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Enerige & Management > Klimaschutz - Expertenkommission empfiehlt CO2-basierte Energiepreise
Bild: Fotolia.com, Nicole Effinger
KLIMASCHUTZ:
Expertenkommission empfiehlt CO2-basierte Energiepreise
Die Kommission „Energie der Zukunft“ rät der Bundesregierung zur Erreichung der Klimaschutzziele, vor allem auf Marktinstrumente zu setzen und dazu die Energiepreise zu reformieren.
 
Als Schlüssel zum Klimaschutz nennen die Experten den Ausbau erneuerbarer Energien, die industrielle Transformation zu emissionsneutralen Technologien und Produkten mit Hilfe von erneuerbar produziertem Wasserstoff und synthetischen Energieträgern. So fasst die Expertenkommission zum Monitoring-Prozess „Energie der Zukunft“ der Bundesregierung ihre Stellungnahme zusammen. Dabei müsse die deutsche Energiewende stärker in den europäischen Kontext eingebunden werden, wofür die deutsche EU-Ratspräsidentschaft eine gute Voraussetzung sei. Die Experten empfehlen konkret eine CO2-basierte Energiepreisreform, die eine Reduktion der Umlagen und Abgaben beim Strompreis bei gleichzeitig ambitionierterer CO2-Bepreisung vorsieht.

„Dies schafft den richtigen langfristigen Rahmen, entlastet Haushalte und Unternehmen und treibt die Transformation der Industrie voran“, sagte Frithjof Staiß, geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Zentrums für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung (ZSW) bei der Online-Stellungnahme. Die Transformation hin zu einem nachhaltigen Wirtschaftssystem erfordere es, strategisch bedeutsame klimaneutrale Wertschöpfungsketten aufzubauen, kritische Abhängigkeiten durch Diversifizierung zu vermeiden und inländische Märkte zu stärken.

Wasserstoff statt Kohle

Regenerativer Wasserstoff und synthetische Energieträger spielten dabei eine Schlüsselrolle, da sie vielfältig einsetzbar sind. In diesem Zusammenhang lobten die Experten die verabschiedete Nationale Wasserstoffstrategie der Bundesregierung. Für den Kohleausstieg plädierten sie allerdings weniger für Entschädigungen für die Unternehmen, als auf Marktkräfte zu setzen, die Kohle ohnehin als zu teuer verdrängen würden.

„Anwendungen für regenerative Brennstoffe liegen im Verkehrssektor, bei der Speicherung von Strom, in der Industrie und im Wärmesektor“, sagte der Kommissionsvorsitzende Andreas Löschel, Direktor des Zentrums für angewandte Wirtschaftsforschung an der Universität Münster. Weiterer Handlungsbedarf bestehe beim Ausbau der Energieerzeugung aus Erneuerbaren, da nur so die langfristigen Klimaschutzziele in Deutschland und Europa zu schaffen seien, fordern die Experten. Hier gebe es in allen Ländern ungehobene Reserven, ohne die der europäische Green Deal nicht umzusetzen sei.
 
Europäische Ausbaupotentiale für erneuerbare Stromerzeugung Bild: Forschungsstelle für Energiewirtschaft (FfE)

CO2-Preispfad als Leitlinie empfohlen

Als Leitinstrument empfiehlt die Expertenkommission eine CO2-basierte Energiepreisreform. Diese umfasse auf nationaler Ebene die Umsetzung eines ambitionierteren CO2-Preispfades mit einem Mindestpreis für die Treibhausgasemission sowie eine umfassende Ausrichtung des derzeit existierenden komplexen Systems aus Entgelten, Steuern, Abgaben und Umlagen auf tatsächliche externe Effekte. Höhere Ambitionen im Klimaschutz auf europäischer Ebene erforderten neben einem Nachschärfen der CO2-Bepreisung im EU-Emissionshandel ETS eine Reform der EU-Energiesteuerrichtlinie sowie die Einführung von Grenzausgleichen.

Infrastrukturen müssten für den Transport, die Verteilung und die Speicherung von Wasserstoff und synthetischen Energieträgern angepasst und ausgebaut werden. Zudem würden Speicher mit verschiedenen Volumina benötigt, um eine zeitliche Unabhängigkeit von Erzeugung und Verbrauch insbesondere im Bereich der Stromversorgung zu ermöglichen, empfehlen die Experten.

Privates Kapital für Klimaschutz aktivieren

Veronika Grimm, Wirtschaftstheoretikerin der Universität Erlangen-Nürnberg, sagte: „Die Investitions- und Finanzmittel der öffentlichen Hand können und sollen lediglich die Grundlage für die Umsetzung des Green Deal schaffen.“ Das erforderliche Kapital privatwirtschaftlicher Investoren solle durch Verstärkung von Green Finance aktiviert werden, etwa durch die Ausweitung der Berichtspflichten von Unternehmen und Finanzmarktakteuren im Sinne der geplanten EU-Taxonomie für nachhaltige Finanzierung.

Barbara Lenz, Institutsleiterin für Verkehrsforschung am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), betonte die Herausforderungen für den europäischen Gütertransport beim Klimaschutz. Die Schienenwege seien weitgehend ausgelastet und daher klimaneutrale Antriebe für LKW dringend notwendig. Die Expertenkommission meint, gerade in Zeiten der Corona-Pandemie seien die Energiepreisreform und Maßnahmen zur klimaneutralen Transformation der Industrie geeignet, die Konjunktur zu unterstützen, die Resilienz des Gesamtsystems zu erhöhen und Haushalte mit niedrigem Einkommen zu entlasten.

Die unabhängige Expertenkommission begleitet den 2011 von der Bundesregierung ins Leben gerufenen Monitoring-Prozess „Energie der Zukunft“ mit Stellungnahmen und Empfehlungen zur Energiewende. Die Mitglieder sind Prof. Andreas Löschel, Universität Münster; Veronika Grimm, Universität Erlangen-Nürnberg; Barbara Lenz, DLR, und Frithjof Staiß, (ZSW).

 
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