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Enerige & Management > Windkraft - Eine Stadt im Aufbruch
Bild: Fotolia.com, zentilia
WINDKRAFT:
Eine Stadt im Aufbruch
Dank der Ansiedlung von Siemens' neuem Werk für Offshore-Windturbinen entwickelt sich Cuxhaven zum deutschen Offshorewind-Mekka. Im Sommer soll die Produktion beginnen.
 
Der Hammer, der im Hafen die Pfähle für einen neuen Kai in den Grund rammt, ist in der ganzen Stadt zu hören. Selbst am seit Jahren arg vernachlässigten Bahnhof können die Ankommenden den Takt einer neuen Ära in der Stadt an der Elbmündung vernehmen. „Die Euphorie ist hier groß“, schildert Roland Schneider von der Cuxport GmbH, dem Betreiber des Cuxhavener Hafens, die aktuelle Stimmung im Ort, „seitdem sich Siemens vor anderthalb Jahren entschieden hat, hier seine Fertigung für Offshore-Turbinen zu errichten, geht ein spürbarer Ruck durch die lokale Wirtschaft und die Stadt.“ Dass seit Sommer 2015 auch die Immobilienpreise steigen, sind unangenehme Begleiterscheinungen dieser neuen Ära.

Der Blick aus dem Büro von Schneider gewährt eine Rundumsicht auf Altes und Neues im Hafen. Ganz im Westen steht das zum Museum umgewandelte Auswanderer-Terminal aus Kaisers Zeiten. Davor befindet sich die alte Hafeneinfahrt, durch die früher viele Fischerei-Schiffe ein- und ausfuhren. Statt Trawler und Kutter machen nun Versorgungsschiffe für die Offshore-Windparks draußen in der Nordsee an der Kaimauer fest. Außerdem stehen auf den Kaianlagen von Cuxport unzählige Autos, die für den Export nach England verladen werden sollen.
 
Projektleiter Carsten-Sünnke Berendsen sieht den Neubau voll im Zeitplan
Bild: Dierk Jensen

Cuxport ist auf das so genannte Short-Sea-Geschäft spezialisiert. „Außerdem sind wir Basis-, Service-, Produktions- und bald vielleicht auch wieder Verschiffungsort für all die Komponenten, die für eine Offshore-Windturbine notwendig sind“, skizziert Schneider die Perspektiven für das multifunktionale Nischenprofil des Hafens mit dessen derzeit 150 Beschäftigten. Mit diesen Nischen fährt die Cuxport GmbH, die zu 25,1 Prozent der Hamburger HHLA und zu 74,9 Prozent dem Logistikunternehmen Rhenus gehört, gut, wie die steigenden Umsätze zeigen.

Tatsächlich erhofft sich die Hafenwirtschaft vom „Deutschen Offshore-Industrie-Zentrum“, ein Terminus, den der niedersächsische SPD-Wirtschaftsminister Olaf Lies für den Standort Cuxhaven immer gerne wählt, durch den Bau des neuen Siemens-Werkes noch mal einen kräftigen Schub. Keine unbegründete Hoffnung: Der Turmhersteller Ambau GmbH mit seinem wichtigen Standbein im Offshore-Windsektor hat bereits angekündigt, seine Produktion auszuweiten. Außerdem hat Siemens bereits die ersten seiner Zulieferer an die Elbmündung gezogen, weitere werden noch folgen.
 
Roland Schneider von Hafenbetreiber Cuxport erwartet in Zukunft höhere Umsätze
Bild: Dierk Jensen

In direkter Nachbarschaft zu Cuxport liegt die Fertigung der Ambau GmbH. Gabelstapler bewegen sich über das weitläufige Gelände, Turmsegmente stehen aufgereiht für die Verschiffung zum Offshore-Projekt Nordsee One bereit. „Hier können wir wachsen“, sagt Vertriebsleiter Holger Müller bei der Autofahrt über das Firmengelände. In dessen Mitte steht ein blaues, hoch aufragendes Fertigungsgebäude, das einst vom schillernden und später insolventen Offshore-Akteur Bard errichtet und kürzlich von Ambau gekauft wurde.

