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Enerige & Management > Stadtwerke - Gera bleibt kein Einzelfall
Bild: Fotolia.com, nmann77
STADTWERKE:
Gera bleibt kein Einzelfall
Vor schwerwiegenden wirtschaftlichen Schwierigkeiten sieht eine aktuelle Studie 180 von 500 untersuchten Stadtwerken.
 
Kostenkontrolle, Konzentration aufs Kerngeschäft und Erschließen neuer Geschäftsfelder: Mit diesen Steuerinstrumenten könnten mehr als ein Drittel der bundesdeutschen Stadtwerke künftig eine Insolvenz abwenden, meint Torsten Henzelmann. Der Energiefachmann der Unternehmensberatung Roland Berger stellte beim Enercity-Dialog der Stadtwerke Hannover Anfang Juli eine noch unveröffentlichte Studie vor, nach der bis 2020 etwa 180 von 500 untersuchten Stadtwerken in ihrer Existenz bedroht sind. Die Expertenveranstaltung stand unter dem Motto: „Die Zukunft der Stadtwerke: Kapazitätsmärkte – Chancen und Risiken“.

Die Roland-Berger-Berater hatten sich die Geschäftsberichte von 500 Stadtwerken angeschaut: Umsatz, Renditen, Investitionen und Kapitaldienst, aber auch Produktivität, Netzumfang und konventionelle Erzeugungskapazität wurden miteinander verglichen. Die Datenauswertung ergab, dass Stadtwerke bereits zwischen 2004 und 2012 etwa 30 Prozent ihrer Vorsteuergewinne verloren hätten.
Bei Eon, RWE, EnBW und Vattenfall lägen die Einbußen im Schnitt bei 36 Prozent. Setze sich diese Kurve fort, würden die Energieversorger bis 2022 bis zu 60 Prozent ihrer Gewinne verlieren. „Ein weiter so führt in die ökonomische Sackgasse“, warnte Henzelmann.

Denn viele Unternehmen hätten auf die Kostenseite bisher nicht reagiert. Wer heute eine zu niedrige Eigenkapitalquote und zu wenig Effizienz habe, der werde nicht in die Zukunft investieren können. Und er laufe Gefahr, auch keine Kredite mehr zu bekommen. Denn Banken schauten auf die Kennzahlen.

Kleinere Stadtwerke profitabler als große

„Fälle wie Gera werden wir noch häufiger sehen“, verwies Henzelmann auf die kürzlich bekannt gewordene Insolvenz der dortigen Stadtwerke. Und Gera sei bei der Bewertung der von Roland Berger untersuchten Unternehmen keineswegs auf einem der letzten Plätze gelandet. Weitere Unternehmensnamen nannte Henzelmann nicht. Der Berater erklärte lediglich, dass kleine Stadtwerke in der Regel profitabler seien als größere, allerdings häufig nicht so effizient arbeiteten.

Er vertrat auch die Meinung, dass die Politik in Berlin genug Sicherheit für die Unternehmen geschaffen habe, das Energiemarktdesign jedoch von gestern sei. „Damit werden wir nicht gewinnen.“

Harald Noske, Technikvorstand der Stadtwerke Hannover, nahm den Ball auf. Von Kommunen und Bürgern gebe es weiter Forderungen nach möglichst kostenlosen Leitungen von Stadtwerken, schilderte er die besondere Situation von kommunalen Unternehmen. Noske hält es für möglich, dass sich Stadtwerke in den nächsten zehn Jahren entscheiden, zur reinen Daseinsvorsorge zurückzukehren, bei der es nicht auf Gewinn ankommt.

Deutliche Forderung nach Kapazitätsmarkt

Die aktuelle Situation auf dem Energiemarkt hält Hannovers Technikvorstand jedoch für unbefriedigend. „Wenn die Energieversorgung künftig immer mehr volatil auf Wind und Sonne beruhen soll, dann brauchen wir Ersatzsysteme, die nur für ihre Verfügbarkeit bezahlt werden – wie etwa die Feuerwehr“, forderte Noske. Er kritisierte damit auch Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD), der beim BDEW-Kongress Ende Juni in Berlin „Hartz IV für Kraftwerke“, also einen Kapazitätsmarkt im Sinne von „nicht arbeiten, aber Geld verdienen“, erneut abgelehnt hatte.

Johannes Kempmann, Vorstand der Städtischen Werke Magdeburg und frisch gewählter BDEW-Präsident, sagte zur Strategie seines Unternehmens: „Wir sind Daseinsvorsorger, vor allem auch im Wasser- und Abwasserbereich.“ Doch im Energiegeschäft stehe das Unternehmen im Wettbewerb, und da könne es keine Zusatzleistungen draufpacken.

Kai Uwe Krauel vom Braunschweiger Versorger BS Energy spitzte die Diskussion über die Rolle der Stadtwerke noch etwas zu. „Sind wir morgen noch Manager oder sind wir für die Bürger da?“, fragte er etwas provokant. Versorger bauten Gaskraftwerke, investierten in erneuerbare Energien, und böten Energiedienstleistungen an. Doch was immer sie täten − die Ergebnisse gingen nach unten, brachte er die aktuelle Lage auf den Punkt.

Am Schluss waren sich die Experten jedoch einig: Die meisten Stadtwerke werden überleben und den Prozess aktiv mitgestalten. Henzelmann sieht das Netz dabei als „Profitpool der Zukunft“.

 
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Donnerstag, 10.07.2014, 13:27 Uhr