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Enerige & Management > Wasserstoff - Image-Schaden für grünen Wasserstoff befürchtet
Bild: iStock/Frank Harms
WASSERSTOFF:
Image-Schaden für grünen Wasserstoff befürchtet
Dem grünen Wasserstoff, kaum dass er da ist, droht durch einen Zertifikate-Handel ein dauerhafter Reputationsschaden, befürchtet der Windpark-Projektierer "GP JOULE".
 
"Möglichst unambitionierte Kriterien bezüglich der Anforderungen für grünen Strombezug für die Elektrolyse", erkennt Ove Petersen, Mitgründer und Geschäftsführer des Unternehmens GP Joule. In einem offenen Brief hat sich Petersen an Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) gewandt. Anlass gaben ihm die Eckpunkte, die im Rahmen eines Stakeholder-Workshops vom 18. März diskutiert worden sind. In solchen teilweise nicht öffentlichen Treffen kommen Interessensvertreter zu bestimmten Themen zusammen.

Aus den Eckpunkten geht laut GP Joule hervor, dass das Ministerium zwar eine Wasserstoffwirtschaft vorantreiben wolle, dies jedoch mit falschen Vorzeichen. So sehe das Papier vor, dass der Bezug von Grünstrom für die Wasserstofferzeugung durch Zertifikate nachgewiesen werden könne, ähnlich wie beim Bezug von Ökostrom. "Damit wird Minister Altmaier der Energiewende und dem Klimaschutz unterm Strich nicht nutzen, sondern schaden", befürchtet Petersen. Er kritisiert, dass durch diese Vorgehensweise nur die Strommengen berücksichtigt werden, nicht der genaue Zeitraum, in dem sie erzeugt worden sind. "Doch genau das ist entscheidend, denn die Produktion von Wind- und Solarstrom schwankt bekanntlich."

Greenwashing-Wasserstoff verdrängt echten, grünen Wasserstoff 

"Nach den aktuellen Eckpunkten wäre es möglich, Wasserstoff faktisch mit Graustrom zu erzeugen und für einen minimalen Aufpreis mit Zertifikaten zu begrünen", erklärt Petersen. Billiger Greenwashing-Wasserstoff wäre so von echtem, grünem Wasserstoff nicht mehr zu unterscheiden. Insbesondere zwei Folgen des befürchteten Greenwashing skizziert Petersen in seinem offenen Brief an Altmaier:
  • Der Markthochlauf von echtem, grünen Wasserstoffs werde im Keim erstickt. Der Grund: Der Aufpreis für die nötigen Herkunftsnachweise von Grünstrom in Deutschland sei minimal. Unternehmen wie GP Joule, die Wasserstoff tatsächlich mit zeitgleich erzeugtem grünen Strom herstellen, würden auf diese Wiese preislich unterboten.
  • Die Verbindung über Herkunftsnachweise sei keine tatsächliche, energiewirtschaftlich Kopplung und daher nicht glaubhaft und letztlich auch rechtswidrig. GP Joule bezieht sich dabei auf den Paragraphen 93 des Erneuerbaren-Energie-Gesetzes (EEG), laut dem der Wasserstoff "glaubhaft" mit Strom aus Erneuerbaren erzeugt werden muss. Hinzu komme, dass die Möglichkeit zum Greenwashing von grauem Wasserstoff zu einem Imageschaden führen würde, der durch später Verbesserungen nur noch bedingt auszuräumen wäre.
Als Lösung schlägt GP Joule eine direkte Kopplung der Wasserstofferzeugung an die erneuerbaren Erzeugungsanlagen vor. Um sicherzustellen, dass Wasserstoff tatsächlich mit Grünstrom erzeugt wurde, müssten Erzeugungs- und Verbrauchsmengen im Viertelstundentakt ausbalanciert werden, heißt es aus der Zentrale in Reußenköge (Schleswig-Hohlstein). Der Projektierer fordert vom Wirtschaftsministerium eine schnelle Korrektur der Eckpunkte und eine genaue Festlegung der Kriterien für grünen Wasserstoff.

Der offene Brief von Ove Petersen   an Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier ist auf der Internetseite von GP Joule abrufbar.
 

Davina Spohn
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Mittwoch, 31.03.2021, 13:39 Uhr

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