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Enerige & Management > Wirtschaft - Europa braucht Gas
Bild: Fotolia.com, caruso13
WIRTSCHAFT:
Europa braucht Gas
Der deutsche Gas- und Ölproduzent Wintershall setzt weiter auf eine zunehmende Bedeutung von Erdgas im internationalen Energiegeschäft.
 
Die BASF-Tochter Wintershall will trotz des Rückgangs der Öl- und Gaspreise bis 2019 etwa 4 Mrd. Euro Ausbau seiner Öl- und Gasaktivitäten investieren. Das sagte der neue Vorstandsvorsitzende des Unternehmens, Mario Mehren, am 2. Juni am Rande der Weltgaskonferenz in Paris. Ziel sei, die Produktion von 136 Mio. Barrel Öläquivalent (boe) im Jahr 2014 bis 2018 auf 190 Mio. boe zu steigern.

Im vergangenen Jahr hat das Unternehmen einen Jahresüberschuss von 1,46 Mrd. Euro erzielt − das waren 15 Prozent weniger als im Vorjahr. In den vergangenen zehn Jahren habe Wintershall seine Öl- und Gasproduktion jedoch um rund 4 Prozent pro Jahr gesteigert, das sei rund doppelt soviel wie das globale Wachstum von 1,8 Prozent, erklärte Mehren.
 
Vorstandschef Mario Mehren stellte in Paris Milliardeninvestitionen in die Gasförderung in Aussicht
Bild: Wintershall

Der Produktionsanstieg fiel im vergangenen Jahr allerdings mit 3 Prozent unterdurchschnittlich aus. Die sicheren Reserven stiegen um 17 Prozent auf 1,7 Mrd. boe. Wintershall verfüge damit über genügend Reserven, um die Förderung des Vorjahres über 13 Jahre aufrechterhalten zu können. Gleichzeitig machte der neue Wintershall-Chef deutlich, dass der Ausbau der Förderung angesichts der aktuellen Preisentwicklung nicht forciert wird. In Kassel geht man für dieses Jahr von einem Ölpreis zwischen 60 und 70 US-Dollar (54 bis 60 Euro) pro Barrel aus.

Die „neue Realität“ der Branche sei, dass sich die Vorhersagen für Angebot und Nachfrage ständig änderten: „Darauf müssen wir uns einstellen.“ Die Unternehmen müssten lernen, auch bei niedrigen Preisen „effizient und profitabel zu arbeiten“. Fossile Energieträger würden auch 2040 weltweit noch drei Viertel des Energiebedarfs decken. Gleichzeitig müsse Gas die Kohle als wichtigsten Energieträger bei der Stromerzeugung ablösen, „wenn die Welt den Klimawandel in den Griff bekommen will“. Flüssiggas (LNG) werde nach Wintershall-Ansicht eine wachsende Rolle spielen, die „unkonventionelle“ Förderung wie die von Schiefergas werde deutlich schneller steigen als die konventionelle.

Starkes Wachstum am asiatischen Markt

Außerdem wachse der asiatische Markt stärker als der europäische. Bis 2040 werde rund die Hälfte des internationalen Gashandels mit LNG bestritten, so Mehrens Prognose. Das bedeute jedoch: „Auch in 25 Jahren werden noch rund 50 Prozent des Erdgases klassisch per Pipeline geliefert.“ Leitungsgas bleibe das Rückgrat der europäischen Versorgung. Asien werde dagegen 70 Prozent des LNG-Angebotes schlucken. Allerdings steige auch der europäische Gasbedarf. Die eigene Förderung der EU gehe aber um zwei Prozent pro Jahr zurück, der Verbrauch steige um 0,8 Prozent. Die Wintershall sei für „den Run auf die Ressourcen“ gut aufgestellt.

Gleichzeitig ist Mehren davon überzeugt, dass es für Europa keine Energiesicherheit ohne Russland gibt. Auch eine „diversifizierte Versorgung“ wie sie von der EU angestrebt werde komme nicht ohne russisches Gas aus. Deswegen sei die Überwindung der aktuellen Krise von größter Bedeutung, um das verloren gegangene Vertrauen wieder aufzubauen. „Europa braucht Gas − Russland hat Gas.“

Das sei kein geopolitisches Problem, sondern eine geologische Tatsache. Der im vergangenen Jahr ins Auge gefasste Tausch, bei dem Gazprom die bislang gemeinsame Vertriebsgesellschaft Wingas ganz übernehmen wollte, ist in Kassel nicht zu den Akten gelegt, betonte Mehren. Das Geschäft, mit dem Wintershall neue Fördermöglichkeiten in Russland erworben hätte, war wegen der Ukraine-Krise ausgesetzt worden. Wintershall musste bislang keine Abschreibungen wegen der Russland-Sanktionen vornehmen. Das Geschäft leide aber unter dem schwankenden Kurs des Rubels, sagte der Unternehmenschef.

Hoffnung auf Produktionssteigerung in Russland

Er erwartet, dass die Russen ihre Förderung von 658 Mrd. m3 im Jahr 2012 bis 2040 auf 788 Mrd. m3 ausbauen und damit der führende Anbieter auf dem Weltmarkt bleiben. Die Wintershall, die 2014 ihre Förderung in Russland erheblich auf 3,4 Mrd. m3 Gas steigerte, will ihr Engagement in Russland deswegen weiter forcieren. In die Projekte Achimgaz, Juschno Russkoje und Wolgademinoil will das Unternehmen bis 2018 weitere 500 Mrd. Euro investieren.

Kräftig erweitert hat das deutsche Förderunternehmen auch seine Produktion in der Nordsee. Nach der Übernahme der drei Gasfelder Brage, Gjoa und Vega 2013 stieg die Fördermenge in der Nordsee von 40 000 boe auf 60 000 boe pro Tag. Die Nordsee bleibe über das Jahr 2020 hinaus die wichtigste Quelle der europäischen Gasversorgung. In den nächsten Jahren soll vor allem die Förderung in der südlichen Nordsee vor der niederländischen Küste ausgebaut werden.

Einen neuen Schwerpunkt will Wintershall in Nordafrika und im Mittleren Osten setzen. Neue Vorkommen sollen in Libyen und in den Vereinigten Emiraten erschlossen werden. Allerdings musste die Förderung in Libyen Ende 2014 wegen der instabilen Lage erneut eingestellt werden. In Katar wurden die Aktivitäten im Mai beendet, weil kein Zugang zur lokalen Infrastruktur hergestellt werden konnte.

In Argentinien, wo Wintershall seit 35 Jahren Erdgas fördert, soll ebenfalls weiter investiert werden, obwohl aufgrund der gesamtwirtschaftlichen Lage derzeit keine Gewinne nach Deutschland überwiesen werden können. Neben der konventionellen Förderung untersuchen die Ingenieure des Unternehmens inzwischen auch das Potenzial „unkonventioneller Lagerstätten“. 2014 erfolgte die erste Probebohrung zur Förderung von Schiefergas. Eine zweite Probebohrung ist in diesem Jahr geplant.

 
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Mittwoch, 03.06.2015, 16:25 Uhr