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Enerige & Management > Europaeische Union - Energiewende besteht Corona-Test
Bild: Fotolia.com, kreatik
EUROPAEISCHE UNION:
Energiewende besteht Corona-Test
Die EU-Kommission setzt bei der Reduzierung der CO2-Emissionen in der Industrie weiter auf den Einsatz von sauberem Wasserstoff.
 
Das eine Million Kilometer lange Leitungsnetz der Gaswirtschaft könne eine wichtige Rolle beim Einsatz von „sauberem Gas“ als Energiespeicher und als Grundstoff in der Industrie spielen, sagte ein enger Mitarbeiter von Energiekommissarin Kadris Simson auf einer Video-Konferenz des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI). Es gehe darum, den Erfolg beim Einsatz erneuerbarer Energien bei der Stromerzeugung auf andere Wirtschaftssektoren zu übertragen.

Die Corona-Krise hat diesen Erfolg nach Ansicht der Kommission eindrucksvoll bestätigt. In den letzten Monaten sei die Nachfrage nach Strom in der EU um rund 10 % zurückgegangen. Dadurch sei der Anteil der erneuerbaren Energien an der Erzeugung um 9 % gestiegen, ohne dass es zu Engpässen gekommen sei. Einzelne Mitgliedstaaten hätten bis zu 70 % ihres Bedarfs durch Erneuerbare gedeckt. Die Versorgung auch mit hohen Beiträgen von Wind- und Solarstrom habe sich als überaus robust erwiesen. Die Entwicklung der letzten Monate zeige außerdem, dass die Senkung des Energieverbrauchs einen entscheidenden Beitrag zur Erreichung der europäischen Klimaziele leiste.

Sauber hergestellter Wasserstoff sei ein Teil der Antwort auf die Frage nach emissionsfreien Industrieprodukten. Die Kommission will noch in diesem Jahr eine „Strategie zur Integration der Energiesysteme“ vorlegen. Teil dieser Strategie soll insbesondere eine integrationsfreundliche Regulierung sein. Damit sollen Vorschriften beseitigt werden, die sektorübergreifende Geschäftsmodelle bislang behindern.

​Potenzial des Wärmesektors

Ein Integrationspotenzial besteht nach Ansicht der Kommission auch durch den Wärmesektor. Die Verbrennung von Abfällen werde sich selbst bei einer beträchtlichen Ausweitung des Recyclings nicht vollständig vermeiden lassen. Sie könne zur Stromerzeugung ebenso genutzt werden wie zur Herstellung von Wärme. Die Abwärme könne in der Industrie, in der Landwirtschaft oder zum Heizen von Wohngebäuden eingesetzt werden.

Um die Industrie mit emissionsfreier Energie zu versorgen, werden wesentlich höhere Kapazitäten benötigt als bislang prognostiziert. In der Kommission geht man davon aus, dass dafür alleine 3.000 bis 4.000 TWh* nachhaltig erzeugten Stroms im Jahr gebraucht werden. Dafür müssten die Mitgliedstaaten ihre finanziellen Ressourcen in dem Bereich besser nutzen und in den Grenzregionen enger zusammenarbeiten. Die Kommission prüft gegenwärtig mit den Mitgliedstaaten, wie diese Kooperation erleichtert werden kann.

Die chemische Industrie in Deutschland geht davon aus, dass ihre CO2-Emissionen in den kommenden Jahren deutlich zurückgehen. Unter Beibehaltung des gegenwärtigen Investitionsniveaus und ohne den Einsatz vollkommen neuer Prozesse würden sich die Emissionen bis 2050 allerdings nur um 27 % vermindern, sagte Jörg Rothermel, Abteilungsleiter Energie, Klimaschutz, Rohstoffe des VCI.

Um die Produktion auf dem heutigen Niveau auch 2050 ohne Emissionen zu erbringen, müsse die Branche 45 Mrd. Euro mehr investieren, um praktisch alle alten Anlagen zu ersetzen. Außerdem würden 628 TWh mehr Strom aus Wind und Sonne als heute benötigt. 2018 belief sich der Stromverbrauch der chemischen Industrie auf 54 TWh. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, dürfe der Strom jedoch nicht teurer sein als vier Cent pro Kilowattstunde, so Rothermel weiter. Die Einführung neuer Technologien lohne sich nur, wenn diese Randbedingungen erfüllt seien. Neue Anlagen könnten etwa ab 2035 in Betrieb gehen.

Eine treibhausneutrale, chemische Produktion auf der Grundlage von CO2-frei erzeugtem Wasserstoff und der Nutzung von CO2 als Rohstoff bis 2050 sei technologisch zwar möglich. Es ist jedoch laut Rothermel auch klar, dass die damit verbundenen Kosten umso stärker ansteigen, je ambitionierter die klimapolitischen Vorgaben sind. Diese Kosten könnten nicht immer an die Kunden weitergegeben werden. Insbesondere für Basischemikalien würden die Preise vom Weltmarkt bestimmt.

* zum Vergleich: Der gesamte deutsche Stromverbrauch belief sich im letzten Jahr auf 511 TWh

 
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