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GASMARKT:
Gasspeicherboom in Ostfriesland
Der Oldenburger Energieversorger EWE AG baut sein früher vor allem für den eigenen Bedarf betriebenes Gasspeichergeschäft zur Dienstleistung in einer eigenständigen Gesellschaft aus.
 

„Speicher sind ein riskoreiches Geschäft. Doch wir fühlen uns dabei sehr sicher, weil wir unsere Salzstöcke recht gut kennen und auf lange Erfahrung zurückgreifen können", sagt Thomas Neuber, im EWE-Konzernvorstand zuständig für Energiehandel und Produktion. Die Oldenburger sind deshalb nach eigener Einschätzung eines von wenigen Unternehmen in Deutschland, die ein eigenständiges Speichergeschäft entwickeln können.

Vorstand Thomas Neuber erklärt stichhaltig, warum der Speicherbedarf zunimmt
Bild: EWE

Schon im Moment werden die EWE-Kapazitäten zu mehr als der Hälfte an Dritte vermietet. „Wir sind zu über 50 Prozent am Drittmarkt tätig und wollen diesen Anteil auf 70 Prozent ausbauen", erläutert Neuber. Der Bedarf an Speicherkapazitäten werde zunehmen, zeigt sich der EWE-Vorstand überzeugt.

Dafür sieht er mehrere Ursachen. „Wir müssen wegen der zurückgehenden Eigenproduktion mehr Gas importieren und das eingeführte Gas muss zwischengelagert werden." Außerdem könne man die norddeutschen Gasfelder, die in der Endphase der Produktion sind, nicht mehr so einfach bei Bedarf „hochziehen", weil sie sonst Schaden nehmen. Will heißen, ein schwankender Bedarf kann nicht mehr wie früher durch Hoch- und Herunterfahren der Produktion ausgeglichen werden.

Als dritten Treiber für den Speicherbau sieht er die seiner Meinung nach in den kommenden Jahren zunehmend erforderlichen Gaskraftwerke. Sie seien als sehr flexible Stromerzeuger eine „technisch und ökologisch sinnvolle Ergänzung" des Ausbaus der Erneuerbaren Energien. Um Gaskraftwerke und neue Gasspeicher werde die Energiewirtschaft trotz Laufzeitverlängerung nicht herumkommen, meint Neuber - auch wenn im Energiekonzept davon explizit wenig zu lesen sei.

Untergrunderfahrung seit mehr als 30 Jahren

Der Oldenburger Energieversorger EWE betreibt bereits seit Anfang der 1970er Jahre unterirdische Erdgasspeicher; so in Huntorf zwischen Oldenburg und Bremen, in Nüttermoor bei Emden und seit dem Engagement in Ostdeutschland nach der Wende auch in Rüdersdorf bei Berlin.

Von diesem 40 m hohen Turm aus dringen die Bohrer in Jemgum bis in 1 500 m Tiefe in den Salzstock ein
Bild: EWE

Als Speicherplatz genutzt werden Hohlräume, so genannte Kavernen, die in Salzstöcken angelegt werden. Der Salzstock wird dafür zunächst angebohrt. Durch das Bohrloch wird Wasser in die Tiefe gepumpt, das Salz auflöst und dadurch die Kaverne schafft. Das Wasser reichert sich bei diesem Prozess mit Salz an und wird abgepumpt. Die Kavernen sind bei einem Durchmesser von bis zu 100 m etwa 200 bis 450 m hoch.

Das Erdgas wird in diesen Hohlräumen unter hohem Druck gespeichert. In den 18 Kavernen in Nüttermoor finden dadurch bis zu 1,1 Mrd. m3 nutzbares Arbeitsgas Platz, in Huntorf 295 Mio. m3 in sechs Kavernen, und in Rüdersdorf 47 Mio. m3 in einer Kaverne.

Derzeit entsteht in Jemgum bei Emden ein neuer Speicher im selben Salzstock, den EWE schon in der wenige Kilometer entfernten Anlage in Nüttermoor nutzt. Die Oldenburger werden dort bis zu 500 Mio. Euro investieren. Parallel dazu baut die Kasseler Wingas GmbH in Jemgum einen Speicher mit 18 Kavernen.

„Wir haben seit dem Frühjahr acht Bohrungen abgeteuft, bei sechs davon werden bis November die Solarbeiten angelaufen sein", berichtet Neuber. „Ab dem Frühjahr 2013 wollen wir die Kavernen erstmals mit Gas befüllen." In den acht Kavernen wird Speicherplatz für etwa 300 Mio. m³ Arbeitsgas zur Verfügung stehen. Diese Kapazitäten sollen überwiegend an Dritte vermarktet werden.

Neue Möglichkeiten in Mecklenburg-Vorpommern

Der nächste neue EWE-Speicher könnte in Moeckow in Mecklenburg-Vorpommern gebaut werden. Im dortigen Salzstock, 20 km von Greifswald und der Anlandestelle der gerade entstehenden Gasimportpipeline durch die Ostsee entfernt, haben Probebohrungen eine geeignete Salzstruktur entdeckt. „Genehmigt ist noch nichts", bremst Neuber allzu forsche Erwartungen. Doch Moeckow sei ein Projekt, „das wir sehr positiv beurteilen".

Darüber hinaus denkt man in Oldenburger über Erweiterungen bestehender Speicher nach. Drei Kavernen in Nüttermoor werden bereits gesolt, Rüdersdorf könnte um drei Kavernen auf 200 Mio. m3 Arbeitsgaskapazität erweitert werden und in Jemgum sind für EWE insgesamt 15 Kavernen möglich.

Gefahr für das sich stetig entwickelnde neue Geschäft entdeckt Neuber nur von einer Seite: Es wäre wenig zielführend und investitionsfreundlich, wenn die EU und die Bundesregierung das Speichergeschäft in der momentanen Ausbauphase einer Kostenregulierung unterziehen würden, warnt der EWE-Vorstand. Er fügt aber gleich hinzu, dass er derzeit „keine Hinweise auf eine solche Kostenregulierung erkennen kann". Der EU gehe es mehr um den diskriminierungsfreien Zugang.

Zudem fordere das dritte Binnenmarktpaket, den Speicherbetrieb zu unbundeln. „Wir werden deshalb im nächsten Jahr eine eigenständige Speichergesellschaft gründen", kündigt Neuber an. Einen kleinen Seitenhieb auf die Bundesregierung, die sich mit der Umsetzung des Pakets trotz enger Fristen weiter Zeit lässt, will er sich nicht verkneifen. „Es wäre natürlich schön, wenn wir die rechtlichen Rahmenbedingungen dafür endlich mal kennen würden", merkt er an. An den Risiken, aber auch den Chancen des Speichergeschäfts wird das nichts ändern.


 
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Donnerstag, 21.10.2010, 16:03 Uhr