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Enerige & Management > Gasnetz - Große Herausforderung Wasserstoff
Bild: CDuschinger/shutterstock
GASNETZ:
Große Herausforderung Wasserstoff
Die Fernleitungsnetzbetreiber müssen im nächsten Netzentwicklungsplan bis 2030 mit erneuerbarem Wasserstoff planen.
 
Die Erdgas-Netzentwicklungspläne dienen als Orientierung, was an Leitungen neu gebaut oder erhalten werden muss. Derzeit laufen die Planungen der Fernleitungsnetzbetreiber (FNB) für die nächste Dekade bis 2030. Die große Herausforderung dabei: Erneuerbarer Wasserstoff, wie ihn Bundesregierung und EU vermehrt fordern, muss in die Netze integriert werden. Die Alternative dazu ist die Installation eines eigenen Leitungssystems.

Bis zum 28. August liefen die Konsultationen für den derzeitigen Netzentwicklungsplan Gas 2020 bis 2030 (NEP), der Vorgaben des Energiewirtschaftsgesetzes und der Gasnetzzugangsverordnung erfüllen muss. Dabei kristallisieren sich mehrere Eckpunkte heraus. Sie fußen unter anderem auf zwei Modellierungsvarianten, die zum einen die Maßnahmen ermitteln, die für die Entwicklung der Erdgasnetze relevant sind (die sogenannte Basisvariante), und die es zum anderen ermöglichen, über den Bedarf und die Entwicklung von Wasserstoffnetzen diskutieren zu können (die sogenannte Grüngasvariante).

Diskussion um die Dimensionierung eines Wasserstoffnetzes

Der Plan bildet die Grundlage für die Diskussionen um die Dimensionierung eines Wasserstoffnetzes. Er kann ein „erster Schritt hin zu einem nationalen und perspektivisch europäischen Wasserstoffnetz“ sein, heißt es im Netzentwicklungsplan. Denn wenn wirklich vermehrt grüner oder blauer Wasserstoff produziert wird, muss er in bestehende Netze integriert werden: Das ist aber nur zu einem geringen Prozentanteil möglich. Bei größeren Mengen sind deswegen eigene Netze für das Wasserstoffgas nötig.

Die Abweichungen zum letzten Gasnetzentwicklungsplan, der für die Jahre 2018 bis 2028 erstellt wurde, ergeben sich aus Investitionen zur umfassenderen Versorgung in Baden-Württemberg, aus der Anbindung von Anlagen zum Einspeisen von verflüssigtem Erdgas (LNG), aus Ausbaumaßnahmen für grüne Gase und aus der besseren Versorgungssicherheit der Niederlande.

Erstmalig haben die FNB mögliche Kosten für die marktbasierten Instrumente im Rahmen der zukünftigen Marktgebietszusammenlegung den Kosten eines möglichen Netzausbaus gegenübergestellt. In der Tabelle sind die Kosten für den Einsatz von marktbasierten Instrumenten zusammengefasst.

Zuständigkeit für Wasserstoffnetze noch offen

Anfang August trafen sich die Beteiligten zu einem Workshop. Dabei traten nach Angaben eines Sprechers der Bundesnetzagentur (BNetzA) keine grundsätzlich neuen Aspekte auf. Diese könnten sich aber noch im Rahmen der schriftlichen Konsultation ergeben.

Die Details der Wasserstoffnetze sind noch strittig. Derzeit ist keineswegs klar, ob Wasserstoffnetze ebenfalls reguliert werden. Zur Regulierungsfrage läuft durch die BNetzA eine eigene Konsultation bis zum 4. September. Die Netzbetreiber befürworten hier eine rasche Anpassung des rechtlichen und regulatorischen Rahmens mit dem Ziel, die Wasserstoffnetze ebenfalls der Regulierung der BNetzA zu unterstellen.

Der europäische Verband der unabhängigen Strom- und Gasverteilerunternehmen, Geode, fordert Ähnliches und will ebenfalls die zukünftige Wasserstoffinfrastruktur aus den bestehenden Erdgasnetzbetreibern heraus entwickeln. Nur so ließen sich vorhandene Assets und der Cashflow aus dem Erdgasgeschäft für eine volkswirtschaftlich verträgliche Transformation hin zu sauberen Gasen nutzen. Deswegen sei für Wasserstoff der gleiche Regulierungsrahmen wie für Erdgas notwendig.

