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GASMARKT:
Gazprom in Speicherlaune
Wie im Pipelinebau drängt der russische Gaskonzern Gazprom beim Ausbau der Speicherkapazitäten auf Expansion.
 

Ziel von Gazprom ist vor allem, mehr Flexibilität für Gasexporte ins Ausland und für Aktivitäten am Spotmarkt zu erreichen. In Europa will der russische Konzern seine Kapazitäten besonders in den Ländern ausbauen, in die das Gros seiner Gasexporte geht. Die Dimensionen sind durchaus beachtlich: Bei den Gesprächen, die der russische Konzern in verschiedenen europäischen Ländern und in der Türkei führt, geht es in Summe um zusätzlichen Speicherplatz für gut 13 Mrd. m3 Gas.

Westeuropas größter Untergrundspeicher im niedersächsischen Rehden dient auch Gazprom als Operationsbasis
Bild: Wingas

Auf russischem Territorium standen Gazprom 2008 insgesamt 25 unterirdische Gasspeicher zur Verfügung, in denen bis zu 65,2 Mrd. m3 nutzbares Arbeitsgas lagern können. Nach Angaben der Internationalen Gasunion (IGU) liegt Russland bei den Speicherkapazitäten nach den USA an zweiter Position. Die Amerikaner können in 389 Anlagen bis zu 110,7 Mrd. m3 Arbeitsgas lagern, die Russen kommen einschließlich der Kapazitäten für die langfristige strategische Reserve (30 Mrd. m3) auf über 95 Mrd. m3.

Neben den Reservoiren in Russland kann Gazprom auch Speicher in Lettland, Deutschland, Österreich und Großbritannien nutzen oder ist an Unternehmen beteiligt, die solche betreiben. Dazu zählen die deutschen Importeure Wingas und Verbundnetz Gas (VNG), die lettische Latvijas Gaze und das armenische Gemeinschaftsunternehmen ArmRosGazprom. Dahinter stehen Speicher mit Platz für 8,8 Mrd. m3 Arbeitsgas.

Etwa die Hälfte entfällt auf Westeuropas größten Untergrundspeicher im niedersächsischen Rehden (4,2 Mrd. m3), den Wingas betreibt. An Wingas ist Gazprom mit knapp 50 Prozent beteiligt. Die beiden Partner verfügen zudem über Kapazitäten im österreichischen Speicher Haidach (1,2 Mrd. m3) und wollen diese bis 2011 verdoppeln.

Widerstand gegen Neubau in England

Ein weiteres gemeinsames Projekt von Gazprom und Wingas ist der Bau eines Speichers in Saltfleetby an der englischen Ostküste. Hier soll ein ehemaliges Erdgasfeld in ein Zwischenlager für 750 Mio. m3 Gas umgebaut werden. Ende 2004 hatte Wingas das Erdgasfeld erworben. Der Genehmigungsprozess läuft seit Jahren, aber es kam immer wieder zu Einsprüchen gegen den Bau. Im Januar endete nach gut einem Monat die letzte öffentlich-rechtliche Anhörung. „Die Auswertung und den Bericht der Anhörung, auf dessen Basis das zuständige Ministerium seine Entscheidung treffen wird, erwarten wir in den nächsten Wochen", teilte Wingas im Februar mit. Man sei zuversichtlich, bis zum Sommer die Genehmigung für die Errichtung des Erdgasspeichers zu erhalten. In Großbritannien kann Gazprom zudem den Speicher Humbly Grove nutzen.

Auch über seine deutsche Tochter Gazprom Germania treibt der russische Energiekonzern mehrere Speicherprojekte in Europa voran. In Hinrichshagen in Mecklenburg-Vorpommern soll ein Zwischenlager für Erdgas aus der Ostseepipeline entstehen. Die IGU nennt eine Größenordnung von 1 Mrd. m3. Auch im niedersächsischen Etzel bei Emden soll Platz für Gas aus der Ostseepipeline geschaffen werden. Die IGU geht von einer möglichen Speicherkapazität von 500 Mio. m3 aus.

Mit der ostdeutschen VNG hat Gazprom Germania 2009 den gemeinsamen Bau des Speichers Katharina vereinbart und dafür die Erdgasspeicher Peissen GmbH gegründet. In einer Steinsalzlagerstätte in Sachsen-Anhalt sollen im Endausbau 600 Mio. m3 Arbeitsgas Platz finden.

Kapazitäten entlang der South-Stream-Route

Weitere Aktivitäten werden aus südosteuropäischen Staaten, die Gazprom in den nächsten Jahren über die neue Pipeline South Stream für Exporte erschließen will, gemeldet. Mit der serbischen Srbijagas hat Gazprom Germania im Februar ein Gemeinschaftsunternehmen zum Bau und Betrieb eines Speichers in Banatski Dvor gegründet. Die Russen sind mit 51 Prozent, Srbijagas ist mit 49 Prozent beteiligt.

Ende März soll bereits der erste Bauabschnitt abgeschlossen sein. Dann können in Banatski Dvor schon 470 Mio. m3 Gas eingespeichert werden. Im Endausbau sollen es 800 Mio. m3 sein.

Auch in Ungarn laufen Gespräche über den Anschluss an die South-Stream-Pipeline und zusätzliche Speicherkapazitäten. Gazprom und der ungarische Gaskonzern MOL vereinbarten bereits 2009, im Südosten Ungarns einen Speicher für 1,3 Mrd. m3 Gas zu erweitern und spätestens 2013 in Betrieb zu nehmen. An der Speichergesellschaft sind beide Partner zu je 50 Prozent beteiligt.

Ein weiterer Interessent für einen Anschluss an South Stream ist Rumänien. Im Wirtschaftsministerium in Bukarest ist von bis zu 6 Mrd. m3 möglichen Speicherkapazitäten die Rede.

Mit dem türkischen Energiekonzern Botas verhandelt Gazprom über eine Beteiligung am Projekt Tuz Gölü in Zentralanatolien. Botas will dort Speicherkapazitäten für 1 Mrd. m3 Arbeitsgas aufbauen.

Aber auch entlang der traditionellen Exportroute über die Ukraine, die Slowakei und Tschechien sondiert der russische Konzern die Möglichkeiten. Bereits 2008 hatten Gazprom Export und die tschechische MND Gas Storage eine Absichtserklärung zum Bau eines Untergrundgasspeichers mit einer Gesamtkapazität von 500 Mio. m3 in Damborice unterschrieben. Im November 2009 verhandelten die Russen in der Slowakei über Speichermöglichkeiten.

 


 
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Mittwoch, 24.02.2010, 08:40 Uhr