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Enerige & Management > Wasserstoff - Deutschland als "Heimatmarkt für grünen Wasserstoff"
Bild: EASAC
WASSERSTOFF:
Deutschland als "Heimatmarkt für grünen Wasserstoff"
In einer Studie unterstreichen der Bundesverband Erneuerbare Energien und der Landesverband Erneuerbare Energien Nordrhein-Westfalen die Vorteile der inländischen Wasserstoffproduktion.
 
Die reine Kostenbetrachtung, wo grüner Wasserstoff günstiger ist − ob in viel diskutieren Regionen wie Nordafrika oder in Deutschland − greift in bisherigen Studien zu Ausbauszenarien bei grünem Wasserstoff zu kurz. Bislang nicht berücksichtigt sind die volkswirtschaftlichen Effekte, die eine inländische Produktion grünen Wasserstoffs hätte. Da sind sich die Beteiligten der nun vorgestellten Studie „Bewertung der Vor- und Nachteile von Wasserstoffmengen im Vergleich zur heimischen Produktion“ sicher. 

Die Studienergebnisse präsentieren am 3. November in einer Online-Pressekonferenz die beiden Auftraggeber der Studie − der Bundesverband Erneuerbare Energien (BEE) und der Landesverband Erneuerbare Energien Nordrhein-Westfalen (LEE NRW). Mit dabei waren auch die mit der Studie beauftragen Unternehmen: das Wuppertal Institut und DIW Econ.

Die Folgen, die eine inländische Erzeugung des grünen Wasserstoffs hätte, ist laut der Studienautoren enorm: Bei einem heimischen Wasserstoff-Produktionsanteil von 90 % gehen sie von Wertschöpfungseffekten von bis zu 30 Mrd. Euro im Jahr 2050 aus. Zudem seien über 800.000 zusätzliche Arbeitsplätze in Deutschland möglich, die im Zusammenhang mit der grünen Wasserstoffproduktion stehen. „Je mehr Wasserstoff heimisch produziert statt importiert wird, desto mehr Wertschöpfungs- und Beschäftigungseffekte gibt es“, so das Credo von Yann Girard vom DIW Econ. Desto höher sei auch der zusätzliche Nachfragedruck von Strom aus erneuerbaren Energien. 

Nationale Wasserstoffstrategie zu stark auf Import fokussiert

Dass der Netzausbau für die Erneuerbaren hierzulande jetzt schon nicht ausreicht, belegte Christian Mildenberger, Geschäftsführer des LEE NRW, mit einer Zahl: „Wir haben heute bereits 5 Mrd. kWh an abgeregeltem Windstrom“.  

Diese Überschussmengen aus Erneuerbaren für die heimische Wasserstoffproduktion zu nutzen und den Erneuerbaren-Ausbau in Deutschland voranzutreiben, sind klare Appelle der Studie. „Wir erleben einen starken Fokus der Nationalen Wasserstoffstrategie auf Import, die unserer Ansicht nach den Blick auf den schleppenden Ausbau der Erneuerbaren in Deutschland verschleiert“, so Mildenberger. Den Grund dafür macht er im mangelnden Vertrauen der Bundesregierung in die Unterstützung der Bürger beim Ausbau der Erneuerbaren aus. Laut Mildenberger ist dies unbegründet. Umfragen des LEE NRW würden zeigen, dass 80 % der Menschen diesen Ausbau unterstützen.

Simone Peter, Präsidentin des BEE, unterstrich in der Online-Präsentation, dass es einen großen Heimatmarkt für grünen Wasserstoff in Deutschland gebe, „den wir nutzen müssen“. Die Möglichkeit der inländischen Produktion hänge natürlich sehr stark von den Gestehungskosten ab. Ja, man gehe derzeit davon aus, dass diese in Nordafrika niedriger sind. Jedoch müssten bei Wasserstoff auch die Kosten für die Umwandlung wie etwa die Verflüssigung für den Transport und die Transportinfrastruktur berücksichtigt werden. 

Die Studie erachtet Wasserstoffimporte via Schiff als nicht sinnvoll an. Die Verflüssigung sei sehr energieintensiv. Wie die Studienautoren betonen, seien die Transportkosten per Schiff dreimal so hoch wie bei einem Transport per Pipeline und rechnen sich erst ab 4.000 Kilometer Entfernung vom Produktionsland.

Nachhaltige Klimaschutzwirkung nur mit grünem Wasserstoff

Auch die energiepolitische Unabhängigkeit Deutschlands spreche laut Peter für eine inländische Wasserstoffproduktion. „Dafür muss die Politik jetzt die geeigneten Rahmenbedingungen schaffen.“ Deutschlands Ziel einer umfassenden Dekarbonisierung solle durch eine auf Erneuerbare basierende Elektrifizierung sowie auf biogene Energieträger angestrebt werden, so die BEE-Präsidentin. „Eine nachhaltige Klimaschutzwirkung ist jedoch nur mit grünem Wasserstoff erzielbar, da nur hier die Emissionsbelastung minimiert wird.“ Der BEE verlange daher ein klares Bekenntnis der Bundespolitik zum grünen Wasserstoff. 

“Mit der Nationalen Wasserstoffstrategie haben wir in Deutschland bisher nur beschlossen, grünen Wasserstoff in großem Stil zu konsumieren. Jetzt muss auf die Agenda, ausschließlich grünen Wasserstoff zu fördern und ihn dann auch hier zu produzieren“, so Peter.

Verschleppte Energiewende befürchtet

Die Studienautoren befürchten einen negativen Effekt des Wasserstoffimports auf den Klimaschutz: In den produzierenden Ländern könnte es zu einer verschleppten Energiewende kommen. Deutschland importiert grünen Wasserstoff, aber im Produktionsland fachen fossile Energieträger weiterhin den Klimawandel an. Gerade in Marokko würden fossile Energieträger derzeit rund 90 % des Primärenergiemix ausmachen. Auch 2030 würden sie noch eine tragende Rolle spielen. 

Die Studie „Bewertung der Vor- und Nachteile von Wassterstoffimporten im Vergleich zur heimischen Produktion“   stellen der BEE und der LEE NRW zum Download bereit. 

Ein ausführliches Interview zur Studie mit den beteiligten Gutachtern lesen Sie in der Beilage „Stark im Wind“ in der November-Printausgabe der E&M, die am 15. November erscheint. 
 
Die Grafik zeigt die Prognose der Wertschöpfungs- und Beschäftigungseffekte bei unterschiedlichen heimischen Produktionsanteilen, die mit einer heimischen Wasserstofferzeugung in direktem oder indirektem Zusammenhang stehen
Grafik: BEE

 

 
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Dienstag, 03.11.2020, 14:44 Uhr