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Enerige & Management > Smart Meter - Der Regulierung voraus
Bild: Mitarbeiter beim Einbau eines Smart Meter Bild: EVM, Sascha Ditscher
SMART METER:
Der Regulierung voraus
Es gibt gesetzliche Vorgaben, wann ein zertifiziertes Smart Meter Gateway eingesetzt werden muss. Es sollen aber auch alternative innovative Lösungen eine Chance haben, meint der BNE.
 
Vor zwei Jahren hat der Bundesverband Neue Energiewirtschaft (BNE) in einem Diskussionspapier Vorschläge für eine Öffnung des Messstellenbetriebsgesetzes gemacht. Damals, unter dem Eindruck eines außerordentlich langen Zertifizierungsprozesses der Smart Meter Gateways, hatte der Verband gefordert, diesen zu reformieren, das Messstellenbetriebsgesetz für alternative Messsysteme zu öffnen und Raum für Innovationen zu schaffen.

Nach wie vor bricht der Verband eine Lanze für Technologien jenseits des Smart Meter Gateways, die jetzt schon intelligente datenbasierte Dienstleistungen ermöglichen und die Digitalisierung der Energiewende erheblich beschleunigen können. Die Krux ist jedoch, dass diese Technologien, wie etwa Lorawan, nicht der vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) genau vorgegebenen Standardbauweise entsprechen.

Der Markt ist weiter als die Regulierung

„Sicherheit ist sehr wichtig“, sagt Anne Köhler. Doch nicht jede Anwendung bringe das gleiche Schutzbedürfnis mit sich, so die Leiterin Digitale Energiewende beim BNE. Das werde vom BSI, das voll und ganz auf das zertifizierte Smart Meter Gateway setze, jedoch ausgeblendet. Innovative Technologien und proprietäre Lösungen, wie sie vielfach von Energieversorgern für Mehrwertdienste schon genutzt werden, seien für die Behörde überhaupt kein Thema. Diese könnten jedoch ein durchaus hohes Sicherheitsniveau für den Datenaustausch gewährleisten, nicht zuletzt durch die Anwendung bewährter Verschlüsselungstechnologie, sagt Köhler. Das zeige, dass der Markt deutlich weiter sei als die Regulierung.
 
Anne Köhler: „Nicht jede Anwendung bringt das gleiche Schutzbedürfnis mit sich“
Bild: BNE/Nicole Schurr

Köhlers Kritik steht damit im direkten Zusammenhang mit den Übergangsregelungen im Messstellenbetriebsgesetz, auf die der Verband bereits mehrfach hingewiesen hat. Wenn man für nicht zertifizierte Lösungen, die vor dem offiziellen Rollout intelligenter Messsysteme installiert wurden, eine Übergangsfrist von acht Jahren akzeptiere und sich zeige, dass sie sicher und fehlerfrei arbeiten, hätten diese Systeme ja den Nachweis ihrer Eignung erbracht, so die Argumentation. Vor diesem Hintergrund hatte BNE-Geschäftsführer Robert Busch schon bei den Metering Days 2018 in Fulda die Hoffnung geäußert: „Vielleicht kann man ein bisschen mehr zulassen und mehr Vertrauen in den Markt haben.“

Nach Köhlers Überzeugung gibt es einen gangbaren Weg, um die Innovationskraft der Marktteilnehmer voll zur Geltung kommen zu lassen und nicht mit einem aufwendigen Zertifizierungsverfahren Zeit zu verlieren: Das BSI könnte konkrete Anforderungen an Kommunikationssicherheit und Datenschutz definieren. Auf welche Art die verschiedenen Messlösungen die verlangte Sicherheit gewährleisten, solle dem Hersteller überlassen bleiben. „Man sieht ja, dass es in anderen Bereichen auch geht“, betont Köhler und nennt als Beispiel die Internet-Router. In der Anfangszeit des Internets durfte man sich nur mit von der Deutschen Bundespost zugelassenen Modems ins Internet einwählen und an diese nur vom Fernmeldetechnischen Zentralamt zugelassene Geräte anschließen. Die Vorgaben entfielen mit der Öffnung des Telekommunikationsmarktes. Erst als sich Sicherheitslücken bei Routern häuften, die von privaten Verbrauchern und kleinen Unternehmen verwendet wurden, gab das BSI eine technische Richtlinie mit grundlegenden Anforderungen an sichere Breitbandrouter heraus. Erfüllt man diese, kann man den Router auf den Markt bringen. „Das Beispiel zeigt, wie sowohl IT-Sicherheit als auch Innovationen ermöglicht werden können“, so die BNE-Bereichsleiterin.

