• Notierungen im Steigen
  • Energiemärkte zeigen sich weiter fest
  • Stufenweiser Smart Meter Rollout geht weiter
  • Neue Allianz fordert 500 Euro Energiewende-Prämie
  • Kabinett beschließt Etat 2022 und Klimaschutzgesetz mit Lücken
  • EnBW verkauft Start-up Twist Mobility
  • Stadtwerke Bochum erfüllen Unternehmensziele
  • EnBW will bis 2025 rund 180 Mio. Euro einsparen
  • Die Marktmacht von RWE wächst
  • Sieben Empfehlungen zum Gelingen der Energiewende
Enerige & Management > Berater - Der Weg ist noch weit
Bild: Fotolia.com, jd-photodesign
BERATER:
Der Weg ist noch weit
Der Umbau des Energiesektors in eine dezentrale Struktur ist bisher nur zum Teil erfolgreich beschritten worden. Die Entwicklung auf der Erzeugungsseite ist dabei sehr viel weiter fortgeschritten als die des „Internets der Energie“.
 
Welches sind die neuen wichtigen Geschäftsfelder, die sich Energieversorger erschließen müssen, und wie können sie dabei vorgehen? Dies waren die Fragen, die sich das Consulting-Unternehmen Ernst & Young für seine Stadtwerkestudie 3.0 gestellt hat. Die Berater sehen für Versorger durch die Umbrüche, die mit der Energiewende angestoßen sind, vielfältige neue Geschäftschancen, sie sehen aber auch zahlreiche neue Marktteilnehmer in diesem Bereich. Mit ihnen gelte es, klug zu kooperieren, empfehlen die Berater. Die Studie will Handlungsmöglichkeiten dazu aufzeigen.
 
Um sich einen Überblick über den Zustand der Branche zu verschaffen, wurden insgesamt 100 Unternehmen telefonisch interviewt, darunter 18 Energieversorger, der Rest aus den Bereichen Telekommunikation, Energiedienstleistung und Technologieanbieter. Die Entwicklung von technischen Dienstleistungen, dezentralen Erzeugungskonzepten und Contracting-Modellen haben derzeit bei den befragten Versorgern die höchste Priorität. Die Bereiche virtuelle Kraftwerke, Smart Metering und Smart Home haben hingegen noch eine geringe Relevanz. Wichtig für den Geschäftserfolg der Energieversorger ist auch der Erwerb von Konzessionen, allerdings stufen hier nur 22 Prozent der Befragten ihre Erfolgsaussichten als „gut“ oder „sehr gut“ ein.
 
Noch Entwicklungspotenzial bei dezentraler Erzeugung
 
KWK-Anlagen sind nach Ansicht von 77 Prozent der Befragten eine wichtige Voraussetzung für das Gelingen der Energiewende. Die Energieversorger sind heute schon im Bereich der dezentralen Erzeugung gut positioniert. Allerdings gibt es nach Einschätzung der Branche für die Unternehmen hier durchaus noch Entwicklungspotenzial, 32 Prozent schätzen den Markt als noch unterentwickelt ein. Mehr als die Hälfte der Befragten sieht eine Tätigkeit in diesem Bereich als wichtig und Erfolg versprechend für Stadtwerke an.
 
So gut die Energiebranche bisher im Bereich der Energiedienstleistungen und der dezentralen Erzeugung positioniert ist, so wenig ist bislang die informationstechnische Vernetzung der Anlagen und deren gemeinsame Steuerung vorangeschritten. Die befragten Unternehmen sehen zwar die Beschaffung von Echtzeit-Informationen über Anlagen und Netze als wichtige Aufgabe an, sind aber in den Bereichen Telekommunikation und „Internet der Energie“ noch nicht so aktiv wie bei der dezentralen Erzeugung, schreiben die Autoren der Studie.
 
Zählerprüfstelle von Voltaris: EVU haben noch viel zu tun, bevor sie im Markt mit Smart Energy erfolgreich tätig werden können
Bild: Niels Schubert,Voltaris


Die Berater räumen auch ein, dass das Thema komplex und die technische Herausforderung groß ist. Unter anderem fehlen noch standardisierte Schnittstellen und Datenaustausch-Formate sowie stark automatisierte Geschäftsprozesse. Für 74 Prozent der befragten Unternehmen müssen bei der Realisierung der neuen IT-Welt der Datenschutz und die Datensicherheit eine sehr hohe Priorität haben. Völlig offen sind vor allen Dingen neben technischen Details auch noch die rechtlichen Voraussetzungen und ein Marktmodell, das Erzeuger, Messstellenbetreiber, Energiehändler, Haushaltskunden und Netzbetreiber gleichermaßen einbindet.
 
