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Enerige & Management > Stromnetz - Fehlende Begeisterung für Digitalisierung
Bild: Fotolia.com, Stefan Redel
STROMNETZ:
Fehlende Begeisterung für Digitalisierung
Energienetze als zentrale Nervensysteme eines dezentralen Energiesektors erfordern zunehmende Digitalisierung, sagen Betreiber.
 
Wie weit ist Deutschland beim Internet der Energie und bei der Digitalisierung der Infrastruktur? Diese Frage beleuchtete im Januar eine Expertenrunde bei einem Parlamentarischen Abend von Eon in Berlin.

Noch nicht sehr weit, meinte Cedrik Neike. „Das Internet der Energie bedeutet Sektorkopplung − und die haben wir noch nicht“, sagte der Siemens-Vorstand. „Das müssen wir zusammenbringen.“

Auch Prof. Christoph Meinel, Direktor des Hasso-Plattner-Instituts in Potsdam, sieht Defizite. Er hält fehlende Begeisterung für die Digitalisierung und mangelnde „Ausprobiermentalität“ für wesentliche Ursachen.

Sabine Jeschke erkennt dagegen bereits Licht am Horizont. Deutschland habe aufgrund guter Ausbildungsstrukturen und erfolgreicher Forschungsarbeit zumindest das Potenzial, in der Champions League der Digitalisierung mitzuspielen, meinte die im Vorstand der Deutschen Bahn für Digitalisierung und Technik verantwortliche Managerin. Im Bahnnetz ermögliche die Digitalisierung beispielsweise eine Kapazitätssteigerung um 20 %. Das Vorschriftendickicht in Deutschland sei jedoch ein großes Hindernis für digitale Innovation.

Telekommunikationsnetze zunehmend wichtig für die Energiewende

Gastgeber Thomas König, im Eon-Vorstand für Energienetze zuständig, lenkte den Blick auf leistungsfähige Telekommunikationsnetze, die er als wichtige Voraussetzung für Digitalisierung und das Gelingen der Energiewende sieht.

Digitale Lösungen seien insbesondere für eine effiziente Sektorkopplung und eine intelligente Steuerung der Netze von enormer Bedeutung, sagte König. Die Basis dafür sei eine flächendeckend ausgebaute und leistungsstarke Infrastruktur. „Ohne die geht es einfach nicht − und wenn wir diese wichtige Infrastruktur in Deutschland vernachlässigen, laufen alle digitalen Ansätze ins Leere“, stellte König fest. Mit der momentanen Kommunikationsinfrastruktur sei beispielsweise eine Echtzeitsteuerung der Eon-Netze schwierig, stellte er nüchtern fest.
 
Thomas König: „Wir brauchen einen neuen gesellschaftlichen Grundkonsens für die Energiewende“
Bild: Eon

Doch Defizite bei der Digitalisierung sind nach Ansicht Königs nicht die einzigen Probleme bei der Umsetzung der Energiewende. Deutschland müsse auch deutlich schneller und ambitionierter werden, vor allem mit Blick auf Planungs- und Genehmigungsverfahren, so der Eon-Vorstand. Diese sollten vereinfacht und beschleunigt werden. Bei den vielfältigen Widerspruchs- und Klagemöglichkeiten gegen Investitionen habe Deutschland „Mitte und Maß” verloren, Gemeinwohl müsse wieder Vorrang vor Partikularinteressen haben.

Um das Potenzial erneuerbarer Energie besser auszuschöpfen, müssten zudem Netz- und Erneuerbaren-Ausbau besser synchronisiert und grüner Strom günstiger gemacht werden. Das sei eine der Voraussetzungen, die Energiewende auch auf Wärme und Verkehr auszuweiten.

König forderte außerdem, das undurchsichtige Dickicht aus Steuern, Abgaben und Umlagen zu reformieren und durch einen marktwirtschaftlichen Ordnungsrahmen zu ersetzen. Eine Bepreisung von CO2 und eine grundsätzliche Technologieoffenheit seien den kaum noch zu überblickenden Einzelregelungen überlegen.
Er regte darüber hinaus an, den aktuell widersprüchlichen Rechtsrahmen zu korrigieren: Dieser orientiere sich immer noch an der alten Energiewelt mit sehr unübersichtlichen Strukturen und vielen, sich teilweise widersprechenden Gesetzen für dieselben Regelungsbereiche.

Netz- und Erneuerbaren-Ausbau besser synchronisieren

Um den für die Energiewende wichtigen Ausbau der Energienetze werde man auch mit Digitalisierung nicht herumkommen, so König weiter. Das Stromverteilnetz bezeichnete er als zentrales Nervensystem des Energiesektors. Mehr als 90 % der Anlagen, die Strom aus Wind, Sonne und Biogas erzeugen, speisten Strom direkt ins Verteilnetz ein. Eon habe schon jetzt für den Anschluss von 800.000 dezentralen Erneuerbaren-Anlagen an das Netz gesorgt.

Durch die fortschreitende Dezentralisierung, Digitalisierung, Urbanisierung und Elektromobilität entstehe aber auch enormer Handlungsdruck und damit verbundener Investitionsbedarf. Eon werde künftig jährlich bis zu 2 Mrd. Euro in leistungsfähige, zunehmend digitale Energienetze investieren.

„Wir brauchen einen neuen gesellschaftlichen Grundkonsens für die Energiewende“, forderte der Eon-Vorstand. Der Sprung in die Energiewelt der Zukunft sei eine Generationenaufgabe. Wirtschaft, Politik und Regulierung seien gefordert, gemeinsam ihren Beitrag dazu zu leisten, dass Deutschland bis 2050 klimaneutral wird.

 
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