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Enerige & Management > Smart Meter - Frank: "Letztendlich geht es um smarte Anwendungen"
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SMART METER:
Frank: "Letztendlich geht es um smarte Anwendungen"
Die Branche bereitet sich auf den Rollout von intelligenten Messsystemen vor. Die Großen wollen dabei die Kleinen an die Hand nehmen, denn Messstellenbetrieb ist eine komplexe und auch kostenträchtige Tätigkeit, wie Rainer Frank, Leiter Vertrieb bei Eon Metering, erläutert.
 
E&M: Herr Dr. Frank, der Entwurf des Gesetzes zur Digitalisierung der Energiewende ist vom Kabinett verabschiedet. Wann hat Eon mit der Vorbereitung des Rollout begonnen?

Frank: Wir haben als Eon bereits 2012 damit begonnen, den Rollout von intelligenten Messsystemen und modernen Messeinrichtungen für unsere mehr als sechs Millionen Messkunden vorzubereiten.

E&M: Wie sahen diese Vorbereitungen aus?

Frank: Zur Bewältigung dieser komplexen Aufgaben haben wir die Kompetenzen des Konzerns zu den Themen Messstellenbetrieb, Datenverarbeitung, Kommunikation und Systemtechnologien in einem Projekt gebündelt und mit System- und Geräteherstellern vernetzt. Entlang der nach und nach präzisierten Vorgaben zum BSI-Schutzprofil, zu den technischen Richtlinien und den gesetzlichen Verpflichtungen haben wir erforderliche Systemkomponenten, wie zum Beispiel die WAN-Kommunikation (Wide Area Network; d. Red.) in Praxistests analysiert. Durch den frühzeitigen Beginn der Vorbereitungen haben wir heute ein sehr klares Bild, was bis zum Rollout ab 2017 noch zu tun ist.

E&M: Stellt sich aus Ihrer Sicht jetzt nach dem Kabinettsbeschluss noch die Frage nach dem Kosten-Nutzen-Verhältnis des Rollout?

Frank: Die Frage nach dem Kosten-Nutzen-Verhältnis sollte man sich jedes Jahr aufs Neue stellen. Das Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende ist ein wichtiger und erforderlicher Schritt in die richtige Richtung. Damit der Rollout der intelligenten Messsysteme zur Energiewende jedoch auch einen nachhaltigen Beitrag bietet, müssen faire und ausgeglichene Bedingungen für alle Marktakteure geschaffen sein.

"Klärungsbedarf besteht noch bei der Marktkommunikation"

E&M: Wo sehen Sie noch Klärungsbedarf, um endgültig Planungssicherheit für Netz- und Messstellenbetreiber sowie Vertriebe zu schaffen?

Frank: Klärungsbedarf besteht vor allem noch bei der Marktkommunikation. Die Unternehmen müssen ja eine ganze Menge Daten austauschen. Die Formate dafür und die Kommunikationspfade sind noch nicht abschließend definiert. Das ist aber eine Grundvoraussetzung dafür, dass auch smarte datenbasierte Produkte von einem Vertrieb angeboten werden können.

E&M: Die Kommunikation ist eine Seite, die Zertifizierung eine andere. Sie ist Grundvoraussetzung, damit ein Unternehmen überhaupt als Messstellenbetreiber auftreten kann.

Frank: Das stimmt. Aber die Frage ist, in welchem Umfang welche Marktteilnehmer zertifiziert werden und ob Stadtwerke überhaupt die komplexe Aufgabe der Gateway-Administration selbst erfüllen oder sich eines Dienstleisters bedienen wollen.

E&M: Ist das eine Frage der Kosten?

Frank: Die Zertifizierung stellt sicher, dass die Marktteilnehmer mit ihren Dienstleistungen dem BSI-Schutzprofil entsprechen. Im Prinzip steht der Zertifizierungsprozess schon fest. Nicht jedes Unternehmen muss aber in vollem Umfang zertifiziert werden. Denn zum einen gibt es Hardware-Zertifizierungen, zum anderen werden Prozesse zertifiziert oder auch Unternehmensteile. Ein Messstellenbetreiber muss deshalb nicht alle Zertifizierungskosten zwangsläufig alleine tragen.

E&M: Wie stellen Sie sich eine Kostenaufteilung vor?

Frank: Ich kann mir eine Arbeitsteilung vorstellen, die bei einem Stadtwerk einen sehr geringen oder fast keinen Zertifizierungsaufwand nach sich zieht. Wenn etwa zertifizierungsrelevante Aufgaben an einen Dienstleister delegiert werden.

E&M: … aber nicht das ganze Geschäft.

Frank: Stadtwerke stehen grundsätzlich vor der Wahl, eine oder mehrere Dienstleistungen auszuschreiben und sich beim Aufbau des Messstellenbetriebs helfen zu lassen oder aber ganz auf dieses Geschäft zu verzichten. Das wäre allerdings tatsächlich ein Ausstiegsszenario. Aus meiner Sicht kommt das überhaupt nur für kleine Gemeindewerke in Frage, die angesichts sehr weniger Zähler keinen eigenen Messstellenbetrieb ausprägen wollen beziehungsweise diesen nicht wirtschaftlich darstellen können. Aber ich kenne persönlich kein einziges Unternehmen, das den Messstellenbetrieb vollständig abgeben möchte. Denn letztendlich geht es nicht nur um den Service des Messstellenbetreibers, sondern vor allem um die auf den Daten aufbauenden smarten Anwendungen. Der Markt steht hier aber erst am Anfang der Entwicklung, und gemeinsam mit den Stadtwerken werden wir smarte Lösungen entwickeln.
 
