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Enerige & Management > Gas - Gasbranche will erneuerbar werden
Bild: Fotolia.com, WoGi
GAS:
Gasbranche will erneuerbar werden
Der Veränderungsdruck auf die Gaswirtschaft wuchs im zurückliegenden Jahr nicht nur wegen des Klimaschutzes.
 
Es dauerte ein wenig, bis sich die Gaswirtschaft in Deutschland im Laufe des Jahres 2016 klarmachte, dass die Ende 2015 gefassten Klimabeschlüsse von Paris das langfristige Ende der Energieversorgung mit Erdgas bedeuten. Noch im Februar auf der E-world in Essen hatte Timm Kehler dem Erdgas „eine große und sogar wachsende Rolle im deutschen Energiemix“ vorhergesagt. Der Vorstand der Unternehmensinitiative Zukunft Erdgas war sich sicher, dass mehr und nicht weniger Erdgas gebraucht werde, um bei der Dekarbonisierung voranzukommen.
Zum Ende des Jahres 2016 zeigt sich die Branche nicht mehr ganz so zuversichtlich. Sie preist Erdgas zwar weiter als klimaentlastenden Ersatz für Öl und Kohle an, doch die zentrale Botschaft lautet inzwischen: „Gas kann grün“. In einem Arbeitspapier unter dem Titel „Der Klimawandel wartet nicht“ präsentierte Zukunft Erdgas Anfang November ihr Angebot zum Klimaschutz. Darin ist mehr von Power-to-Gas, Bioerdgas und dem Beitrag der Gasinfrastruktur zum Transport von erneuerbarem Gas die Rede als von Erdgas.

Auch in einer Erklärung von Verbänden der Gas-, Heizungs- und Bauwirtschaft von Anfang November heißt es, die Gaswirtschaft biete einen Energieträger, „der perspektivisch zu 100 Prozent regenerativ hergestellt und damit vollständig grün werden kann“. Von mehr Erdgas ist nicht mehr die Rede.

Dazwischen lagen Monate der Diskussion darüber, ob es sinnvoll sei, schon ab 2030 keine neuen Gasheizungen mehr zuzulassen und Erdgas damit aktiv aus dem Markt zu drängen, wie erste Vorschläge zum Klimaschutzplan vorsahen. Der vom Bundeskabinett im November verabschiedete Klimaschutzplan nennt das Jahr 2030 nicht mehr, fordert aber weiter einen „Fahrplan, der aufzeigt, ab wann wir auf Investitionen in fossile Heizungssysteme vollständig verzichten“. Der Abschied vom Erdgas bleibt damit Fakt.

Frackinggesetz nach langer Wartezeit

Die Annahme, Erdgas werde langfristig nicht mehr gebraucht, spielte auch eine Rolle bei der Verabschiedung des Fracking-Gesetzes im Juni. Im Tenor zielt das Gesetz deshalb auch stark auf eine Unterbindung des umstrittenen Bohrverfahrens ab. Fracking in unkonventionellen Schiefergasvorkommen bleibt, abgesehen von vier Forschungsbohrungen, erst einmal verboten. Bei dem seit Jahrzehnten praktizierten Fracking in konventionellen Gasvorkommen „sind eine Reihe weiterer wichtiger Akzentuierungen des Umwelt- und Gesundheitsschutzes vorgenommen worden“, erklärte Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD).

„Die traditionelle Erdgasförderung hat mit der Verabschiedung des Gesetzes wieder eine Perspektive in Deutschland“, zeigte sich der Bundesverband Erdgas, Erdöl und Geoenergie (BVEG) als Verband der Gasförderbranche mäßig zufrieden darüber, nach fünf Jahren kontroverser Diskussion endlich eine gesetzliche Regelung für den Fracking-Einsatz erreicht zu haben.

Auch die Fernleitungsnetzbetreiber müssen auf anstehende Veränderungen reagieren. Die im April mit dem Entwurf für den Netzentwicklungsplan 2016 vorgelegten Netzausbauvorschläge reagieren vor allem auf die Erwartung, dass die deutsche und niederländische Erdgasproduktion bis 2026 signifikant abnehmen werden. Die Planungen sind deshalb vor allem auf die anstehende Marktraumumstellung gerichtet. Die Netzbetreiber empfehlen bis 2026 Ausbaumaßnahmen in Höhe von 4,4 Mrd. Euro. Damit sollen die deutschen Fernleitungsnetze um gut 800 Leitungskilometer erweitert und die Verdichterleistung um rund 551 MW erhöht werden. Mit einzelnen Pipelineverstärkungen wurde bereits begonnen.

