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Enerige & Management > Energieeffizienz - Effizientes Wohnen mit Hindernissen
Bild: Fotolia, Dario Sabljak
ENERGIEEFFIZIENZ:
Effizientes Wohnen mit Hindernissen
Die Rahmenbedingungen für eine Verbesserung der Energieeffizienz in der Wohnungswirtschaft lassen nach Ansicht der Branche zu wünschen übrig
 
Auf dem Forum Zukunftsenergie forderte der Präsident des Gesamtverbandes der Wohnungswirtschaft (GdW), Axel Gedaschko, am 4. November in Berlin, die Regeln für die Modernisierung von Mietwohnungen zu verbessern und mehr staatliche Mittel dafür zur Verfügung zu stellen. Von 2010 bis 2019 seien rund 350 Mrd.Euro in die Sanierung des Gebäudeparks investiert worden, der Energieverbrauch der privaten Haushalte sei aber praktisch unverändert geblieben.

Auch der CO2-Ausstoß sei gleich geblieben. Gedaschko führt das vor allem auf das Verhalten der privaten Haushalte zurück. So sei der Verbrauch von warmem Wasser im gleichen Zeitraum um 11 % gestiegen. Bei der Berechnung des Einsparpotenzials würden seiner Meinung nach vielfach unrealistische Annahmen zugrunde gelegt. So beruhten die Standardberechnungen auf einer durchschnittlichen Raumtemperatur von 19 Grad Celsius. Die meisten Wohnungen seien jedoch deutlich wärmer. Bei der Berechnung der Einsparungen durch den Ersatz der traditionellen Glühbirnen habe man vergessen, dass die fehlende Abwärme zu einem höheren Energieverbrauch für Heizungen führe.

Hinzu kommt nach Angaben des Geschäftsführers des Stadtwerke-Verbunds „8KU“, Matthias Dümpelmann, dass die Bevölkerung Deutschlands in den vergangenen 30 Jahren um drei Millionen Menschen zugenommen hätten. Die Wohnfläche pro Einwohner sei um ein Drittel − auf 46,5 Quadratmeter − gewachsen. Die von der Wohnungswirtschaft erzielten Effizienzgewinne würden durch diese Entwicklung wieder aufgezehrt.

Die Wohnungswirtschaft, sagte Gedaschko, brauche deswegen mehr Energie als man prognostiziert habe. Er sprach von einer „Kostenexplosion“ bei effizienzwirksamen Investitionen, die kaum refinanziert werden könnten. Das liege auch an Engpässen in der Bauwirtschaft. Mehrausgaben führten deswegen vor allem zu höheren Preisen für Handwerker.

Um eine energetische Sanierung zu refinanzieren, müssten die Wohnungsgesellschaften nach den Angaben des GdW-Präsidenten 2,50 Euro mehr Miete pro Monat und Quadratmeter verlangen. Die Mieter sparten dabei aber nur 0,80 Euro Heizkosten pro Monat und Quadratmeter. Liege die Miete unter einem bestimmten Niveau, sei rechtlich ohnehin nur eine Mieterhöhung um zwei Euro pro Monat und Quadratmeter erlaubt, sodass für Gebäude mit mehreren Mietwohnungen kein Anreiz für die energetische Sanierung bestehe.

„Kostenneutral für die Mieter“ sei diese nur möglich, wenn der Staat „massive Zuschüsse“ zur Verfügung stelle. Der GdW und der Deutsche Mieterbund verlangten deshalb gemeinsam, einen Modernisierungsfonds von 10 Mrd. Euro dafür aufzulegen. Daraus müssten Zuschüsse gewährt werden, Zinsbeihilfen seien nicht zielführend. Gedaschko kritisierte in diesem Zusammenhang, dass in Deutschland keine Fördermittel der EU für die Wohnungswirtschaft zur Verfügung stünden.

Robuste und einfache Technik statt Hightech-Lösungen

Fortschritte bei der Senkung des Energieverbrauchs in Mietwohnungen könnten nur mit „robuster und einfacher Technik“ erzielt werden. „Hightech“-Lösungen, die in eigengenutzten Wohnungen funktionierten, würden von Mietern nur zurückhaltend angenommen. Vielfach steige der Energieverbrauch dadurch sogar. Viele Mieter lehnten den Einbau „intelligenter Zähler“ und anderer Informationstechnik auch dann ab, wenn keine Mehrkosten auf sie zukämen. Grundsätzlich lasse sich durch einfache Verhaltensänderungen der Mieter etwa 15 % der Energie für Heizung und warmes Wasser einsparen. Die Wohnungsgesellschaften könnten die dafür notwendige Technik aber nur im erforderlichen Umfang einsetzen, wenn dafür eine gesetzliche „Duldungspflicht“ eingeführt werde.

Von der Bepreisung der CO2-Emissionen erwartet der GdW-Präsident keine neuen Anreize für die Modernisierung von Mietwohnungen. Für Empfänger von Wohngeld und HartzIV würden die höheren Heizkosten ohnehin vom Staat übernommen. Durch die Senkung der EEG-Umlage könnten auch die meisten anderen Mieter höhere Heizkosten bezahlen. Die Politik versuche den Klimaschutz umzusetzen nach dem Motto: “Wasch mir den Pelz aber mach' mich nicht nass.“ Das werde voraussichtlich nicht funktionieren.

 
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Donnerstag, 05.11.2020, 10:32 Uhr