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GASHANDEL:
Gasnotierungen stürzen 2009 ab
Die Spot- und Terminpreise auf den europäischen Gasmärkten rutschten im vergangenen Jahr wegen einer rückläufigen Gasnachfrage und einer komfortablen Versorgungslage ins Minus.
 

„Rückblickend war die Preisentwicklung im vergangenen Jahr ungewöhnlich", fasst Robert Duranec, Gashandelsleiter bei der Pullacher Advanced Energy Trading GmbH (AET), seine Eindrücke zusammen.

Im Januar und Februar zeichnete sich das Handelsgeschehen am Spotmarkt durch eine hohe Volatilität aus. Bullishe Impulse waren zum einen die frostigen Temperaturen sowie der Gas-Transitstreit zwischen Russland und der Ukraine, bei dem zunächst die Gaslieferungen für Westeuropa eingeschränkt wurden. Vom 7. und 19. Januar fielen dann die russischen Lieferungen über die Ukraine komplett aus. In der Folge verbuchten die Spotpreise hohe Zuwächse und die Ausspeicherung von teuer im Sommer 2008 eingekauftem Gas wurde gestartet. „Allerdings führte die Russland-Ukraine-Krise zu keinen dauerhaften Preisimpulsen", so Duranec weiter. Nach Beendigung des Konflikts und der Wiederaufnahme der Gaslieferungen verloren die Spotkurse aufgrund von über dem Jahresmittel liegender Temperaturen, vermehrter Anlandung von Tankern mit verflüssigtem Erdgas (Liquefied Natural Gas - LNG) und einer in der Wirtschaftskrise begründeter rückläufigen Gasnachfrage mehr und mehr an Boden.

Die anhaltenden Konjunktursorgen mündeten in einem stetigen Abflachen der Preiskurve von März bis Juni. Die Volatilität schwächte sich ab und die Marktteilnehmer gingen davon aus, dass eine Bodenbildung der Preise einsetzen würde. Europa wurde zu diesem Zeitpunkt durch zusätzlich in Betrieb genommene Regasifizierungsterminals mit Gas geflutet. Die Produzenten in der norwegischen Nordsee versuchten, das entstehende Überangebot mit dem Zurückfahren der Produktion einzudämmen. Viele Marktteilnehmer nahmen wegen der unklaren Entwicklung der Gasnachfrage vorerst eine abwartende Haltung ein. Leichte Preiserholungen können vorrangig auf unter dem Jahresmittel liegender Temperaturen zurückgeführt werden. Die Einspeichersaison startete schleppend, da der Markt annahm, dass die Kurzfristnotierungen in den Sommermonaten unter 10,00 Euro/MWh liegen werden.

Abwärtstrend beschleunigt sich im Sommer

Der Day-Ahead-Kontrakt wurde erstmalig im Juli im einstelligen Bereich gehandelt. „Das Preisniveau war zu diesem Zeitpunkt fundamental gerechtfertigt", erklärte Falco Mager, Händler bei der Münchner Actogas. In den nächsten Tagen und Wochen nahm die Geschwindigkeit der Abwärtskorrektur rapide zu. Aufgrund des Überangebots wurde nun schneller Gas in die Speicher gepumpt. Trotzdem wurde im August die Marke von 9,00 Euro/MWh nach unten durchbrochen. Der Markt reagierte zunehmend unruhig und nervös auf die anhaltend bearishe Stimmung. Vielfach wurden größere Positionen sehr günstig abgestoßen, da die Händler „kalte Füße" bekamen, erinnert sich Tobias Meyer, Portfolio-Manager bei der Hürther FSE Portfolio Management GmbH. Selbst die Wartungsarbeiten am Interconnector Mitte September brachten nicht den erhofften Preisschub auf den kontinental-europäischen Märkten, die für rund zwei Wochen vom fortwährenden Gaszufluss aus Großbritannien getrennt worden waren. Umgekehrt konnte das Gas-Überangebot auch nicht mehr Großbritannien nach Belgien abfließen. Die für den britischen Markt befürchteten Minuspreise wurden jedoch nicht erzielt. Die Wartungsarbeiten hatten keinen Einfluss auf die Preissetzung auf den europäischen Handelsmärkte. Anfang Oktober bewegten sich die Gasflüsse über den Interconnector von Großbritannien nach Belgien und über die Balgzand-Bacton-Pipeline von den Niederlanden auf die britische Insel nahezu gegen Null. Kontinental-Europa kann die Lieferungen aus Großbritannien nicht mehr aufnehmen, weil der Kontinent mit Volumina aus den Take-or-pay-Verpflichtungen überschwemmt wird. Umgekehrt funktioniert der Gas-Abfluss von Kontinental-Europa nach Großbritannien nicht mehr, da unentwegt LNG-Tanker an den britischen Terminals anlanden.

