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Enerige & Management > E&M Energieclub - EnBW: "Nicht vergleichbar mit 2010"
EnBW-Chef Frank Mastiaux: "Wir sind ein nachhaltiger Infrastrukturdienstleister", Bild: E&M, Davina Spohn
E&M ENERGIECLUB:
EnBW: "Nicht vergleichbar mit 2010"
In einer Tour de Horizon sprach E&M-Herausgeber Helmut Sender mit EnBW-Chef Frank Mastiaux über den Umbau, die Situation und die Perspektiven seines Unternehmens.
 
Die Wege von Frank Mastiaux und E&M-Gründer und -Herausgeber Helmut Sendner haben sich zuletzt öfters gekreuzt, zumindest telefonisch und digital. So konnte der mittlerweile 73-jährige Franke dem EnBW-Vorstandschef beispielsweise im vergangenen Spätherbst eine besondere Nachricht mitteilen: Die Jury des von E&M ausgelobten Preises „Energiemanager des Jahres“ hatte ihn mit ganz großer Mehrheit genau diesen Award für das Jahr 2020 zuerkannt.

Dass Mastiaux diesen „Oscar der Energiebranche“ (so die Bezeichnung in Fachkreisen) gewann, hängt eng mit dem von ihm verfolgten und erfolgreichen Unternehmensumbau nach dem atomaren Super-Gau im japanischen Fukushima im März 2011 zusammen. Keine Frage, es hat sich deshalb aufgedrängt, dass Mastiaux mit Sendner beim ersten digitalen E&M Energieclub über das „Wie des Umbaus“ und das „Wie geht es weiter“ sprach.

Dabei ließ der Mann aus dem Ruhrgebiet keinen Zweifel daran, dass er die EnBW längst nicht mehr als klassischen Energieversorger sieht, sprich, als Lieferanten von möglichst vielen Kilowattstunden im Strom- und Gassektor. „Wir sind ein nachhaltiger Infrastrukturdienstleister“, betonte Mastiaux mehrmals. Darauf ausgerichtet sind auch die bis 2025 vorgesehenen Investitionen, nämlich rund 12 Mrd. Euro. Davon fließen in die Netzinfrastruktur für Strom, Gas, Wasser oder Telekommunikation immerhin 7 Mrd. Euro, für den weiteren Ausbau von erneuerbaren Energien sind 4 bis 5 Mrd. Euro vorgesehen. Sozusagen der „noch verbleibende Rest“ in einer Größenordnung von 1 bis 1,5 Mrd. Euro ist für die Kunden-Infrastruktur reserviert. Dazu zähen bei EnBW unter anderem Ladestationen oder Solar- und Speichersysteme.

Die Investitionen kann EnBW mittlerweile wieder stemmen, weil die „Transformation“ der vergangenen Jahre durchaus erfolgreich gewesen ist. Bei einem Umsatz von rund 19,7 Mrd. Euro hatte EnBW den Betriebsgewinn zuletzt im Vergleich zu 2019 um 14,3 % auf 2,8 Mrd. Euro steigern können − immerhin das vierte Plus in Folge. Dass der Umbau „einiges an Geld gekostet hat“, daran ließ der EnBW-Chef im Gespräch mit Sendner aber keinen Zweifel.

Dieser Umbau ist nach seinen Worten aber auch nur deshalb möglich gewesen, weil die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mitgezogen haben. Bei der Umsetzung einer dafür unverzichtbaren neuen Führungskultur, muss Mastiaux, der im Herbst 2012 zu EnBW gekommen war, ein glückliches Händchen gehabt haben. Das zeigen Chat-Einträge zwei ehemaliger EnBW-Mitarbeiter während des Gesprächs: „Als Ex-EnBW-Mitarbeiter kann ich bestätigen, dass EnBW alles getan hat, das gesamte Unternehmen neu zu orientieren. Das war ein enormer Kraftakt, auch für das Management und der ‚Basisbelegschaft‘. EnBW mit Herrn Mastiaux an der Spitze hat einen wesentlichen Beitrag hierfür geleistet“, schrieb Dalia Paul. Ihr antwortete wenige später Markus Krambs mit wenigen, aber dennoch sehr aussagekräftigen Worten: „Nicht vergleichbar mit 2010.“
 
Kecke Frage von Helmut Sendner beim "E&M Energieclub"-Gespräch: "Ist EnBW forschungsfaul?" 
Bild: E&M, Davina Spohn

Investition in anwenderorientierte Forschung

Mastiaux zeigte sich bei dem ursprünglich als „Kamingespräch“ angekündigten Talk mit E&M-Herausgeber Sendner gesprächsbereit und offen. Locker konterte er Sendners Vorwurf, dass EnBW „forschungsfaul“ sei. Denn nur 0,2 % des Umsatzes würden nach Sendners Berechnungen in Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten fließen. „Wir müssen keine Grundlagenforschungen betreiben, sondern bei uns steht die anwenderorientierte Forschung im Fokus, die längst nicht so teuer ist.“ So würde EnBW beispielsweise kein Geld für die Entwicklung neuer Windturbinenanlagen ausgeben. Dieses Geld investiere das Unternehmen lieber in Untersuchungen, wie sich topologische Effekte auf den Betrieb von Windparks auswirken würden.

Eher zurückhaltend reagierte der EnBW-Chef auf Sendners Frage nach seiner persönlichen Zukunft: „Ihr laufender Vertrag wird sicherlich demnächst bis zum Jahr 2027 verlängert, in dem Sie ihren 62-jährigen Geburtstag feiern. Und was kommt dann?“ Eher ausweichende Antwort vom EnBW-Chef: „Das werden wir alles zur richtigen Zeit diskutieren.“

Ein Fazit zu dem gut einstündigem Gedankenaustausch, den mehrere Dutzend Zuhörer verfolgt hatten, kam von Dennis Scharbert im Chat: „Tolles Gespräch!“

E&M Energieclub: Energy Transformation Day 2021

Das Kamingespräch zwischen E&M-Herausgeber Helmut Sender und dem EnBW-Vorstandsvorsitzenden Frank Mastiaux war nur eines der Highlights des Energy Transformation Day 2021 im Rahmen des neuen E&M Energieclub, zu dem sich rund 500 Interessierte aus der Energiebranche angemeldet hatten. Die digitale Veranstaltung umfasste unter anderem auch Webinare und Workshops renommierter Unternehmen zu Themen wie Batteriespeicher (Verbund), EVU 2030 (BET), Energievertrieb (GET AG) und Organisation (Exxeta).

 
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