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Enerige & Management > Kohlekraftwerke - Die ersten elf Steinkohleblöcke gehen 2021 vom Netz
Bild: Photocase.com, Markus Imorde
KOHLEKRAFTWERKE:
Die ersten elf Steinkohleblöcke gehen 2021 vom Netz
Die Bundesnetzagentur hat die erfolgreichen Gebote der ersten Ausschreibungsrunde nach dem Kohleausstiegsgesetz publiziert. Sie dürfen ab 1. Januar 2021 keinen Strom mehr vermarkten.
 
Es hatten sich deutlich mehr Betreiber um eine Stilllegung ihrer Steinkohle-Kraftwerksblöcke gegen Entschädigung beworben, als ausgeschrieben waren, teilte die Bundesnetzagentur mit. Ihr Präsident Jochen Homann begrüßte, dass aufgrund des Andrangs die Entschädigungen niedriger ausfielen: „Der durchschnittliche Zuschlagswert liegt deutlich unter dem gesetzlichen Höchstpreis.“ Elf Gebote mit einer Leistung von insgesamt 4.788 MW haben einen Zuschlag erhalten.

Der mengengewichtete durchschnittliche Zuschlagswert liegt bei 66.259 Euro pro MW, das sei deutlich unter dem Höchstpreis von 165.000 Euro pro MW, sagte Homann. Die Gesamtsumme der Entschädigungen beträgt rund 317 Mio. Euro. Die Zuschlagserteilung richtete sich nach dem Gebotswert und dem Verhältnis der verlangten Zahlung zu der voraussichtlich bewirkten CO2-Reduzierung. Die Anlagen, die einen Zuschlag erhalten haben, dürfen ab dem 1. Januar 2021 die durch den Einsatz von Kohle erzeugte Leistung oder Arbeit ihrer Anlagen nicht mehr am Strommarkt vermarkten.

Lob und Tadel aus der Politik

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) erläuterte, dass nur bis 2026 Ausschreibungen zur Stilllegung stattfinden. Der nächste Termin ist der 4. Januar 2021. Im Zeitraum 2027 bis 2038 finde die Stilllegung dann rein ordnungsrechtlich, ohne Kompensationen für die Betreiber statt. Die Übertragungsnetzbetreiber prüfen nun die Systemrelevanz für die bezuschlagten Anlagen. Falls notwendig können sie mit Anträgen bei der Bundesnetzagentur eine Anlage in die Netzreserve versetzen. Sie darf damit keinen Strom am Markt mehr verkaufen, stehe aber in kritischen Situationen noch zur Absicherung des Netzes zur Verfügung.

Oliver Krischer, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der Grünen im Bundestag kritisierte: „Die meisten der Kohlekraftwerke, die jetzt einen Zuschlag für die Stilllegung bekommen haben, wären zeitnah auch alleine aus dem Markt gegangen. Durch die niedrigen Strompreise und die geringe Nachfrage nach Kohlestrom schreiben viele Kohlekraftwerke rote Zahlen. Die abgeschriebenen Anlagen wurden jetzt noch einmal zu Geld gemacht.“

Der größte deutsche Stromerzeuger RWE darf zwei Steinkohlekraftwerke in Nordrhein-Westfalen stilllegen. Auch Uniper und Steag sind mit Geboten für Kraftwerke in NRW zum Zuge gekommen. Der schwedische Energiekonzern Vattenfall schaltet die beiden Blöcke seines Kraftwerks Moorburg in Hamburg ab.

Deutschland will für den Klimaschutz bis spätestens 2038 alle Kohlekraftwerke stilllegen. Mit den Braunkohlebetreibern RWE und Leag wurden feste Abschaltdaten und Entschädigungssummen ausgehandelt. Für die Steinkohle entschied man sich für das Ausschreibungsmodell.
 
Übersicht der ersten abzuschaltenden Kohlekraftwerke im Dezember 2020
Bild: BNetzA

Reaktionen aus der Wirtschaft

Uniper verweist auf ihren Stilllegungsplan für die Steinkohlekraftwerke in Deutschland, durch den CO2-Einsparungen in einer Größenordnung von bis zu rund 18 Mio. Tonnen CO2 pro Jahr erzielt werden sollen. Andreas Schierenbeck, CEO von Uniper: „Wir wollen unseren Beitrag zu einem möglichst zügigen Ausstieg aus der Kohleverstromung leisten. Je schneller wir Planungssicherheit für die Zukunft bekommen, umso konsequenter können wir unsere neuen Projekte, etwa im Bereich Wasserstoff, angehen."

Anna Borg, Präsidentin von Vattenfall, begrüßte den Zuschlag für Moorburg, obwohl das Kraftwerk erst 2015 in Betrieb ging und eines der modernsten in Deutschland ist. „Die frühzeitige Stilllegung entspricht sowohl den Plänen der deutschen Bundesregierung, die Emissionen aus der Kohleverstromung zu reduzieren, als auch der Strategie von Vattenfall, innerhalb einer Generation ein Leben ohne fossile Brennstoffe zu ermöglichen", sagte Borg.

Der Greenpeace-Energiexperte Andree Böhling kritisierte: „Niemandem ist zu erklären, warum ein vergleichsweise junges Steinkohlekraftwerk wie Moorburg vom Netz geht, während die schmutzigsten Braunkohlekraftwerke noch viele Jahre weiterlaufen dürfen.” Der Ausstieg aus der Kohle müsse schneller kommen und er dürfe keine Blankoschecks für Kohlekonzerne auf Kosten der Steuerzahler ausstellen. Aus diesem Grund hatte der Energieanbieter Greenpeace Energy Beschwerde bei der EU-Kommission gegen die Entschädigungen eingereicht.

Ralf Schmidt Pleschka, Koordinator für Energiepolitik vom Energieanbieter Lichtblick, kommentierte: „Mit dem Moorburg-Aus wird eine der größten industrie- und klimapolitischen Fehlinvestitionen in der Geschichte Hamburgs korrigiert. Das Scheitern des Kohlekraftwerks war von Anfang an absehbar. Es ist jedoch skandalös, dass nun die Steuerzahler hunderte Millionen dafür zahlen müssen, um diesen kapitalen Fehler des Konzerns Vattenfall und der Hamburger Politik auszugleichen.“

Die Zuschläge   finden sich auf der Internetseite der Bundesnetzagentur.

 
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Dienstag, 01.12.2020, 15:16 Uhr