Mit einem ersten Kälteschub Mitte Oktober zogen die Spotnotierungen an und Marktteilnehmer deckten sich kurzfristig mit Positionen ein. Die Erholung war allerdings nur von kurzer Dauer. Die Stimmung trübte sich bei mildem Wetter nach der Prognose der Internationalen Energieagentur im November erneut ein. Das Pariser Institut ging in seinem „World Energy Outlook" von einer anhaltenden Überversorgung der Märkte mit Gas in den kommenden Jahren aus. Das liege an einer rückläufigen Gasnachfrage, einer steigenden Gasproduktion aus unkonventionellen Ressourcen in den USA und einer großen Verfügbarkeit an LNG. Im November schwankten die Day-Ahead-Preise um die Marke von 10,00 Euro/MWh und mußten zum Ende des Monats weitere Verluste hinnehmen. Die Ausspeichersaison startete noch nicht, da die Marktteilnehmer aufgrund des sehr günstigen Preisniveaus dazu übergegangen waren ihren Gasbedarf auf den Großhandelsmärkten zu decken. Das könnte allerdings im kommenden Sommer 2010 zu einem erneuten Angebotsüberhang führen, da in der traditionellen Einspeichersaison im Sommer kein Platz in den Lagerstätten wäre. Anfang Dezember festigte sich das Preisniveau im Kurzfristbereich zwischen 9,00 und 10,00 Euro/MWh. Zunehmend wurde Gas aus den Speichern auf dem Markt zum Kauf angeboten.

Das derzeitige fundamentale Bild mit über dem Jahresmittel liegender Temperaturen, komfortabler Versorgungslage, andauernder Anlandung von LNG-Tankern und hohen Speicherbeständen spricht kurz- bis mittelfristig für weiterhin niedrige Großhandelspreise, erläutert Holger Fleckenstein, Analyst bei der Düsseldorfer Centrica Energie GmbH.

Terminmarkt hält sich im ersten Halbjahr

Im Gegensatz zum Auf und Ab des Spotmarktes hielten sich die Langfristkontrakte lange über der 20,00 Euro-Hürde. „Der Terminmarkt hat sich von Januar bis Juni sehr fest gezeigt", so Meyer von FSE. Viele Marktteilnehmer gingen davon aus, dass die Notierungen am langen Ende nicht so starke Verluste wie die Kurzfristpreise hinnehmen müssen. Zu Jahresanfang wurde die Volatilität des Ölmarktes vom Gas-Terminmarkt nicht vollständig abgebildet. Die Marktteilnehmer agierten zurückhaltend und warteten auf eine Bodenbildung. Im Laufe der ersten Jahreshälfte gewannen bearishe Prognosen zur wirtschaftlichen Entwicklung die Oberhand. Die Preis-Korrelation zwischen dem Gas-Terminmarkt und dem Öl-Handel wird zusehends geringer und das lange Ende der Kurve orientiert sich, auch wegen der näher rückenden Fälligkeit, zunehmend am Spotmarkt. Die Umsätze werden merklich dünner, da die Unternehmen wegen des unattraktiven Preisniveaus ihr Gas horten.

Von Juli bis November rutschen die Langfristnotierungen dann unter die 20,00 Euro-Linie. Die Wirtschaftskrise war endgültig in der Realwirtschaft angekommen. Der größte Teil der Institute prognostiziert eine nachhaltige wirtschaftliche Belebung mit einer einhergehenden steigenden Nachfrage nach Energierohstoffen erst für 2010. Entsprechend wird die Abnahme von Gasmengen aus Verträgen mit Take-or-pay-Verpflichtungen auf einen späteren Zeitpunkt verschoben. Die Rückstellung der Gasabnahme wirkte sich wegen eines in den kommenden Monaten erwarteten möglichen Gasüberhangs bearish auf den Terminmarkt aus. Die meisten Marktteilnehmer rechnen erst im Herbst 2010 mit einer nachhaltigen Aufwärtsbewegung. Die Schwäche des Spotmarktes zerrt an den Langfristkontrakten - die steigenden Ölpreise konnten die Stimmung und das Preisniveau nicht mehr heben. „Die überraschendste Entwicklung war die Abkehr von der Preissetzungskraft von ölpreisgebundenen Formeln", führt Duranec von AET aus. Die Preiskorrelation zwischen Gas-Terminmarkt und Öl-Handel war 2009 stark rückläufig und fiel zeitweise in den Minusbereich. 

Centrica-Analyst Fleckenstein sieht deutliche Veränderungen im Gasmarkt. Auf Marktpreisen basierte Lieferverträge werden seiner Meinung nach definitiv an Bedeutung gewinnen, können die ölpreisgebundenen Verträge jedoch nicht vollständig verdrängen. Vielmehr ist davon auszugehen, dass aktive Marktplayer auf einen ausgewogenen Mix aus Markt- und Ölpreisbindung setzen und damit die Chancen beider Alternativen nutzen werden.


 
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Montag, 04.01.2010, 15:26 Uhr