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Enerige & Management > Windkraft Onshore - Ein Windrad fürs Gewerbegebiet
Bild: Mellimage, Fotolia
WINDKRAFT ONSHORE:
Ein Windrad fürs Gewerbegebiet
Das Berliner Unternehmen Enbreeze GmbH hat eine Kleinwindanlage entwickelt, die auf städtischem Gebiet eingesetzt werden kann.
 
Berlin sei kein gutes Pflaster für Windkraftanlagen, war bislang häufig bei Diskussionen über erneuerbare Energie für die Stadt zu hören. Diese Annahme versucht ein Berliner Unternehmen gerade zu widerlegen.

Die Enbreeze GmbH hat eine Kleinwindanlage entwickelt, die nach Einschätzung des Unternehmens in Gewerbegebieten, auf großen Parkplätzen und Firmenarealen aufgestellt und wirtschaftlich betrieben werden könne. Das auf 30 Meter Höhe begrenzte Windrad (15 kW Leistung) könne in unmittelbarer Nähe von Gebäuden stehen und eröffne der Windkraft neue Standorte, sagt Geschäftsführer Jacques Fischbach. „Wir haben vor allem Stadtrandgebiete im Blick.“

Als mögliche Nutzer sieht Fischbach vor allem Supermärkte, Möbelhäuser, die produzierende Industrie, aber auch kommunale Betriebe mit hohem Stromverbrauch, die den Strom aus Windkraftanlagen für die Eigenversorgung verwenden können.
 
Jacques Fischbach: „Es kann aber nicht sein, dass der Natur- und Artenschutz zum K.-o.-Kriterium für Kleinwindanlagen wird“
Bild: Enbreeze

„Wir haben bei der Entwicklung vor allem auf Zuverlässigkeit geachtet“, so der Geschäftsführer. Eine Kleinwindanlage müsse 20 Jahre ohne große Betriebskosten und Reparaturen laufen, der Service- und Wartungsbedarf auf ein Minimum beschränkt bleiben, erklärt er die Philosophie von Enbreeze. „Es geht darum, mit minimalem Aufwand den maximalen Energieertrag zu erzielen.“

Und der könnte nach Berechnungen des Unternehmens bei 30 000 kWh Strom pro Anlage und Jahr liegen – eine Menge, die viele Unternehmen locker selbst verbrauchen. Die Nutzung des Stroms für den Eigenverbrauch sei im Moment wirtschaftlich der beste Weg für Kleinwindmüller, denn die EEG-Vergütung, die für Onshore-Windkraft zu erlösen sei, ermögliche keinen wirtschaftlichen Betrieb, so Fischbach weiter. Eine bessere EEG-Vergütung für Kleinwindanlagen würde die Chancen für Kleinwindanlagen deutlich erhöhen, merkt er an.

Eines der Geheimnisse der neuen Anlage sei das spezielle Design ihrer Rotorblätter, erläutert der Geschäftsführer. Sie seien so konstruiert, dass sie Winde in niedriger Höhe effizient nutzen. Mit einem Geräuschpegel von weniger als 45 Dezibel – das entspricht den üblichen Geräuschen in einer Wohnung – seien sie auch kaum zu hören.

Eine weitere Besonderheit der Enbreeze-Anlage sei die robuste mechanische Regelung. Sie arbeite als passives Pitch-System, was Aufwand und Kosten deutlich senke. Die Komplexität bleibe damit geringer als bei elektronischen Regelungssystemen. Der Anlagenturm sei hydraulisch kippbar und damit schnell und ohne Kran aufzustellen.

Auch landwirtschaftliche Betriebe als mögliche Nutzer

Bisher sind zwei Enbreeze-Kleinwindräder in Betrieb, beide in Berlin. Eines auf dem Firmengelände des Unternehmens im Osten der Stadt, eines auf einem Betriebshof der kommunalen Berliner Stadtreinigung am nördlichen Stadtrand. Die nächsten Anlagen will das Unternehmen für landwirtschaftliche Betriebe in Umland projektieren. „Außerdem suchen wir nach Partnerschaften zu Projektentwicklern und Energieanbietern“, nennt Fischbach einen weiteren Weg, Kleinwindanlagen zum Einsatz zu bringen.

Alles andere als optimal sind nach Einschätzung des Geschäftsführers bislang die Genehmigungsbedingungen für Kleinwindanlagen. „Das ist für Behörden noch ein neues Thema, für das es noch keine übergeordneten Regeln gibt. Der Ermessensspielraum ist sehr groß.“

Grundsätzlich seien Kleinwindanlagen wegen der Höhe unter 30 Metern dem vereinfachten Baugenehmigungsverfahren zugeordnet, was aber nicht heißt, dass sie wirklich einfach zu genehmigen sind. Ablehnungen würden häufig mit Anliegen des Natur- und Artenschutzes begründet, so Fischbach. Die Windräder gefährdeten das Leben von Vögeln und Fledermäusen, befürchteten die Behörden.

„Es kann aber nicht sein, dass der Natur- und Artenschutz zum K.-o.-Kriterium für Kleinwindanlagen wird“, sagt er. Da das Thema in Bezug auf Kleinwindanlagen wissenschaftlich bisher sehr wenig untersucht sei, fehle noch eine sachgemäße Einordnung.

„Wenn wir die Klimaschutzziele erreichen wollen, sind auch Kleinwindanlagen nötig und dafür müssen die Genehmigungsverfahren vereinfacht und beschleunigt werden“, plädiert der Geschäftsführer für Veränderungen. Es gehe nicht an, dass eine Genehmigung in Berlin, das sich als Energiewendehauptstadt profilieren wolle, bis zu fünf Monate dauere und mit Auflagen belegt werde, die jede Wirtschaftlichkeit sprengten.

„Wenn wir die Kleinwindtechnik voranbringen wollen, müssen wir noch viel Aufklärungsarbeit leisten“, ist sich Fischbach im Klaren. Das habe auch damit zu tun, dass das Image der Technik nicht besonders gut sei, nachdem sich die ersten vor zehn Jahren auf den Markt gekommenen Anlagen „beim ersten Sturm selbst zerlegt hatten“.

Zuversichtlich stimmt den Geschäftsführer, dass das Interesse am Enbreeze-Angebot zuletzt sowohl bei der Landwirtschaft als auch bei Industrie und Handelsunternehmen deutlich zugenommen habe. Das könnte dazu führen, dass auch in Berlin in den nächsten Jahren mehr Windstrom geerntet wird, hofft Fischbach.

 
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Dienstag, 14.05.2019, 11:45 Uhr