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Enerige & Management > Interview - Heine:  "Man sollte an die vermiedenen Netzentgelte herangehen"
Bild: Fotolia.com, iQoncept
INTERVIEW:
Heine: "Man sollte an die vermiedenen Netzentgelte herangehen"
Die Enso Netz GmbH mit Sitz in Dresden betreibt in Ostsachsen ein Stromverteilnetz mit rund 20 000 km Länge. E&M sprach mit dem Geschäftsführer Steffen Heine über die regionalen Herausforderungen durch die Energiewende.
 
E&M: Herr Dr. Heine, momentan stehen die Probleme beim Ausbau der großen Stromübertragungstrassen im öffentlichen Fokus. Fühlen Sie sich als Verteilnetzbetreiber da im Hintertreffen?

Heine: Nein. Die Übertragungsnetze sind ja sozusagen das Rückgrat der Stromversorgung. Wir freuen uns darüber, dass unsere Verteilnetzthemen in den letzten Monaten besser adressiert wurden, siehe die Verbesserung der Investitionsbedingungen auf der Hochspannungsebene. Es hilft uns sehr, dass wir hier nun ohne Zeitverzug die Investitionen in die Erlösobergrenze einrechnen können. Allerdings müsste dies auch bei der Mittel- und Niederspannungsebene geschehen, wo die meisten Photovoltaikanlagen angeschlossen werden. Das wird auch von den Landesregulierungsbehörden unterstützt.

E&M: Wie stellt sich das für die Enso Netz dar?

Heine: Wir haben den großen Berg von Neuanschlüssen 2011/2012 gut bewältigt. Da haben wir pro Jahr mehr als 1 500 neue EEG-Anlagen angeschlossen. Mit der letzten EEG-Reform hat sich die Lage konsolidiert. Aber selbst 1 000 Neuanschlüsse pro Jahr sind viel.

E&M: Für die Hochspannungsebene haben die ostdeutschen Verteilnetzbetreiber einen gemeinsamen Netzausbauplan erarbeitet. Was war die Motivation dafür?

Heine: Wir wollten den konkreten Netzausbaubedarf definieren und den politisch Verantwortlichen eine validierte Größenordnung aufzeigen. Danach müssen in den nächsten zehn Jahren immerhin 724 km Hochspannungsleitungen neu gebaut werden, bei 2 162 Leitungskilometern ist eine Verstärkung notwendig. 

E&M: Wie ist das angekommen?

Heine: Unser Übertragungsnetzbetreiber 50 Hertz Transmission war froh, dass wir mit dem Netzausbauplan seine Erkenntnisse unterfüttert haben. Wir arbeiten gut mit denen zusammen und haben uns eng abgestimmt. Es ist ja ein sauberer Abgleich an den Netzknotenpunkten nötig. 50 Hertz soll nach dem Ausbauplan 19 Übergabe-Umspannwerke zum Transportnetz neu errichten und weitere 19 erweitern. Auch bei unseren Ländern und der Bundesnetzagentur hatten wir eine gute Resonanz.

E&M: Die in mehreren ostdeutschen Ländern aktive, in Halle ansässige Mitnetz Strom will 260 Mio. Euro in den Netzausbau investieren, 105 Mio. davon für die Anforderungen durch die Erneuerbaren. Sie ist ja mit 74 000 Leitungskilometern ein größerer Verteilnetzbetreiber. Die Enso hat rund 20 000 km. Was planen Sie?

Heine: Wir beabsichtigen, in den nächsten fünf Jahren rund 54 Mio. Euro jährlich in den Aus- und Neubau der Stromnetze zu investieren. Unter anderem wollen wir pro Jahr 20 km Hochspannungsleitungen verstärken beziehungsweise neu bauen. Bei uns hält sich der Bedarf in Grenzen, zum einen, weil das Netz in Ostsachsen wegen der schon zu DDR-Zeiten hier ansässigen Industrie gerade auf der 110-kV-Ebene recht gut ausgebaut war, zum anderen, weil hier etwas zögerlicher an die erneuerbaren Energien herangegangen wird als anderswo.

 
Steffen Heine: "Die Anreizregulierung sollte verändert und gleichzeitig auch vereinfacht werden"
Bild: Enso Netz


E&M: Allenthalben wird ja im Osten beklagt, dass die Netzentgelte, die im Durchschnitt ein Viertel des Strompreises ausmachen, hier sehr viel höher sind als in anderen Regionen und die Endverbraucher das bezahlen müssen. Ostdeutsche Landesregierungen fordern ein bundeseinheitliches Netzentgelt. Wie stehen Sie dazu?

