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REGENERATIVE:
Erdgasnetze für Biomethan geöffnet
Die neue Gasnetzzugangsverordnung erleichtert künftig die Biomethan-Einspeisung. Auch wenn einige wenige Regelungen verbesserungsfähig sind, dürfte dieses neue Geschäftsfeld endlich an Schwung gewinnen.
 

Mitte Februar nahmen die Mitgas Mitteldeutsche Gasversorgung GmbH und die agri.capital GmbH in Könnern bei Halle an der Saale eine Anlage in Betrieb, die künftig jedes Jahr rund 6 Mio. m3 aufbereitetes Biogas in das Mitgas-Netz leiten soll. Könnern ist nach Zählung des Fachverbandes Biogas die erste Einspeiseanlage in Ostdeutschland, bundesweit gibt es sechs. Mitgas-Geschäftsführer Jens Horn jubelte: "Wir sind stolz, als eines der ersten Unternehmen Deutschlands Bioerdgas direkt in unser Verteilnetz einzuspeisen und Kunden anbieten zu können."

Solche verbalen Jubelsprünge werden sich häufen, dafür dürfte die Mitte Februar vom Bundesrat verabschiedete Gasnetzzugangsverordnung (GasNZV) für Biogas sorgen. Sollte das Bundeskabinett, wie erwartet wird, keine Änderungen vornehmen, könnte das Regelwerk schon im März in Kraft treten.

Die GasNZV stellt das Zusammenspiel zwischen Biogas-Einspeisern und den Netzbetreibern auf eine völlig neue Ebene. Endlich, heißt es aus der Biogasbranche. "Das ist wirklich ein Durchbruch", freut sich Ulrich Schmack, Vorstand der Schmack Biogas AG, "darauf haben wir lange warten müssen". Von "sehr guten und klaren Rahmenbedingungen", spricht Andreas Seebach, Geschäftsführer der bmp greengas GmbH, die zwei der bisher sechs Einspeise-Anlagen realisiert hat. Und auch Claudius da Costa Gomez, Geschäftsführer beim Fachverband Biogas, zeigt sich zufrieden: "Die Verordnung bringt mehr Vorteile, als wir anfangs zu hoffen gewagt haben."

Das zeigt schon die kleine, synoptische Zusammenstellung der GasNZV:
- Gasnetzbetreiber haben künftig eine vorrangige Pflicht zum Anschluss von Biogasanlagen, die Biomethan in die Gasnetze einspeisen wollen;
- Die Kosten für den Netzanschluss von Einspeiseanlagen tragen der Betreiber der Biogasanlagen und der Gasnetzbetreiber zu gleichen Teilen. Auch wenn die Gaswirtschaft auf einen anderen Schlüssel gedrängt hatte, blieb der Bundesrat bei der ursprünglich im Referentenentwurf von Anfang Dezember vergangenen Jahres vorgesehenen Kostenaufteilung.
- Der  Betreiber der Einspeiseanlage ist für die Biogasanlage sowie für die Gaswäsche zuständig, die Gasnetzbetreiber müssen für die Kosten für Wartung und Betrieb des Netzanschlusses aufkommen. Darunter fallen unter anderem die Druckerhöhung, alle Mess- und Eicheinrichtungen und die Odorierung.
- Für den Bilanzausgleich kommen auf den Betreiber einer Einspeiseanlage aus Sicht des Fachverbandes vertretbare Kosten von 0,1 Cent/kWh zu.
- Bei den vermiedenen Netznutzungsgebühren sieht das Regelwerk eine Zahlung von 0,7 Cent/kWh vom Netzbetreiber an den Transportkunden vor, Kosten, die letztlich die Gaskunden zu zahlen haben.
-  Die Messlatte für die Gasqualität beschreibt das DVGW Arbeitsblatt G 685 : Der Brennwert des eingespeisten Bioerdgases darf damit nur um +/- 2 % vom im Netz vorhandenen Erdgas abweichen.

Kritik am technischen Regelwerk

Dass nicht alle Wünsche und Forderungen - sowohl von der Biogasbranche als auch vonseiten der Gaswirtschaft - in Erfüllung gegangen sind, versteht sich von selbst. Grundsätzlich, sagt Fachverbands-Geschäftsführer da Costa Gomez, werde durch die GasNZV "der Zugang zum Gasnetz erheblich erleichtert. Deshalb ist zu erwarten, dass künftig erheblich mehr Player im Biogasmarkt aktiv sein werden, als das bisher der Fall gewesen ist." Übersetzt heißt das, die Struktur der bislang vor allem durch die bäuerlichen Hofanlagen geprägten Biogasbranche, aber auch die Rolle der Landwirtschaft wird sich ändern.