Auf der Suche nach Kooperationspartnern
 
Die Energieversorger sehen im „Internet der Energie“ vor allem eine Möglichkeit, ihr Geschäftsfeld Energieversorgung zu unterstützen. Nur 21 Prozent wollen daraus ein eigenes Geschäftsfeld machen. Mit diesen Zahlen geht die geringe Erwartung einher, das neue Marktteilnehmer in diesem Bereich aktiv werden könnten. Die Berater von Ernst & Young sehen diese Einschätzung kritisch. Die größten Wettbewerber in diesem Bereich könnten die Telekommunikations-Unternehmen sein, schreiben sie.
 
Zur Entwicklung künftiger Geschäftsfelder empfehlen sie Kooperationen oder den Kauf von Unternehmen oder Unternehmensteilen. Nur so lassen sich die künftigen Herausforderungen bewältigen, so die Autoren, die in den Stadtwerken ausgesprochen gesuchte potenzielle Partner sehen. Partnerschaften seien auch nötig, um eine Kostendegression zu erreichen, ohne die entsprechende Geschäftsmodelle nur schwer wirtschaftlich werden.
 
Als Partner für Energieversorger kommen dabei neben den Telekommunikations-Anbietern auch Anlagenhersteller, Zählerhersteller oder Unternehmen der Konsumgüterindustrie in Betracht, heißt es in der Studie. Für die Kooperationen empfehlen die Berater eine Mischung aus Zusammenarbeit und Wettbewerb, in der englischen Abkürzung Coopetition genannt. Mit herkömmlichem Lagerdenken seien die Herausforderungen des künftigen Energieversorgungssystems nicht zu bewältigen.
 
Bei dem vorgeschlagenen Coopetition-Modell arbeiten Unternehmen bei der Entwicklung neuer Märkte zusammen, können dann jedoch um einzelne Kunden oder Abschlüsse konkurrieren. Durch die gemeinsamen Standards lassen sich die Produkte und Dienstleistungen preiswerter entwickeln, schreiben die Berater. Denkbar und Erfolg versprechend seien auch wechselnde Mehrheiten, bei denen Unternehmen von Fall zu Fall mit unterschiedlichen Partnern auf dem Markt auftreten können.

Das Spannungsfeld Telekommunikation-Energieversorgung untersucht
 
Einen ähnlichen Vorschlag zur Zusammenarbeit machen die Experten von Arthur D. Little in ihrer Untersuchung Telco and Utility: Friend or Foe? Darin wird das Spannungsfeld von Energieversorgern und Telekommunikations-Unternehmen beim Aufbau der smarten Energiewelt thematisiert. Die Unternehmen können – natürlich – Wettbewerber sein, sie können aber auch zusammenarbeiten und sich dabei die Risiken teilen. Ein Modell sieht etwa vor, dass der Telekommunikations-Spezialist den Energieversorger in den IT-Prozessen unterstützt, dass sich beide Partner die Investitionen teilen und beide Unternehmen Zugriff auf die Kunden des anderen haben. Durch die gemeinsame Nutzung von Kundenservice und technischem Service könnten die Partner Kosten sparen.
 
Die Versorger, so empfehlen die Berater, sollten allerdings zuvor sehr genau nicht nur die Chancen, sondern auch die Risiken untersuchen. Sie sollten außerdem zu Beginn des Prozesses Business-Modelle entwickeln und sich verschiedene Optionen überlegen, die zu ihrer Unternehmensstrategie passen. Die Unternehmen, so geben die Experten zu bedenken, müssen dabei ihre Strategie weise wählen, denn sie wird den Weg in die künftige Entwicklung des Elektrizitätsmarktes festlegen.

 
Möchten Sie diese und weitere Nachrichten lesen?
 
 
Testen Sie E&M powernews
kostenlos und unverbindlich
  • Zwei Wochen kostenfreier Zugang
  • Zugang auf stündlich aktualisierte Nachrichten mit Prognose- und Marktdaten
  • + einmal täglich E&M daily
  • + zwei Ausgaben der Zeitung E&M
  • ohne automatische Verlängerung
 
Jetzt kostenlos testen
 
Login für Kunden
 

Kaufen Sie den Artikel
  • erhalten Sie sofort diesen redaktionellen Beitrag für nur € 8.93
 
JETZT ARTIKEL KAUFEN
Mehr zum Thema

 
Haben Sie Interesse an Content oder Mehrfachzugängen für Ihr Unternehmen?
 
Sprechen Sie uns an, wenn Sie Fragen zur Nutzung von E&M-Inhalten oder den verschiedenen Abonnement-Paketen haben.
Das E&M-Vertriebsteam freut sich unter Tel. 08152 / 93 11-77 oder unter  vertrieb@energie-und-management.de über Ihre Anfrage.
 
WEITERE INFORMATIONEN
© 2021 Energie & Management GmbH
Montag, 25.11.2013, 09:31 Uhr