Heine: In der Tat ist es so, dass dort, wo viel Erneuerbaren-Strom eingespeist wird, die Netzentgelte den Strompreis erhöhen. In Sachsen zahlen Haushalte zwei Cent mehr an Netzentgelten als in Regionen ohne große Ökostromerzeugung. Die Unterschiede werden durch die geringer werdende Einwohnerzahl im Osten verstärkt. Ich halte aber ein bundeseinheitliches Entgelt auf der Verteilnetzebene für schwer machbar. Das würde sehr viel Überzeugungsarbeit erfordern. Sinnvoll und einfacher zu realisieren wäre aus meiner Sicht eine Vereinheitlichung der Netzentgelte im Übertragungsnetzbereich. Man sollte auch an die so genannten „vermiedenen Netzentgelte“ für die Photovoltaik- und Windenergieanlagen heran gehen, die ja nun wirklich keinen Netzausbau vermeiden. Diese Kosten werden vom Netzbetreiber derzeit lokal an die Endkunden gewälzt und nicht deutschlandweit.

"Wir möchten gerne eine Plattform für steuerbare Lasten aufbauen"

E&M: Ein großes Thema sind Effizienz und Innovationen im Netz. Was passiert dazu bei der Enso?

Heine: Ein Schwerpunkt liegt auf dem, wie man so sagt, „Ersatz von Kupfer durch Intelligenz“, also nicht so viel Kabel zu verlegen und mehr auf Flexibilität und Steuerbarkeit zu setzen. Wir haben in den letzten zwei Jahren einige hundert von unseren rund 5 000 Umspannstationen mit neuer Primärtechnik – das heißt Schaltgeräte – und neuer Übertragungstechnik ausgestattet, vor allem, um sie besser fernsteuerbar zu machen. Seit einem Jahr widmen wir uns intensiv dem Thema Wärmespeicherung, also zum Beispiel Wärmepumpen und Warmwasserbereitung. Bei uns sind etwa 20 000 solcher Anlagen installiert. Wir möchten gerne eine Pilotplattform für steuerbare Lasten aufbauen – das wird aber nicht ohne Förderung gehen, und da sind wir hoffnungsvoll, aus den entsprechenden staatlichen Programmen Unterstützung zu bekommen. Für die Entwicklung der Plattform arbeiten wir mit der TU Dresden und der Hochschule in Zittau zusammen, die die Algorithmen entwickeln sollen. Diese Anwendungen schließen übrigens auch Smart Metering ein, bei dem ja die Luft ansonsten etwas heraus ist. Aber bei der Wärmeerzeugung macht das durchaus Sinn, zumal es dabei keinen Komfortverlust gibt.

E&M: Sie betreiben auch ein Gasnetz mit etwa 5 000 km Länge. Es scheint, dass das Erdgasgeschäft zumindest bei Ihnen wieder angezogen hat.

Heine: Das ist richtig. Wir hatten vor einigen Jahren einen absoluten Tiefpunkt erreicht. Durch aktiven Netzvertrieb konnten wir die Zahl der Neuanschlüsse aber wieder steigern: von 250 im Jahr 2008 auf jetzt 800 pro Jahr. Dabei haben auch die Preisentwicklung und das verbesserte Image von Erdgas eine Rolle gespielt. Zudem müssen in unserer Region viele veraltete Heizungen ausgetauscht werden.

E&M: Was ist Ihr größter Wunsch an die Politik?

Heine: Bei der Verbesserung der Investitionsbedingungen im Verteilnetz dem ersten Schritt auch den zweiten folgen zu lassen und den Zeitverzug für die Einbeziehung sämtlicher Netzinvestitionen bei der Erlösobergrenze – auch für die Umspannebenen und die Mittel- und Niederspannungsebene – abzuschaffen. Die Anreizregulierung sollte entsprechend verändert und gleichzeitig auch vereinfacht werden. 


Steffen Heine (49) ist seit 2007 Geschäftsführer der Enso Netz GmbH in Dresden. Er absolvierte ein Studium Elektrische Energietechnik und promovierte in Leipzig. Heine ist verheiratet und hat eine Tochter.

 
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Mittwoch, 16.04.2014, 09:11 Uhr