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Enerige & Management > Wasserstoff - Die "nordrH2ein-westfälische" Wasserstoff-Vision
Bild: Fotolia, vege
WASSERSTOFF:
Die "nordrH2ein-westfälische" Wasserstoff-Vision
Das Bundesland Nordrhein-Westfalen sieht sich in einer guten Ausgangsposition für eine Wasserstoffwirtschaft und formuliert in der nun vorgestellten Wasserstoff-Roadmap den Weg dahin.
 
Von „riesigen Chancen des Wasserstoffs gerade für Nordrhein-Westfalen, einer der wichtigsten Energie- und Industrieregionen Europas“, sprach NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) am 9. November in einer Online-Konferenz. Ein Viertel der aktuellen CO2-Emissionen könne das Bundesland bei konsequenter Wasserstoffnutzung künftig einsparen, zudem sei ein Schub für den Arbeitsmarkt absehbar: 130.000 zusätzliche Arbeitsplätze erhofft sich Pinkwart bis 2050 allein für NRW.

Als ein essenzielles Instrument der Wasserstoffwirtschaft sieht er die erforderliche Infrastruktur, die in den nächsten Jahren zügig ausgebaut werden solle: Er verwies auf Schätzungen, nach denen in Deutschland 2050 rund 6.000 Kilometer Wasserstoffpipelines benötigt werden. Bislang gäbe es nur einen Bruchteil davon. Zur Schaffung guter Rahmenbedingungen gehöre aber auch, dass die Regulierung der Wasserstoffnetze so schnell wie möglich ins Energiewirtschaftsgesetz aufgenommen wird, so Pinkwart. „Dazu haben wir vergangenen Freitag einen Bundesratsbeschluss herbeigeführt, der notwendige gesetzliche Änderungen enthält. Der Bund muss jetzt liefern“, so Pinkwart. 

Standortvorteile für Nordrhein-Westfalen

Die Wasserstoffvision Nordrhein-Westfalens umriss Michael Theben, Abteilungsleiter Klimaschutz beim Landeswirtschaftsministerium. Er möchte NRW zum Teil einer „konzentrierten, stark vernetzten und einzigartigen Wasserstofftechnologielandschaft in Nordwesteuropa“ werden lassen. Die Lage Nordrhein-Westfalens sei prädestiniert dafür. 

„Wir sind überzeugt, dass wir gut eingebunden sind in ein Infrastrukturnetz, das nicht nur aus Gas besteht, sondern aus Produktpipelines, Häfen und Stromnetzen“, so Theben. Zudem hätte NRW die einmalige Chance, frei werdende Gasleitungen zu nutzen. Das Gasfeld Groningen etwa werde aufgrund von Erdstößen nicht mehr produzieren. Drittens zeichne sich NRW durch seine kurze Anbindung an die Nordsee und damit Offshore-Wind aus. Ab 2030 werden Gleichstromleitungen Windstrom direkt nach NRW bringen. Wie Pinkwart betonte auch Theben, dass NRW eine hohe Industriedichte aufweise und etwa mit dem Ruhrgebiet große Wasserstoffabnehmer in der Nähe habe. Zudem verfüge NRW über Salzkavernenspeicher, die in Zeiten von Dunkelflauten genutzt werden können. 

Dem Import komme eine große Rolle zu

Die Erstellung der Roadmap wurde begleitet von der Landesinitiative „IN4climate.NRW“, der zentralen Arbeitsplattform für die Umsetzung einer klimaneutralen Industrie in NRW, und basiert auf Erhebungen des Forschungszentrums Jülich. Demnach werden in NRW 2050 rund 243 Mrd. kWh an Power-to-Liquid (PTL) und Wasserstoff benötigt. „Von diesen 243 Milliarden Kilowattstunden wollen wir zehn Milliarden Kilowattstunden PTL und 18 Milliarden Kilowattstunden Wasserstoff heimisch erzeugen“, so Theben. 86 Mrd. kWh müssten als Wasserstoff und 129 Mrd. kWh als PTL importiert werden. Theben nennt zwei Optionen, den hohen Importanteil zu senken: den maximalen Ausbau der Erneuerbaren und das chemische Recycling, das den PTL-Anteil sinken lassen würde.
 
Wasserstoff- und Power-to-Liquid-Versorgung sowie Einsatz von Wasserstoff nach Sektoren in NRW im Jahr 2050 in TWh pro Jahr. Zum Vergrößern bitte auf Grafik klicken
Grafik: Forschungszentrum Jülich/Wirtschaftsministerium NRW


„Wir gehen davon aus, dass wir 2050 Strom aus erneuerbaren Energien in der Größenordnung von 60 bis 100 Milliarden Kilowattstunden in NRW erzeugen können“, so Theben. Auf der anderen Seite haben wir aber einen allgemeinen Strombedarf und einen für die Herstellung von Wasserstoff in Höhe von 400 bis 500 Milliarden Kilowattstunden. Das heißt: Wir werden maximal 20 Prozent im Bereich des grünen Wasserstoffs selber herstellen können." Der Rest müsse importiert werde.

Professor Detlef Stolten vom Forschungszentrum Jülich bestätigte, dass dem Import von Wasserstoff eine große Rolle zukommen wird. Er betonte aber auch, „dass wir eine Menge inländischen Wasserstoffs haben“. In einem kostenoptimalen System könne 2050 die Hälfte des benötigten Wasserstoffs in Deutschland produziert werden. Auch blauer Wasserstoff werde seiner Ansicht nach bei der Versorgung eine Zeit lang eine Rolle spielen, da dadurch ein preiswerter Wasserstoff für den Verkehrssektor und die Industrie zu einem frühen Termin bereitstünde.

Erste Reaktionen auf die NRW-Roadmap

Einen wichtigen Debattenbeitrag sieht Sebastian Bleschke, Geschäftsführer der Initiative Erdgasspeicher (INES), in der Wasserstoff-Roadmap Nordhrein-Westfalens, da sie Gasspeichern eine zentrale Rolle bei der Überbrückung von Dunkelflauten zuschreibe. Der Landesverband Erneuerbare Energien (LEE NRW) übt dagegen erste Kritik: Die Roadmap zeige “keine Ambitionen für die heimische Produktion aus erneuerbaren Energien“, wie der Verband mitteilt.

Die „Wasserstoff Roadmap Nordrhein-Westfalen“   steht auf der Internetseite des Thinktanks „IN4Climate.NRW“ zum Download bereit. 

 
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Montag, 09.11.2020, 17:15 Uhr