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Enerige & Management > Wasserstoff - Deutschland setzt auf grünen Wasserstoff aus Australien
Bild: iStock, Frank Harms
WASSERSTOFF:
Deutschland setzt auf grünen Wasserstoff aus Australien
Deutschland will seinen Energiehunger durch grünen Wasserstoff stillen. Ein großer Teil davon soll aus Australien kommen. Binnen zwei Jahren sollen dafür die Grundlagen geschaffen sein.
 
Deutschland braucht für das Erreichen der Klimaziele die Dekarbonisierung in allen Sektoren, gerade in den energieintensiven Bereichen Industrie und Verkehr. Große Mengen des grünen Wasserstoffs, der laut Nationaler Wasserstoff-Strategie (NWS) dabei zum Einsatz kommen soll, könnten vor allem aus Australien stammen. Wie der Import des Wasserstoffs in der Zukunft aussehen kann, erarbeiten beide Staaten nun in einer Machbarkeitsstudie, die in spätestens 24 Monaten vorliegen soll.

Machbarkeitsstudie soll in zwei Jahren vorliegen

Am 10. September setzte Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU) im Beisein der australischen Botschafterin Lynette Wood ihre noch fehlende Unterschrift unter die Absichtserklärung für die Studie. Down under hatten bereits die Kabinettsmitglieder Simon Birmingham (Liberal Party), Minister für Handel, Tourismus und Investitionen, und Keith Pitt (National Party), Minister für Ressourcen, Wasser und Nordaustralien, die Zusammenarbeit vertragsfest gemacht.

Die CDU-Politikerin bemühte sich, die deutsch-australische Kooperation als „perfekte Partnerschaft“ herauszustellen. Dies folgt der Erkenntnis, dass Australien mit „viel Wind, viel Sonne und ausreichend Fläche“ hervorragende Voraussetzungen habe, global einer der größten Produzenten grünen Wasserstoffs zu werden. Deutschland dagegen kann die im Jahr 2050 nötigen Wasserstoffmengen von 250 Mrd. bis 800 Mrd. kWh, wie vom Fraunhofer-Institut für Energieinfrastrukturen und Geothermie (IEG) jüngst prognostiziert, nicht ansatzweise über eigene grüne Produktionskapazitäten und erneuerbare Energien herstellen. Der Ausbau der deutschen Elektrolysekapazität sieht bis 2030 als NWS-Zielvorgabe 5.000 MW an.

Mehr als 1,5 Mio. Euro stellt die Bundesregierung laut Ministerin Karliczek zur Verfügung, um in der Studie alle Fragen der Lieferkette mit Australien zu klären. Dies bezieht das Erzeugen, Speichern, den Transport und die Nutzung des grünen Wasserstoffs mit ein. Vom Aufbau einer globalen grünen Wasserstoffwirtschaft erhofft Karliczek sich auch Vorteile für deutsche Firmen. Partnerschaften wie die mit Australien öffneten der heimischen Industrie „frühzeitig die Türen zu Absatzmärkten für Wasserstofftechnologien ‚Made in Germany‘“. Auch Australiens Handelsminister Birmingham begründet die Vorzüge der Kooperation damit, dass Deutschland „sowohl ein Importeur mit hohem Bedarf ist als auch ein Lieferant von Spitzentechnologie und wissenschaftlicher Expertise“.

Australiens Regierung unterfüttert die Bemühungen, saubere Energie für den Eigenbedarf zu produzieren und in die Welt zu exportieren, zunächst mit 300 Mio. Euro Fördermitteln für die Wasserstoffindustrie auf dem fünften Kontinent. Botschafterin Wood zeichnete vor allem leuchtende Zukunftsbilder, als sie davon sprach, mit Deutschland „gemeinsam den Sonnenschein nach Europa und in die Welt exportieren zu wollen“. Damit sollte offenkundig eine positive Botschaft den düsteren Bildern entgegengesetzt werden, die Australien gleichzeitig als einen der weltweit führenden Kohle- und Flüssigerdgas-Exporteure und zuletzt stark vom Klimawandel und von Buschbränden gebeutelten Staat zeigen.

Australien will führend im Export von grünem und blauem Wasserstoff werden

Bis Australien nennenswerte Mengen grünen Wasserstoffs auf dem Seeweg an die deutsche Küste bringen kann, werden noch etliche Jahre ins Land ziehen. Die kommerziellen Erzeugungsanlagen für den eigenen Bedarf und internationale Märkte sollen sukzessive ab 2025 entstehen. Zuvor baut Australien Pilot- und Versuchsanlagen. Bis 2030 will die Regierung in Australiens Hauptstadt Canberra dann den Wasserstoff-Export auf Weltniveau heben, hat dabei aber besonders die (näher liegenden und größeren) asiatischen Märkte im Blick.

Zudem ist nicht alles nur grün, was gestern in Berlin so schön glänzte. Auch blauen Wasserstoff will Australien künftig in großem Stil produzieren und auf die Reise schicken. Dieser Energieträger entsteht aus Kohle und fossilem Erdgas, beim Produktionsprozess wird das anfallende CO2 gemäß CCS-Prinzip aber abgeschieden und eingelagert, also nicht in die Atmosphäre entlassen. In der nationalen Wasserstoff-Strategie sind in der ersten Phase umgerechnet 41,5 Mio. Euro für Projekte der grünen Wasserstoffinfrastruktur vorgesehen, gegenüber rund 177 Mio. für blauen Wasserstoff.

Der aktive Part der deutschen Seite in der Wasserstoff-Partnerschaft ergibt sich aus Sicht von Ministerin Karliczek durch das technische Know-how und die Erzeugungsanlagen, die in deutschen Unternehmen und Forschungseinrichtungen vorhanden seien. Entsprechend füllen auch die Deutsche Akademie der Technikwissenschaften (Acatech) und der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) als Prozessbeteiligte die Machbarkeitsstudie mit Leben. Karliczek sieht es in diesem Zusammenhang als bedeutend an, dass grüner Wasserstoff es ermöglicht, der Industrie beim Umstieg auf nachhaltige Verfahren zu helfen − etwa in den energieintensiven Bereichen Stahl und Chemie.

 
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Donnerstag, 10.09.2020, 15:44 Uhr