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Enerige & Management > Elektrofahrzeuge - Die Post geht elektrisch ab
Bild: JiSIGN - Fotolia.com
ELEKTROFAHRZEUGE:
Die Post geht elektrisch ab
Mit der Übernahme eines Startup-Unternehmens, das Nutzfahrzeuge mit E-Antrieb baut, ökologisiert die Deutsche Post zunehmend ihre Fahrzeugflotte - ein neues Geschäftsfeld ist möglich.
 
Grau, eher mausgrau sind die Wände im Büro von Achim Kampker gestrichen. Satte Gelbtöne wären keine Überraschung gewesen, denn der Hochschulprofessor ist seit geraumer Zeit Geschäftsbereichsleiter Elektromobilität der Deutschen Post DHL Group - so steht es auf seiner Visitenkarte.

Ein nicht alltäglicher Seitenwechsel, der einer Erklärung bedarf. Vor gut sieben Jahren hatten Kampker, damals Lehrstuhlinhaber für Produktionsmanagement an der Fakultät für Maschinenwesen der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) in Aachen, und seine Mitarbeiter die Idee, ein Produkt in der Hälfte der sonst üblichen Zeit und zu einem Zehntel der gängigen Kosten zu entwickeln.

Dass die Entscheidung des Kampker-Teams auf die Elektromobilität fiel, kam nicht von ungefähr. An der RWTH forschen derzeit rund 4 000 Wissenschaftler und Studenten an der Weiterentwicklung von Verbrennungsmotoren. Da drängte sich als Antriebsvariante die E-Mobilität als Alternative förmlich auf. Und auch ein bisschen Lokalkolorit spielte eine Rolle: „Aachen war im vergangenen Jahrhundert ein nicht unbedeutender Standort der deutschen Automobilindustrie. Daran anzuknüpfen hat durchaus seine Reize“, sagt Kampker. Für die Automobilhistorie in der Region stehen längst untergegangene Markennamen wie Fafnir, Cudell oder Mannesmann-Mulag.
 
In der Produktionshalle: von hier aus werden die StreetScooter ausgeliefert
Bild: Andreas Kühlken

Das Ergebnis der Teamarbeit kann sich sehen lassen. Der E-Kastenwagen StreetScooter sieht aus wie eine Kreuzung aus VW-Caddy und Peugeot-Bipper, entwickelt wurde er aus dem Prototyp eines kleinen, dem Smart nicht unähnlichen E-Autos. „Auf dem Markt für kleine E-Nutzfahrzeuge gab es bis dahin fast nichts – für uns eine ideale Marktlücke“, so Kampker. Mit seinem Kompagnon Günther Schuh gründete er die StreetScooter GmbH.

Der neue Elektroautobauer drückte aufs Tempo und konnte nach einer rekordverdächtig kurzen Entwicklungszeit bereits 2013 die ersten 50 Vorserienmodelle ausliefern. Das Gros davon ging an einen prominenten Kunden: die Deutsche Post. Die Zusammenarbeit mit dem Logistikkonzern hatte 2011 mit dem Auftrag für die Entwicklung eines auf die Bedürfnisse der Post-Beschäftigten zugeschnittenen Elektrofahrzeugs begonnen. Ende 2014 übernahm die Post StreetScooter komplett. Deshalb auch das gelbe Logo auf Kampkers Visitenkarte.

Dass der Logistikkonzern auf den StreetScooter abgefahren ist, hat auch damit zu tun, dass er sich 2008 das Ziel gesetzt hat, seine CO2-Effizienz (so der posteigene Terminus) bis 2020 gegenüber 2007 um 30 Prozent zu verbessern. Dieses Ziel will die Post nicht nur mit E-Fahrzeugen im Fuhrpark, sondern auch durch eine effizientere Steuerung ihrer Verkehrsströme, durch die kontinuierliche Modernisierung der Transportflotte sowie durch die Nutzung erneuerbarer Energien erreichen. Im jüngsten, im März veröffentlichten Corporate-Responsibility-Bericht spricht das Unternehmen davon, dass die CO2-Effizienz bis Ende 2015 bereits um 25 Prozent gesteigert werden konnte.
 
Functional is beautiful

Mit dazu beigetragen haben auch die ersten tausend StreetScooter, die nach Unternehmensangaben mittlerweile in Deutschland und in den Niederlanden unterwegs sind. Bis Ende dieses Jahres sollen es bereits gut 2 500 sein. „Von den Zustellern haben wir wichtige Anregungen beispielsweise für das Innenraumdesign erhalten, was auch die hohe Akzeptanz und Beliebtheit des StreetScooters bei den Postlern erklärt“, erzählt Kampker. Der Kastenwagen wiegt 1,5 t und ist auf eine Zuladung von 650 kg sowie auf eine Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h ausgelegt. Eine Ladung der kleinen Batterie mit einem Speichervermögen von 21 kWh reicht für 80 km Fahrstrecke. „Das ist im Postbetrieb genug für einen Tag“.

