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Enerige & Management > Regenerative - Grün allein zieht nicht mehr
Bild: Fotolia.com, Jürgen Fälchle
REGENERATIVE:
Grün allein zieht nicht mehr
Auf dem deutschen Ökostrommarkt, dem auch im Jahr 2014 die große Wachstumsdynamik fehlte, setzt sich die Kundensegmentierung weiter fort.
 
Es war wohl die wichtigste Erkenntnis der diesjährigen E&M-Ökostromumfrage: Wenn sich Bundesbürger für ein Grünstromprodukt entscheiden, dann soll es bitteschön nicht viel kosten. Mit ExtraEnergie, eprimo und Stromio platzierten sich zum ersten Mal gleich drei Discounter unter den Top Ten der größten Anbieter. Während sich dieses Trio über durchaus nennenswerte Zuwächse freuen konnte, stagnierte der Gesamtmarkt weiterhin – und das immerhin schon seit dem zweiten Halbjahr 2011. Zur Erinnerung: Nach dem Gau von Fukushima hatte es einige Woche lang einen Ökostrom-Hype gegeben, der sich - so schnell er kam - auch wieder verflüchtigt hatte. Seit jenen Tagen laufen die Geschäfte der Premiumanbieter, die immer mehr wollten, als nur grüne Kilowattstunden liefern, mit gebremster Dynamik.

Mitte November war auf dem digitalen Zählwerk, das jeder Besucher im Eingangsbereich von LichtBlick passiert, die Zahl von knapp 489 000 Privatkunden zu lesen. „Das heißt, das wir real wieder mehr Kunden gewinnen“, freut sich Geschäftsführer Gero Lücking, „hinter uns liegen drei Jahren, die durch Seitwärtsbewegungen und Kundenverluste im Saldo geprägt waren.“ Da LichtBlick für das kommende Jahr zum zweiten Mal hintereinander die Preise senkt, hofft Lücking, dass die Trendwende anhält.

Preissenkungen können die Elektrizitätswerke Schönau ihren Kunden für das kommende Jahr nicht anbieten. „Angesichts der vor allem im Süden spürbar gestiegen Netzentgelte sind wir froh, die Preise stabil zu halten“, sagt EWS-Geschäftsführer Sebastian Sladek. Was sich wohl auch beim Kundenzuwachs widerspiegeln wird. In den vergangenen Jahren hatten die Schönauer in der Regel zwischen 8 000 und 12 000 Neukunden gewinnen können. „Dieses Jahr bewegen wir uns eher an der unteren Grenze“, sagt Sladek, der sich über einen zunehmend unfairer werdenden Wettbewerb beklagt: „Die Zahl der Anbieter, die Kunden von uns per Telefon-Akquise abwerben, nimmt zu.“

Hoffen auf neue Verordnung

Diese Vertriebsmethoden hat die ExtraEnergie nicht nötig. Das Unternehmen aus Neuss, das sich mit deutlich mehr als eine Million Privatkunden bei der diesjährigen E&M-Ökostromumfrage an die Spitze setzte, spricht von 2014 als einem „sehr erfolgreichen Jahr“ - sowohl gemessen an den Finanz- als auch an den Kundenzahlen. Dieses Wachstum solle im nächsten Jahr dank neuer Vertriebskanäle sowie neuer Kooperationen, beispielsweise mit Fluggesellschaften und Fernsehsender, fortgesetzt werden. „Auch im Jahr 2015 setzen wir weiterhin auf preiswerte Angebote mit Ökostrom“, heißt es aus Neuss.

Ob und in welchem Umfang eprimo im kommenden Jahr seine Preise senkt, will auch Geschäftsführer Gemmel nicht verraten. Den Online-Stromdiscounter im RWE-Konzern sieht Gemmel jedenfalls für die nächsten Jahren mit über einer Million Kunden gut aufgestellt: „Wir gehen davon aus, dass wir 2017 die 500 000-Kunden-Grenze allein bei Ökostrom und Ökogas erreichen.“ Einen wichtigen Zwischenschritt konnte eprimo mit dem Gewinn von rund 50 000 neuen Kunden bereits bis Ende September machen, womit das Unternehmen mittlerweile über 340 000 Haushalte mit Grünstrom beliefert.
Die Entwicklungen, die 2013 zu beobachten waren, haben sich anscheinend auch in diesem Jahr auf dem deutschen Ökostrommarkt fortgesetzt. Was Robert Werner, Geschäftsführer der Hamburg Institut Consulting GmbH, nicht weiter verwundert: „Diese Kundensegmentierung ist nicht erst seit gestern zu beobachten, was meines Erachtens damit zu tun hat, dass nach wie vor noch nicht geklärt ist, welche Rolle der Ökostrom bei der Energiewende ausfüllen soll.“

Werner, als langjähriger Geschäftsführer von Greenpeace Energy, Intimus des Ökostrommarktes, setzt auf zwei Entwicklungen für die kommende Monate: Bei den Zertifizierungen zeichnet sich der Trend ab, dass nicht mehr allein die Ökostromprodukte, sondern der Anbieter selbst unter die Lupe genommen wird. Der TÜV Süd hat mit einem neuen Siegel Ende Oktober den Anfang gemacht, ok power-Label wird im nächsten Frühjahr seinen neuen Kriterienkatalog vorstellen. Werner: „Das schafft auf jeden Fall mehr Transparenz und unterstützt die Kunden, die mit ihrem Grünstrombezug die Energiewende unterstützen wollen.“

Hoffnungen auf einem Aufschwung im Grünstrombereich verbindet er mit der für kommenden Sommer erwarteten Verordnung, mit der deutscher EEG-Ökostrom wieder direkt an die Endkunden geliefert werden kann. Diesen Vertriebsweg hatte die Bundesregierung mit dem Wegfall des Grünstromprivilegs verbaut. „Damit können Kunden den Strom vom Windrad wirklich vom Feld nebenan geliefert bekommen, was vielerorts immer mehr gewünscht wird.“ Das schaffe endlich die Brücke zwischen dem Erneuerbare-Energien-Gesetz und dem Ökostromvertrieb, wie er im Energiewendezeitalter aufgestellt sein müsse.

 
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Donnerstag, 18.12.2014, 10:27 Uhr