahren 2011 und 2016 ihren Investitionsaufwand hochtreiben, bekommen in der nachfolgenden Regulierungsperiode jeweils schöne Erlöse. Was für ein Fehlanreiz. Das ist ein eine Einladung, die Kosten in bestimmten Jahren hochzutreiben, völlig unabhängig von der Notwendigkeit im Netz. Es erinnert an das Dezember-Fieber in der öffentlichen Verwaltung, bei dem es darum geht, vorhandene Budgets noch schnell auszugeben.

Hier müssen dringend kalte Wadenwickel her.

 
Möchten Sie diese und weitere Nachrichten lesen?
 
 
Testen Sie E&M powernews
kostenlos und unverbindlich
  • Zwei Wochen kostenfreier Zugang
  • Zugang auf stündlich aktualisierte Nachrichten mit Prognose- und Marktdaten
  • + einmal täglich E&M daily
  • + zwei Ausgaben der Zeitung E&M
  • ohne automatische Verlängerung
 
Jetzt kostenlos testen
 
Login für Kunden
 

Kaufen Sie den Artikel
  • erhalten Sie sofort diesen redaktionellen Beitrag für nur € 8.93
 
JETZT ARTIKEL KAUFEN
Mehr zum Thema

 
Haben Sie Interesse an Content oder Mehrfachzugängen für Ihr Unternehmen?
 
Sprechen Sie uns an, wenn Sie Fragen zur Nutzung von E&M-Inhalten oder den verschiedenen Abonnement-Paketen haben.
Das E&M-Vertriebsteam freut sich unter Tel. 08152 / 93 11-77 oder unter  vertrieb@energie-und-management.de über Ihre Anfrage.
 
WEITERE INFORMATIONEN
© 2021 Energie & Management GmbH
Freitag, 05.09.2014, 10:54 Uhr