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Enerige & Management > Bilanz - Hambi bleibt, aber RWE will mehr Kohle
Bild: Fotolia.com, Rynio Productions
BILANZ:
Hambi bleibt, aber RWE will mehr Kohle
Der RWE-Konzern setzt erste Duftmarken für die finanzielle Entschädigung seiner Braunkohlekraftwerke. Den Erhalt des umstrittenen Hambacher Forstes will das Unternehmen "prüfen" lassen.
 
Das große Geschachere ist eröffnet: Vor großem Publikum, sprich der diesjährigen Bilanzpressekonferenz, platzierte RWE-Vorstandschef Rolf Martin Schmitz ein ganz großes Preisschild: Für die demnächst im Rheinischen Revier stillgelegten Braunkohlekraftwerke erwarte er, „dass die Entschädigungen bei mindestens dem Doppelten der Sicherheitsbereitschaft liegen müssen“.

In absoluten Zahlen bedeutet diese Forderung zwischen 1,2 und 1,5 Mrd. Euro je 1 000 MW Kraftwerksleistung. Eine Begründung für diese hohe Kompensation lieferte er gleich mit: „Anders als noch bei der Sicherheitsbereitschaft sind jetzt auch Tagebaue betroffen, so dass weitere Stilllegungen von Kraftwerken in der Braunkohle unmittelbare Auswirkungen auf das Tagebausystem haben.“
 
Bleibt der Hambacher Forst erhalten? Jüngste Äußerungen
von RWE-Chef Rolf Martin Schmitz deuten in diese Richtung
Foto: Wikipedia/Marica Vitt


Die Entschädigungssumme selbst hatte Schmitz bereits im Februar öffentlich genannt, ein großer medialer Widerhall blieb aber aus. Das dürfte sich nun ändern, da es Mitte dieser Woche ein erstes „Abtasten“ zwischen Vertretern des Bundeswirtschaftsministeriums und dem RWE-Konzern zum geplanten Fahrplan zum Kohleausstieg gegeben hat.

Immerhin bringt Schmitz auch eine Morgengabe mit: Der Essener Energiekonzern erwägt, den Empfehlungen der Kohlekommission zu folgen, und prüft nun, den umkämpften Hambacher Forst nicht abzuholzen. Genau in diesem Punkt hatte sich Schmitz im vergangenen Jahr noch als Hardliner gezeigt. Das hatte zu reichlich Kratzern an der Reputation des RWE-Konzerns geführt, der nach dem Deal mit dem Eon-Konzern zur Aufspaltung von Innogy gerade dabei gewesen war, sich als zunehmend ergrünter Energieversorger zu präsentieren.

„Wir werden prüfen, was technisch mit Blick auf Standsicherheit, Rekultivierung und Wasserwirtschaft möglich ist“, kündigte Schmitz bei der Bilanzpressekonferenz an. Dazu bedürfe es aber nach seinen Worten einer grundlegend neuen Braunkohleplanung. Denn es müssten Millionen Tonne Erde und Tausende Lastwagen für eine Rekultivierung bewegt werden. „An der wirtschaftlichen und betriebswirtschaftlichen Sinnhaftigkeit, den Hambacher Forst zu erhalten, zweifele ich nach wie vor, aber Symbole haben eben ihren Preis“, so Schmitz. Keine Zweifel gibt es aber daran, dass Schmitz RWE durch sein „Nachgeben“ in der Causa Hambacher Forst in eine bessere Verhandlungsposition um die demnächst zu verhandelnden Entschädigungsgelder für die Braunkohlekraftwerke bringt.

Seine Statements nutzte Schmitz, um viel von der „neuen RWE“ zu sprechen, die demnächst – nach Übernahme der regenerativen Energiensparten von Eon und Innogy – zu einem „global führenden Unternehmen im Geschäft mit erneuerbaren Energien“ wird. Sichtlich zufrieden zeigte sich Schmitz deshalb, dass die Eon-Mannschaft in den vergangenen Monaten eine Reihe von grünen Kraftwerken an den Start gebracht beziehungsweise so weit entwickelt hat, dass mit der Inbetriebnahme demnächst zu rechnen ist. Nach der im vergangenen Frühjahr geschlossenen Vereinbarung fließen all diese Projekte, die seit Anfang 2018 begonnen wurden, ins RWE-Portfolio: „Wir sind sehr erfreut, dass es nach unserer Vereinbarung mit Eon keinen Abbruch bei deren regenerativen Aktivitäten gegeben hat.“

Schmitz wiederholte seine Ankündigung, dass die neue „RWE Renewables“ ab 2020 jährlich an die 1,5 Mrd. Euro in neue grüne Erzeugungseinheiten investieren wird. Damit sollen zwischen 2 000 und 3 000 MW erneuerbarer Kapazitäten jedes Jahr geschaffen werden. Bei diesem Geldsegen wird das „Energiewendeland“ Deutschland wohl leer ausgehen: „Es gibt hierzulande einfach keine attraktiven Projekte.“

Wofür der RWE-Chef die Umweltverbände mitverantwortlich machte. Er verwies auf den Bundesverband Windenergie, der beklagt, dass 80 % aller geplanten Windparks viel zu lang durch Gerichtsverfahren verzögert würden: „Daran sind die Umweltverbände nicht unschuldig“, so Schmitz. Und weiter: „Es funktioniert einfach nicht, wenn man gleichzeitig gegen Kohle ist, gegen Windräder, gegen neue Netze, eigentlich gegen alles.“ Was wie verkehrte Welt klingt: Deutschlands oberster Braunköhler geißelt die Umweltverbände.

Eher schmückendes Beiwerk waren die Geschäftszahlen auf dieser Bilanzpressekonferenz. Der Gewinn (Ebitda) sank um 28 % auf 1,5 Mrd. Euro, für dieses Jahr ist beim Ebitda eine Bandbreite zwischen 1,2 und 1,5 Mrd. Euro angestrebt.

Dagegen können sich die Aktionäre freuen: Für 2018 soll es eine Dividende von 70 Cent je Aktie geben, für 2017 waren 50 Cent plus 1 Euro Sonderdividende je Anteilsschein ausgeschüttet worden. Insgesamt überweist RWE so 85 Mio. Euro an seine kommunalen Anteilseigner, die nach wie vor mit rund 20 % am Energiekonzern beteiligt sind. Finanzvorstand Markus Krebber zeigte sich zufrieden mit den „guten operativen und finanziellen Ergebnissen“, was auch vom Kapitalmarkt goutiert würde: „Bereits zum zweiten Mal nacheinander lag die RWE-Aktie 2018 in den Top 3 im Dax.“
 

 
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Donnerstag, 14.03.2019, 15:58 Uhr