Functional is beautiful haben sich die StreetScooter-Entwickler gedacht: Um den Stromverbrauch niedrig zu halten, haben sie auf eine Klimaanlage verzichtet – bei einem Postauto, bei dem während der Zustellungstour die Türen bis zu 200 Mal geöffnet und geschlossen werden, ohnehin sinnlos. Für die Wintermonate gibt es eine Sitzheizung.
 
Auslieferung eines der ersten StreetScooter-Autos für einen Pilotversuch der Deutschen Post in Bonn: Uwe Brinks (li.), Chief Production Officer der Deutschen Post DHL, und Achim Kampker, Geschäftsbereichsleiter Elektromobilität der Deutsche Post DHL Group, freuen sich über die ersten Fahrzeuge
Bild: Andreas Kühlken

Auf eine Schnellaufladung der Batterie kann beim StreetScooter verzichtet werden. Während der Nachtstunden, wenn der Transporter auf dem Posthof steht, ist genügend Zeit zum Auftanken. Zu den Produktionskosten für den Elektrotransporter schweigt sich der ansonsten eloquente RWTH-Mann aus. Die Kosten für Anschaffung, Service und Energie seien vergleichbar mit denen konventioneller Nutzfahrzeuge, deutet Kampker an.

„Eine preiswerte, längst überfällige Lösung“ für Nutzfahrzeuge mit E-Antrieb nennt Reiner Priggen den StreetScooter. „Hinter dieser Entwicklung steckt kein großer Autokonzern, was schon eine Erklärung für den Erfolg ist.“ Der wirtschaftspolitische Sprecher der Grünen-Fraktion im NRW-Landtag, der in Aachen lebt, sieht in der RWTH-Entwicklung „eine ideale Möglichkeit, in kürzester Zeit viel Elektromobilität auf die Straße zu bringen“. Was notwendig ist: Die Zahl der zugelassenen E-Fahrzeuge ist bislang übersichtlich. Auch das neue Prämienprogramm der Bundesregierung für Elektro- und Hybridfahrzeuge ist im Juli bescheiden angelaufen.

Hierzulande könnten 30 000 DHL-Transporter umgestellt werden

Weitere Einsatzmöglichkeiten für den StreetScooter sieht Priggen bei Botendiensten, Handwerks- oder Busbetrieben, ambulanten Diensten oder kommunalen Fuhrparks: „StreetScooter hat mehr Potenzial, die Elektromobilität voranzubringen, als ein Premiumprodukt wie Tesla.“

Ob der E-Transporter tatsächlich richtig Fahrt aufnimmt, hängt davon ab, ob die Post in den Verkauf von E-Fahrzeugen einsteigen will. Genau diese Frage werde derzeit geprüft, sagte Post-Chef Frank Appel Mitte Juni: „Wir sind allerdings kein Autokonzern.“ Nach seinen Worten zeichnet sich auf jeden Fall ab, dass immer mehr gelbe StreetScooter durch die Städte rollen: „Es ist perspektivisch denkbar, die DHL-Fahrzeugflotte auf Elektrofahrzeuge umzustellen - zumindest in Deutschland.“ Zwischen der deutsch-dänischen Grenze und dem Alpenvorland sind mehr als 30 000 DHL-Transporter unterwegs.

Damit wären Kampker und seine derzeit 150 Mitarbeiter für die nächste Zeit ausgelastet. Derzeit werden etwa 20 Fahrzeuge täglich ausgeliefert. Gebaut werden sie in einer ehemaligen Waggonbauhalle von Talbot-Bombardier im Aachener Westen. Die Zahl der produzierten Fahrzeuge dürfte noch steigen, denn der StreetScooter soll einen großen Bruder mit mehr Reichweite bekommen. Außerdem werden Lastenfahrräder mit E-Antrieb in Aachen gefertigt - bislang auch schon tausend Stück.

Der freigestellte RWTH-Professor Achim Kampker, dessen Lehrstuhl übrigens in Production Engineering of E-Mobility Components umbenannt wurde, ist mit der bisherigen Entwicklung zufrieden: „Wenn die offiziellen Zulassungsstatistiken für E-Autos auch Nutzfahrzeuge umfassen würden, wären wir bei diesem Ranking ziemlich weit oben.“

 
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Montag, 01.08.2016, 10:25 Uhr