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Enerige & Management > Beteiligung - Die Karten im Nordwesten werden neu gemischt
Bild: Rido / Shutterstock.com
BETEILIGUNG:
Die Karten im Nordwesten werden neu gemischt
Dank des neuen Joint Venture mit Enercon avanciert EWE zum neuen Ökostromprimus, für Enercon heißt es "back to the roots", zurück zum früheren Kerngeschäft. Eine Analyse.
 
Stephan Dohler freut sich nach eigenen Worten „schon sehr“. Der Vorstandsvorsitzende des EWE-Konzerns wird wohl Ende des Jahres das eigene Firmenorganigramm um eine zusätzliche Beteiligung erweitern können. Das Oldenburger Energieunternehmen hat mit der Enercon GmbH mit Sitz in Aurich, lange Zeit der Stolz der deutschen Windbranche, ein Gemeinschaftsunternehmen vereinbart.

An diesem Joint Venture, so die Verständigung, sollen beide Unternehmen jeweils zur Hälfte beteiligt sein. Dass nun ausgerechnet EWE und Enercon gemeinsame Wege gehen, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Zwischen beiden Unternehmen hatte es in der Vergangenheit schon, um es vorsichtig auszudrücken, eine gewisse Rivalität gegeben.

Mit diesem in aller Stille eingefädelten Schachzug katapultiert sich EWE an die Spitze der heimischen Windkraftbetreiber. Nicht Innogy, EnBW oder die Stadtwerke München, sondern Enercon ist seit Jahren hierzulande Windmüller Nummer eins. Worüber von den Ostfriesen, wie gewohnt, wenig Aufhebens gemacht worden ist. Als Mitgift für die neue Windehe bringt das Unternehmen einige hundert Windturbinen mit knapp 2.200 MW Leistung mit, die schwerpunktmäßig in Deutschland und in Frankreich am Netz sind. Mit rund 350 MW Leistung fällt die Windkraftkapazität von EWE dagegen eher mickrig aus, viel zu wenig für einen Konzern dieser Größe.

Der Aufstieg in die Champions League

Neben den Bestandsanlagen startet das neue Gemeinschaftsunternehmen zusätzlich mit einer sogenannten Projektpipeline von etwa 2.300 MW - EWE spielt künftig im Windsektor nicht mehr Landesliga, sondern in der Champions League. Dohler, der die Kooperation auf der Online-Bilanzkonferenz erläuterte, hat damit geliefert: Nach seinem Wechsel von Vattenfall hatte der langjährige Energiemanager den Oldenburgern 2018 eine Neurichtung verpasst, die unter anderem weniger Offshore-Wind und eine deutliche Stärkung der Onshore-Aktivitäten vorsieht. Damit eröffnen sich auch ganz neue Chancen: heute bei der Vermarktung von Ökostrom und morgen von Wasserstoff.

Dohler und seine Crew haben bei ihrem Coup von der aktuellen Schwäche Enercons profitiert. Nicht nur der politisch verursachte Einbruch auf dem deutschen Windmarkt, ihrem bisherigen Kernmarkt, macht den Ostfriesen zu schaffen. Sondern auch eine Reihe hausgemachter Fehler: Dazu zählen nicht nur einige personelle Fauxpas, sondern auch der überstürzte Ausstieg aus dem Geschäft mit der Offshore-Windenergie oder der Rückzug vom wichtigen US-Windmarkt.

Auch technologisch hatte Enercon zuletzt nicht immer ein glückliches Händchen. Während die Wettbewerber mit ertragsoptimierten Schwachwindturbinen auf den Markt kamen, schickten die Ostfriesen ihre überdimensionierte und zu teure E-141 ins Rennen. Den Fehler haben sie mittlerweile korrigiert, aber ein Innovationszyklus ist sicherlich verloren gegangen. Was dazu geführt hat, dass die erfolgsverwöhnte Enercon GmbH zuletzt in die roten Zahlen gerutscht ist – und zwar in dreistelliger Millionenhöhe, wie zu hören war.

Dass die Aloys-Wobben-Stiftung, Alleingesellschafterin des Windturbinenherstellers, deshalb ein tragfähiges Konzept für die Zukunft des Unternehmens suchte, ist nachzuvollziehen. Und zwar an der Seite eines Partners, der vor Jahren eine nicht unerhebliche Krise gemeistert hat und sich derzeit neu aufstellt.

Für Enercon heißt diese neue Partnerschaft „back to the roots“: „Wir konzentrieren uns künftig auf unser Kerngeschäft, nämlich die Entwicklung, den Bau, den Vertrieb und den Service von Windenergieanlagen“, betonte Unternehmenssprecher Felix Rehwald gegenüber E&M, „was im Zuge des eingeleiteten Turnarounds eine wichtige Entwicklung ist.“

Auch wenn EWE und Enercon bislang nur eine Absichtserklärung unterzeichnet haben, ist heute schon klar, dass EWE in dem neuen Gemeinschaftsunternehmen den Takt vorgibt. Dafür spricht auch die Verständigung, dass die unternehmerische Führung des geplanten Joint Ventures bei den Oldenburgern liegt. Deshalb wird bei dem Gemeinschaftsunternehmen die Windkraft im Fokus stehen, aber andere Energieträger wie beispielsweise die Photovoltaik nicht links liegen gelassen. Die Karten in der Energiewelt im Nordwesten werden neu gemischt.

Auf jeden Fall bleibt die EWE-Enercon-Neuehe dem Nordwesten erhalten. Ganz zur Freunde von Niedersachsens Umwelt- und Energieminister Olaf Lies (SPD), der den beiden Energieunternehmen die Unterstützung der gesamten Landesregierung zusicherte: Dieser neue Top-Player in der Energiewirtschaft signalisiert ein klares Bekenntnis zur Windenergiebranche gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten.“ Was auch schon einen Wert hat.

 
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