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Enerige & Management > Stadtwerke - Enervie mit stabilem Ergebnis trotz 8 Mio. Euro Mindereinnahmen
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STADTWERKE:
Enervie mit stabilem Ergebnis trotz 8 Mio. Euro Mindereinnahmen
Der Regionalversorger Enervie ist trotz Einnahmeausfällen weiter auf Konsolidierungskurs. Die Südwestfalen hielten 2020 ihr gutes Vorjahresergebnis und schütten mehr Dividende aus.
 
Zum anstehenden Führungswechsel beim regionalen Energieunternehmen Enervie bleiben Molltöne weitgehend außen vor. Wenn Volker Neumann am 1. Mai offiziell die Nachfolge des scheidenden Co-Vorstands Wolfgang Struwe antritt, findet er eine stabile Geschäftslage vor. Die Südwestfalen haben im Jahr 2020 Einnahmeausfälle von 8 Mio. Euro, die die Unternehmensführung der Corona-Pandemie zuschreibt, fast vollständig kompensieren können. Dadurch liegt das Ergebnis vor Steuern mit 43,1 Mio. Euro nur leicht unter dem Vorjahreswert.

Bei Enervie in Hagen, der früheren Südwestfalen Energie und Wasser AG mit den Versorgern Mark-E (Hagen) und Stadtwerke Lüdenscheid, legt Vorstandssprecher Erik Höhne die Zuständigkeit für die Netze in die Hände seines neuen Kollegen. Höhne – weiter für Erzeugung, Vertrieb, Handel und Finanzen verantwortlich – wertet es als „sehr gutes“ Ergebnis, im ersten Jahr der Corona-Pandemie den Umsatz gegenüber 2019 sogar um 5 Mio. auf rund 937 Mio. Euro gesteigert zu haben. Für 2021 erwartet Enervie ein ähnlich gutes Ergebnis.

Sorgenkind GuD-Kraftwerk hat Einsatzzeiten vervielfacht

Ein Sorgenkind hat sich 2020 von seiner guten Seite gezeigt. Das Gas- und Dampfturbinenkraftwerk (GuD) Herdecke ist aus dem Winterschlaf der vergangenen Jahre erwacht und war 2020 beachtliche 4.000 Stunden in Betrieb. Extrem niedrige Gaspreise hätten den Einsatz befördert, sagt Höhne. Er erwartet eine ähnliche oder bessere Auslastung, wenn die letzten Atom- und weitere Kohlekraftwerke vom Netz gegangen sind.

Die Ausfälle in Höhe von 8 Mio. Euro erklärte er zum einen mit der geringen Stromnachfrage durch Industriekunden, die während der Corona-Phase die Produktion gedrosselt und teilweise bis zu 40 % weniger Strom verbraucht hatten. Die Versorger Mark-E und Stadtwerke Lüdenscheid in der Enervie-Gruppe blieben dadurch etwa auf vorbestellten Strommengen sitzen und mussten sie weit unter Wert am Markt wiederverkaufen. Dies allein sorgt für 37,5 % des Minus (3 Mio. Euro) und erklärt, warum die mehr gehandelten Mengen sich nicht positiv auf das Jahresergebnis auswirken konnten. Weiter verlor Enervie 4 % ihrer Privatkundschaft an die Konkurrenz. Kontaktbeschränkungen durch Corona verhinderten es, so Höhne, den Rückgang durch übliche Kundenakquise aufzufangen. Dies soll künftig auch durch digitales Marketing flankiert werden.

3 Mio. Euro mehr an die Kommunen und Remondis als Anteilseigner

Dass das Minus die Bilanz nicht verhagelt hat, schreibt der Vorstandssprecher frühzeitigen Gegenmaßnahmen zu. Enervie verschob Personaleinstellungen, Investitionen und kürzte Budgets für geplante Projekte. Dies glich die Mindereinnahmen nahezu aus. Dadurch schütten die Südwestfalen mit 11 Mio. Euro sogar 3 Mio. mehr an die Anteilseigner aus als im Vorjahr. Das Unternehmen ist zu gut 80 % in kommunaler Hand, Hauptanteilseigner sind die Städte Hagen und Lüdenscheid, knapp 20 % hält der Remondis-Konzern.

Enervie war zu Beginn des Jahrzehnts durch Verluste mit Kohle- und Gaskraftwerken in schweres Fahrwasser geraten und hatte sich 2015 bei den Anteilseignern 60 Mio. Euro borgen müssen. Davon konnte der Dienstleister 2020 planmäßig 30 Mio. Euro abtragen, die zweite Tranche des Darlehens will man 2022 tilgen.

Das Windjahr 2020 brachte dem Unternehmen eine Rekordernte von 10 Mio. kWh Strom. Um das fossile Zeitalter endgültig hinter sich zu lassen und mehr erneuerbare Energie zu erzeugen, würde Enervie über die Windenergieanlage an der Vestertalsperre hinaus gerne weitere Turbinen in die Landschaft setzen. Dies hätten schwierige gesetzliche Ausbaubestimmungen lange verhindert. Nun wolle Enervis weitere „Einzelstandorte auch in der Region“ entwickeln, kündigte Erik Höhne an, ohne Standorte zu verraten. Auch auf das Pumpspeicherwerk Finnentrop-Rönkhausen setzt Enervie weiterhin, aktuell fährt es wegen einer defekten Turbine mit halber Kraft.

Mit neuen Produkten, etwa durch das Vermieten von Heizanlagen, will Enervie – das insgesamt etwa 400.000 Kunden im privaten und gewerblichen Bereich zählt – „die nächste Wachstumsphase einleiten“, so Erik Höhne. Auch digitale Marktbereiche sollen weiter ausgebaut werden, etwa Abrechnungssysteme für die elektrische Dienstwagenflotte von gewerblichen Großkunden. Die Energiepreise will Enervie nach Höhnes Aussage 2021 stabil halten.

 
Kennzahl 2020 2019
Umsatz (in Mio. Euro) 937 932
Ergebnis vor Steuern (in Mio. Euro) 43,1 43,4
Stromabsatz (in Mrd. kWh) 8,0 5,7
Gasabsatz (in Mrd. kWh) 6,5 5,2
Wärmeabsatz (in Mio. kWh) 52 55
Trinkwasserabsatz (in Mio. Kubikmeter) 15,9 15,8
Mitarbeitende 1.074 1062

Quelle: Enervie
 

Volker Stephan
© 2021 Energie & Management GmbH
Donnerstag, 15.04.2021, 15:17 Uhr

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