Alternative Technologien wie Lorawan bleiben weiter außen vor

Allerdings stellt Köhler klar: „Wir brauchen ein intelligentes Messsystem, das wichtige Funktionen für die Energiewende übernimmt.“ Aber muss es unbedingt eine „Luxusversion“ sein, die alle angedachten Anwendungen in der E-Mobilität, im Smart Home oder in anderen Bereichen abdeckt?

Der von BSI und Bundeswirtschaftsministerium mit ihrer Roadmap vorgezeichnete Weg führt jedoch geradewegs auf ein für umfassende Anwendungen standardisiertes Smart Meter Gateway zu. Und auch im darauf aufbauenden Stufenmodell bleiben alternative Technologien weiter außen vor. Auf 170 Seiten wird die Lorawan-Technologie genau einmal erwähnt. Da heißt es: „Die proprietären Lösungen gewähren für den Letztverbraucher keine offene Wahl von Komponenten und auch Datenschutz und Datensicherheit sind nicht einheitlich sichergestellt.“

In der Frage, ob intelligente Messsysteme auch dann eingesetzt werden müssen, wenn die Daten nicht zur Kundenabrechnung oder zur Netzbilanzierung verwendet werden, hat allerdings nicht das BSI, sondern die Bundesnetzagentur das letzte Wort. Auf dieses wartet die Branche nun schon seit vielen Monaten. Der § 76 des Messstellenbetriebsgesetzes überträgt der Bundesnetzagentur die Zuständigkeit für die Überwachung von Verstößen gegen das Gesetz. Dies gelte auch für die Frage, ob eingebaute Messtechnik den Anforderungen des Messstellenbetriebsgesetzes entspreche, so ein Sprecher der Behörde gegenüber E&M.

Die sich aus dem Gesetz ergebende Verpflichtung zum Datenschutz und zur Datensicherheit müsse gegen die Nutzung innovativer Technologien und Geschäftsmodelle im Zuge der Digitalisierung der Energiewirtschaft sorgfältig abgewogen werden. Dessen sei man sich sehr wohl bewusst, sagte Jens Lück, Beisitzer der Beschlusskammer 6 der Bundesnetzagentur bei einer BDEW-Fachkonferenz im September 2019 in Weimar. Im Verbleib der Daten im Haus des Kunden sah Lück damals zumindest eine Richtschnur, um sich der Frage zu nähern. Je nachdem, welche Funktionalitäten gefragt sind, könnten zunächst ohnehin die Übergangsregelungen des Messstellenbetriebsgesetzes greifen. Aus dem BSI sind restriktivere Ansichten zu vernehmen: Schon eine Inhouse-Visualisierung ist nach Auffassung der Behörde als Einbindung in ein Kommunikationsnetz zu sehen und damit ein Fall für das zertifizierte Gateway.

Auf eine Anfrage von E&M im November hieß es aus der Bundesnetzagentur: „Die angesprochene Grundsatzfrage der Einsatzpflicht von BSI-zertifizierten Gateways für reine Visualisierungslösungen befindet sich weiterhin in Klärung zwischen der Bundesnetzagentur und dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie. Aus diesem Grund kann hierzu leider noch keine abschließende Stellungnahme abgegeben werden.“ E&M

 
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Mittwoch, 09.12.2020, 10:07 Uhr