Bis Ende 2009 hält da Costa Gomez den Bau von "insgesamt 50 Einspeiseanlagen" für möglich, "obgleich Prognosen bei den derzeitigen Rohstoffstoffpreisen schwer zu treffen sind". Sechs bis zwölf davon will die Eon Bioerdgas GmbH bauen, die nach konzerninternen Umstrukturierungen mittlerweile zum neu gegründeten Tochterunternehmen Eon Climate & Renewables gehört.

Impulse für den Ausbau der Bioerdgaseinspeisung erwartet auch Friedrich Wolf, Geschäftsführer der Eon Bioerdgas GmbH. Er hält einige Bestimmungen der GasNZV jedoch für verbesserungsfähig: "Es wäre sinnvoller gewesen, wenn der Gesetzgeber für den Einspeiser beim aufbereiteten Bioerdgas einen Reinheitsgrad von bis zu 97 Prozent festgelegt hätte, die DVGW-Regelwerke geben sich schon mit 90 Prozent zufrieden. Im Praxisbetrieb müsste der Gasnetzbetreiber die Differenz mit der Zugabe von Flüssiggas wettmachen - das kann ökologisch nicht sinnvoll sein."

Dass Wolf mit seiner Kritik den Finger in die richtige Wunde gelegt hat, bestätigt Karsten Wünsche. "Die DVGW-Regelwerke G 260 und G 262 geben keinen Anreiz, in eine innovative Aufbereitungstechnik zu investieren und die vorhandenen Techniken zu verbessern", sagt der Projektleiter Gasaufbereitung bei der MT-Energie GmbH im niedersächsischen Rockstedt.

Größere Anlagen gewinnen an Bedeutung

Dass die Beimischung von Flüssiggas (LPG) richtig ins Geld gehen kann, hat Wünsche an mehreren Beispielen durchgerechnet: "Bei einer Biogasanlage, die stündlich 1 000 Kubikmeter Rohgas bei einem Methan-Reinheitsgehalt von 96 Prozent erzeugen soll, können  jährliche Mehrkosten durch die LPG-Beigabe von rund 60 000 Euro entstehen." Die Konsequenzen, so der MT-Projektleiter, seien leicht auszurechnen: "Bei der angedachten Kostenverlagerung über den Netzbetreiber würde das Erdgas durch die Umlage der Kosten verteuert. So wird der Primärenergieträger Erdgas im Wettbewerb mit anderen Primärenergien schlechter gestellt. Umweltpolitisch ist das aus unserer Sicht ein falsches Signal."

Was wirklich an Problemen bei der Biomethaneinspeisung auftritt, wird sich nach Inkrafttreten des neuen Verordnung zeigen. Für Hendrik Becker, Geschäftsführer der PlanET Biogastechnik GmbH, ist es eine spannende Frage, ob es dann zum sogenannten "Anlagen-Splitting" kommt: "Es ist durchaus vorstellbar, dass das in großen Anlagen aufbereitete Biogas später in vielen kleineren Anlagen verstromt wird. Auf diese Weise könnten Großanlagen der Degression entfliehen, was zu einer Wettbewerbsverzerrung führt." Bei den kleineren Blockheizkraftwerken mit bis zu 150 kW Leistung ist mit allen Boni ein Einspeisepreis von rund 24 Ct/kWh möglich. Becker: "Es zeichnet sich ab, dass die Betreiber von Einspeiseanlagen künftig mehr für die Rohstoffe zahlen können als Hofanlagen. Der normale Bauer hat kaum eine Chance, eine Einspeiseanlage zu bauen, somit läuft alles auf große Anlagen hinaus."

Dass sich die Betreiberlandschaft in der Biogasbranche verändern wird, ist für Daniel Hölder von der Dalkia Energie Service GmbH klar: "Biogasanlagen ohne Wärmenutzung verlieren an Stellenwert." Hölders Arbeitgeber selbst will die Wärmenutzung und die Biomethaneinspeisung forcieren. Mitte Januar auf der Jahrestagung des Fachverbandes Biogas in Nürnberg hat Dalkia zum ersten Mal ihr Angebot präsentiert, Bauern Biogas abkaufen zu wollen. "Wir wollen dieses Biogas gezielt zur Wärmeversorgung unserer Kunden einsetzen", so Hölder. 20 Standorte habe Dalkia bereits im Visier. Da, wo es klappt, wolle das Unternehmen eine Aufbereitungsanlage für das Biogas auf eigene Kosten bauen. "Mit diesem Konzept können wir viele unserer Heizwerke zukunftsfähiger machen", so Hölder. Die Gasnetzzugangsverordnung wird noch für viel Gesprächsstoff sorgen.


 
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Montag, 03.03.2008, 10:25 Uhr