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Enerige & Management > Stahlherstellung - Hamburg sucht den grünen Wasserstoff
Bild: Fotolia
STAHLHERSTELLUNG:
Hamburg sucht den grünen Wasserstoff
Die Hansestadt beschwört die Chancen des grünen Wasserstoffs. Doch noch fehlen konkrete Entscheidungen. Der Stahlkonzern Arcelor Mittal kündigt derweil den Bau eines Elektrolyseurs an.
 
Hamburg sieht im grünen Wasserstoff eine große Chance. Wirtschaftssenator Michael Westhagemann (parteilos) hatte schon vor Zeiten den Bau eines großen Elektrolyseurs im Hafen angekündigt.

Auch propagiert er den Umbau eines Blocks des Kohlekraftwerks Moorburg von Vattenfall zu einer Wasserstofferzeugungsanlage. Nun könnte diese Idee mit der Ankündigung der Schweden, das Kohlekraftwerk an der Süderelbe stillzulegen, zwar Dynamik aufnehmen. Doch einen Pressetermin rund um grünen Wasserstoff in Hamburg sagte der Senator kurzfristig ab.

Dafür wird Arcelor Mittal konkret. „Ob es in Hamburg künftig eine große zentrale oder mehrere dezentrale Wasserstoffproduktionen geben wird – wir planen bei uns eine 50-Megawatt-Elektrolyse für grünen Stahl aufzubauen“, sagte Uwe Braun, Sprecher der Geschäftsführung.

Dafür baut der größte Stahlerzeuger eine Demonstrationsanlage zur Direktreduktion von rund 100.000 Tonnen sogenannten Eisenschwamms mit Wasserstoff statt Erdgas. Insgesamt produziert der Konzern am Standort mehr als 600.000 Tonnen des Roheisens als Basis seines Stahls. Zwar emittiere die Direktreduktion im Vergleich zum in der Branche gängigen Hochofenverfahren nur halb so viel CO2. Mit 800 Kilogramm pro Tonne Stahl ist das aber immer noch reichlich.

„Mit der neuen Technologie können wir auf 100 Kilogramm kommen. Das nenne ich dann grünen Stahl“, so Braun. Der wäre allerdings deutlich teurer als grauer. Man läge mit 100 Prozent Wasserstoff bei drei Euro pro Kilo. Mit Erdgas koste uns das einen Euro. „Das bezahlt uns niemand“, erklärte Braun. 

Die Nachfrage für Ökostahl sei bei Großabnehmern wie der Automobilindustrie nicht vorhanden. Deshalb werde es ohne politische Unterstützung nicht gehen. Für die Grünstahlproduktion in Hamburg investiert Arcelor Mittal rund 110 Millionen Euro. Für rund die Hälfte könnte es Fördermittel geben.

Aber auch der laufende Betrieb bräuchte einen Anreiz wie etwa die in Diskussion stehenden Differenzkontrakte für CO2. Um den 50 MW starken Elektrolyseur mit grünem Strom versorgen zu können, wäre die Leistung von 22 Offshore-Windkraftanlagen mit 5 MW nötig, rechnet Braun vor. Um das gesamte Werk auf grünen Wasserstoff umzustellen, stiege der Bedarf auf mehr als 1.000 MW.

 
Grüner Wasserstoff statt Erze: Wo Stahlriese Arcelor Mittal in Hamburg bisher seine Rohstoffe lagerte, soll künftig ein Elektrolyseur für grünen Wasserstoff entstehen
Bild: E&M, Oliver Ristau



Raffinerie Heide: 700-MW-Elektrolyseur für grünen Wasserstoff

Auch 100 Kilometer weiter nordwestlich ist die Nachfrage groß. Dort plant die Raffinerie in Heide im Rahmen des Wasserstoff-Reallabors Westküste100 im Endausbau einen Elektrolyseur mit 700 MW. Der bräuchte dafür die Leistung eines Offshore-Windparks mit 900 MW, sagt Geschäftsführer Jürgen Wollschläger. Los geht es mit einem Elektrolyseur mit 30 MW. Unter anderem soll der grüne Wasserstoff dazu dienen, synthetisches Kerosin für den Flughafen Hamburg zu liefern.

„Geplant ist bis 2024 ein Anteil von fünf Prozent“, so Wollschläger. Außerdem soll der grüne Wasserstoff den grauen ersetzen, den Heide bisher an die Chemie- und Ölindustrie in Brunsbüttel liefert. 

Auch die Dithmarscher machen der nationalen Politik Druck. So müsse die neue Europäische Erneuerbare-Energien-Richtlinie RED II zügig in nationales Recht umgesetzt werden. „Nur dann können wir den grünen Wasserstoff auf unsere Quoten anrechnen. Das ist wichtig für die Wirtschaftlichkeit.“ Berlin und Hamburg bleiben also gefordert, in Bälde beim grünen Wasserstoff für die Industrie konkret zu werden.
 
Künftig soll die Windenergie grünen Wasserstoff für Heide liefern
Bild: Raffinerie Heide


 

 
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