Der Standort am Elbdeich biete viele Vorteile, sagt Müller. „Wir können hier unseren ganzheitlichen Ansatz, Fundamente als auch Turmsegmente herzustellen, umsetzen“, hebt der Maschinenbauer hervor. „Cuxhaven ist letztlich der einzige Hafenstandort in Deutschland, der infrastrukturell in der Lage ist, den gesamten europäischen Markt zu bedienen.“

200 Mitarbeiter beschäftigt Ambau mittlerweile vor Ort, nachdem die Niederlassung in Bremen samt Belegschaft im vergangenen Jahr nach Cuxhaven umgesiedelt wurde. Mit dieser Crew will das Unternehmen den wöchentlichen Output von vier auf zehn bis zwölf Turmsegmente erhöhen. Was unverzichtbar ist. Bei Offshore-Ausschreibungen, bei denen Bieter mit Kilowattstundenpreisen von rund fünf Cent den Zuschlag erhalten, hat der Preisdruck auch für Zulieferer deutlich angezogen. „Ohne eine kontinuierliche, voll ausgelastete Produktion können wir da nicht mithalten“, sagt Müller - zumal die politischen Rahmenbedingungen im neuen EEG mit dem weiterhin gedeckelten Ausbau auf See alles andere als prickelnd sind.
Davon lässt sich Siemens Wind Power offenbar nicht beeindrucken, sonst würde das Unternehmen keine 200 Millionen Euro am Standort Cuxhaven investieren. „Das neue Werk brauchen wir, um die Kapazität zu erhöhen“, erläutert Projektleiter Carsten-Sünnke Berendsen. Seit Sommer vergangenen Jahres entsteht direkt hinter dem Elbdeich auf aufgeschwemmtem Flusssediment auf einer Fläche von 5,5 Hektar eine 30 Meter hohe Halle für die Produktion von Siemens-Turbinen mit einer Leistung von zunächst sieben und dann mehr Megawatt. Wie viele Turbinen künftig hier vor Ort gefertigt werden, will Berendsen nicht verraten. „Hunderte“, sagt er. Branchenkreise wissen von einem jährlichen Output von mindesten 2 000 MW zu berichten.
 
Cuxhavens große Baustelle: Das neue Werk von Siemens nimmt Kontur an
Bild: Dierk Jensen

200 Bauarbeiter sind in diesen Tagen geschäftig, die Tragkonstruktion wächst schnell - in Höhe und Breite. Alles liegt voll im Zeitplan. „Wir errichten mit drei Fertigungsstraßen und vielen Schraub-Robotern die weltweit effizienteste Fabrik für Offshore-Windturbinen“, freut sich Berendsen auf einen baldigen Produktionsbeginn, der für Mitte 2017 anvisiert ist. „Wir haben hier alles unter einem Dach; auch die Magnetisierung der Permanentmagnete für unsere direkt angetriebenen Turbinen wird hier vorgenommen“, fügt Berendsen hinzu.

Der Projektleiter, der für Siemens schon an vielen Orten der Welt gearbeitet hat, verweist zudem ausdrücklich auf die Nähe zum Wasser. Die Rampe, die der niedersächsische Hafenbetreiber N-Ports mit Landesmitteln am Kai erstellt, ist in Sichtnähe. Mit so genannten Self-Propelled-Modular-Transportern (SPMT) sollen zukünftig sechs Maschinenhäuser innerhalb von neun Stunden in neukonstruierten RoRo-Schiffen, deren Bug sich während der Beladung aufklappen lässt, verladen werden. „Das ist unser Beitrag zur Kostensenkung in der Offshore-Windenergie“, sagt Berendsen. Allein mit dieser logistischen Neuerung sei eine 15-prozentige Kostenersparnis möglich.

Wenn die Produktion nach einigen Monaten auf Volllast hochgefahren sein wird, so Siemens, soll die Belegschaft auf bis zu 1 000 Mitarbeiter anwachsen. Für eine Stadt wie Cuxhaven mit 50 000 Einwohnern ein Riesending. Aber auch für einen Konzern wie Siemens ist es kein leichtes Unterfangen, das passende Personal für diesen Standort zu finden.

Wie dem auch sei, Siemens hat sich geostrategisch schon im großen Stil aufgestellt. Während in der niedersächsischen Hafenstadt die Maschinenhäuser zusammengefügt werden, kommen die passenden Rotorblätter aus dem ostenglischen Hull, wo der Konzern im vergangenen Herbst eine funkelnagelneue Blattproduktion in Betrieb genommen hat. Ob die Flügel von Hull auch nach Cuxhaven verschifft werden, wo sie dann zusammen mit Maschinenhäusern auf ein Installationsschiff verladen werden, ist dagegen noch Zukunftsmusik, aber durchaus denkbar. Und sicherlich auch ganz im Sinne von Roland Schneider von dem benachbarten Cuxport: Cuxhaven könnte sich so als Installationshafen weiterentwickeln. Damit winken weitere Umsätze und Arbeitsplätze. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass auch in der deutschen Nordsee der Ausbau der Offshore-Windenergie nach 2020 konstant weitergeht.

 
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Freitag, 17.03.2017, 09:07 Uhr