Rainer Frank: „Nicht jedes Unternehmen muss in vollem Umfang zertifiziert werden“
Bild: Eon


E&M: Bei so vielen zu erwartenden Messstellenbetreibern wird es einen entsprechend großen Wettbewerb geben.

Frank: Das glaube ich auch. Das Gesetz ist darauf ausgerichtet, den Wettbewerb zu fördern. Das begrüßen wir. Allerdings sehe ich Probleme, wenn es um die Finanzierung der Aufgaben und Aktivitäten geht, die Messstellenbetreiber nun übernehmen müssen, zum Beispiel die Refinanzierung der Investitionskosten vor allem in den ersten Phasen des Rollout. Für kleine Stadtwerke wird das nur schwer zu stemmen sein. Die Kosten werden in keiner Weise in den Preisobergrenzen gespiegelt, genauso wenig wie die für das Internetportal, das der Messstellenbetreiber bereitstellen muss.

E&M: Dann sind die Preisobergrenzen nicht auskömmlich?

Frank: Die Investitionen beim Einstieg in ein solches Geschäftsfeld sind schon erheblich. Von Seiten des Gesetzgebers werden organisatorische, personelle, prozessuale und informationstechnische Anforderungen gestellt, nach denen ein Energieversorger mit etwa 100 000 Messstellen für Strom bei der Umrüstung und Anpassung des eigenen Systems mit Kosten in Millionenhöhe rechnen muss. Durch die Preisobergrenzen werden alle Messstellenbetreiber enorm unter Kostendruck gesetzt. Bei einer gesetzlich festgelegten Preisobergrenze, beispielsweise bei Haushaltskunden von 100 Euro pro Jahr, sind die Leistungen speziell für kleinere und mittlere Stadtwerke kaum kostendeckend umzusetzen. Hier brauchen Stadtwerke Partner, die Skaleneffekte realisieren können. Für den eingeschwungenen Zustand, wenn keine weiteren Belastungen mehr hinzukommen, könnten die Preisobergrenzen ausreichen. Das wird aber letztlich erst der Messstellenbetrieb im Laufe der Zeit zeigen.

E&M: Ist der Verzicht auf eine informatorische Entflechtung im Kabinettsbeschluss eine große Erleichterung oder nur ein Tropfen auf den heißen Stein?

"Große Entwicklungsmannschaften sind im Einsatz"

Frank: Es ist ein wichtiger Beitrag, um Komplexität und Kosten zu reduzieren. Insbesondere für kleinere Energieversorger, die auch bislang nicht verpflichtet waren, Vertrieb und Netz zu entflechten, ist es sicherlich eine große Erleichterung.

E&M: Welche Pläne hat Eon Metering für die Zeit bis zum Rollout und unmittelbar danach?

Frank: Eon hat für ihre Netzbetreiber die entsprechenden Aktivitäten und Prozesse vorbereitet. Große Entwicklungsmannschaften sind dafür im Einsatz. Wir wollen die daraus entstandenen IT-Lösungen und Dienstleistungen bei Stadtwerken platzieren. Dafür haben wir die Stadtwerkeallianz Messwesen ins Leben gerufen.

E&M: Wie stellen Sie sich die Zusammenarbeit mit den Kommunalen vor?

Frank: Wir werden die Stadtwerke intensiv beraten, denn durch das Gesetz kommt eine Menge neuer Anforderungen auf die Unternehmen zu. Zunächst geschieht das über Seminare und Newsletter. Auf der zweiten Ebene erfolgt ein intensiver Erfahrungsaustausch über Workshops und Webinare. Und schließlich gibt es auf einer dritten Ebene Arbeitsgruppen, die konkrete Lösungen entwickeln, etwa zu Abrechnung oder Portal-Gestaltung. Wir bieten aber auch für Stadtwerke, die dezidierte Tests wünschen, entsprechende Projekte in der Rollout-Vorbereitung an. Und wir werden Partnerschaften mit Stadtwerken eingehen, um nicht nur zu informieren und zu unterstützen, sondern um auch deren Anforderungen aufzunehmen und gemeinsam in Lösungen umzusetzen.
 


Rainer Frank
Nach seinem Einstieg 1997 als Key Account Manager Strom beim Vertrieb der Eon Bayern übernahm er später Aufgaben in der Geschäftsfeldentwicklung und schließlich die Bereichsleitung für die kommunale Dienstleistung Straßenbeleuchtung. Für Eon Metering ist Frank seit 2009 tätig. Zunächst als Leiter Zentrale Funktionen, seit diesem Jahr in der Position des Vertriebsleiters.

 
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Montag, 23.11.2015, 10:53 Uhr