Deshalb hätten die FNB, so der Sprecher der Netzagentur, in ihren Ausbauvorschlag sämtliche Maßnahmen aus der Grüngasvariante mit aufgenommen. Da diese nach derzeit geltendem Recht nicht der Regulierung unterlägen, seien die Maßnahme auch nicht Regelungsgegenstand des NEP Gas 2020-2030 und dürften nach jetzigem Stand nicht in den Ausbauvorschlag aufgenommen werden.

In der Grüngasvariante des Netzentwicklungsplans wird für 2030 unterstellt, dass die FNB ein Wasserstoffnetz realisieren, in das Elektrolyseure mit einer Leistung von 3 GW elektrisch einspeisen. 1,4 GW ergeben sich aus gemeldeten Einspeiseanfragen der Grüngasprojekte. Weitere 1,6 GW werden regionalisiert nach der im Szenariorahmen Strom 2019–2030 (Szenario B 2030) angenommenen landkreisscharfen Elektrolyseleistung.

Zum Vergleich: Die Nationale Wasserstoffstrategie hat das Ziel, Erzeugungsanlagen von bis zu 5 GW Gesamtleistung für 2030 zu installieren. Diese Abweichungen lassen sich laut Bundesnetzagentur dadurch erklären, dass der Szenariorahmen schon 2019, also vor Veröffentlichung der Nationalen Wasserstoffstrategie, erstellt wurde. Auch ist nicht gesagt, dass sämtliche in der Strategie angenommenen Elektrolyseure tatsächlich in das von den Netzbetreibern vorgeschlagene Wasserstoffnetz einspeisen.

Die Wasserstoffbilanzierung ist schwierig

Der Wasserstoff könne auch vor Ort direkt verwendet werden oder in lokalen Netzen verbleiben wie den nicht durch die BNetzA regulierten Verteilnetzen. Da derzeit die Maßnahmen aus der Grüngasvariante generell nicht in den NEP Gas mit aufgenommen werden könnten, besteht hier zunächst auch kein Nachsteuerungsbedarf. Bei der Erstellung des nächsten Szenariorahmens müssten aber die Zielsetzungen aus der Nationalen Wasserstoffstrategie Berücksichtigung finden.

Die derzeitigen Rückläufe der Stellungnahmen, die bis zum 28. August liefen (und nach Redaktionsschluss nicht eingearbeitet werden konnten), lassen keine gravierenden Änderungen erkennen. Doch selbst wenn es noch welche gäbe − in der Vergangenheit führte dies nie zu großen Abweichungen an den bereits festgelegten Planungen. Anfang 2021 soll das Verfahren abgeschlossen sein und ein neuer Netzentwicklungsplan bis 2030 vorliegen. E&M

Tabellen:
 
Netzausbauvorschlag der Fernleitungsnetzbetreiber bis Ende 2030
  Erdgas Grüne Gase Summe
Verdichterleistung in MW 405 0 405
Leitungen in km 1.594 1.294 2.888
– davon Neubau 1.594 151 1.746
– davon Umstellung 0 1.142 1.142
Investitionen* in Mrd. Euro 7,8 0,7 8,5
* inkl. Gas-Druckregelanlagen, Armaturenstationen und sonstige Anlagen

Quelle: Fernleitungsnetzbetreiber

 

Kosten für den Einsatz von marktbasierten Instrumenten
  2021-2022 2023-2024 2025-2026 2030-2031
Mio. Euro        
Maximales Szenario 2,9 23,9 27,6 68,3
Mittelwert Szenarien 0,6 6,2 5,8 23,2
Minimales Szenario 0,1 1,1 1,1 7,6

Quelle: Fernleitungsnetzbetreiber

 
Die Bundesnetzagentur koordiniert die Konsultationen zum Netzentwicklungsplan Gas 2020 bis 2030
Bild: BNetzA




 

 
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