Für die Arbeit an den bisher jedes Jahr fälligen Netzentwicklungsplänen zeichnet sich eine Entspannung ab. Der nächste ist erst wieder 2018 fällig, nachdem der Turnus auf zwei Jahre umgestellt wurde.

Die Schaffung weiterer Pipelinekapazitäten für den Gasimport war von einem Rückschlag gekennzeichnet. Wegen des Widerstandes von Polen gegen zusätzliche Gaslieferungen aus Russland stiegen im August die europäischen Energieunternehmen Wintershall, Uniper, Engie, OMV und Shell aus dem Nord-Stream-2-Konsortium aus.

Gazprom muss die zwei Erweiterungsstränge für die Ostseepipeline nun alleine bauen. Den Russen scheint es damit durchaus ernst zu sein. Auf der Insel Rügen, einer Logistikbasis für den Pipelinebau, kamen Ende Oktober die ersten Rohre für die Leitung an. Die bestehende Nord-Stream-Pipeline war im November seit fünf Jahren in Betrieb.

Steigender Verbrauch − sinkende Preise

Im Hinblick auf den Erdgasbedarf konnte sich die Gaswirtschaft schon Mitte des Jahres freuen. Insgesamt wurden in der ersten Jahreshälfte 494 Mrd. kWh Erdgas und damit knapp sieben Prozent mehr als in den ersten sechs Monaten 2015 verbraucht. Der Gasverbrauch der Industrie lag in etwa auf Vorjahresniveau. Der Verbrauchszuwachs war hauptsächlich der kühlen Witterung geschuldet. Die Gaspreise an den Handelsmärkten setzten dagegen im Lauf des Jahres 2016 ihre Talfahrt fort.

Ob der Gasabsatz an Tankstellen doch noch zu einem tragfähigen Geschäft werden kann, bleibt weiter ungewiss. Mit Erdgas als Kraftstoff könnten Autos zwar erheblich klimaverträglicher und sauberer fahren als mit Benzin und Diesel. Doch die lange versprochene Verlängerung der 2018 auslaufenden Steuerermäßigung für das an Tankstellen verkaufte Erdgas, die dem Kraftstoff einen Startvorteil verschaffen soll, war bis Ende November immer noch nicht beschlossen. Das lässt wenig Platz für Zuversicht auf eine Belebung des Tankstellengeschäfts.

Beim Betrieb von Tankstellen für komprimiertes Erdgas (CNG) setzte sich 2016 die Konsolidierung fort. Gazprom Germania übernahm im April auch noch Stationen von VNG in Ostdeutschland und kommt nun auf insgesamt 50 CNG-Tankstellen. Im August bündelte das Unternehmen sein Tankstellengeschäft in der Gazprom NGV Europe GmbH.

Einen Wermutstropfen für Tankstellenbetreiber bedeutete der Explosionsunfall an einer Tankstelle in Duderstadt im September. Danach waren die Tankmöglichkeiten vielerorts mehrere Tage eingeschränkt, was nicht unbedingt zu einer Imageverbesserung für Erdgasmobilität beigetragen hat. Inzwischen ist geklärt, dass eine verrostete Tankflasche die Ursache der Explosion war.

Der Bau von Erdgastankstellen für große Lastwagen, die im Fernverkehr unterwegs sind, kommt nur langsam voran. Die Laster brauchen verflüssigtes Erdgas (LNG), um entsprechende Mengen an Bord nehmen zu können. Die Uniper-Tochter Liqvis nahm im Juni in Ulm die erste LNG-Tankstelle in Betrieb und baut eine weitere bei Berlin und im nächsten Jahr zwei im Ruhrgebiet.

Auf der Unternehmensseite setzte EnBW das deutlichste Zeichen. Der süddeutsche Konzern übernahm im April 74,2 Prozent an der Verbundnetz Gas AG (VNG) in Leipzig und stieg damit zum drittgrößten Anbieter am deutschen Gasmarkt auf.

 
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Dienstag, 20.12.2016, 13:34 Uhr