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Enerige & Management > IT - In der IT ist Flexibilität gefragt
Bild: itestroorig / Fotolia
IT:
In der IT ist Flexibilität gefragt
As-a-Service-Modelle gewinnen in der Energiewirtschaft an Bedeutung. Einer der Treiber ist das intelligente Messwesen.
 
Berater bezeichnen die Digitalisierung gerne als „Megatrend“. In der Energiewirtschaft ist er längst angekommen. Informations- und Kommunikationstechnik gelten als Säulen einer zukunftsfähigen dezentralen Energiewirtschaft, in der ein zunehmender Veränderungsdruck herrscht. „Dabei bedeutet Digitalisierung zunächst einmal, dass man als Unternehmen in der Lage ist, neue Technologien zu erschließen und in das eigene Geschäftsmodell zu adaptieren“, sagt Tobias Gehlhaar, Leiter des Bereichs Utilities bei Accenture Deutschland. Wie das geht, zeigt vor allem die neue Generation der Energieversorger, die virtuelle Kraftwerke managt oder Communities vernetzt. Einige von ihnen tragen sogar ihr Selbstverständnis als digitales Unternehmen, ja als IT-Unternehmen, wie eine Monstranz vor sich her.

Es stellt sich die Frage, was zum Kerngeschäft gehört

In diesem Umfeld müssen sich die traditionellen Energieversorger behaupten. „Und sie müssen sich immer konsequenter mit der Frage auseinandersetzen, was eigentlich zu ihrem Kerngeschäft gehört“, erklärt Gehlhaar. Damit geht auch die Frage einher, was man auslagern und als Dienstleistung einkaufen kann.

„Im Energiemarkt gibt es immer kürzere Innovationszyklen und damit immer kürzere Amortisationszyklen für Software-Lösungen“, sagt Heiko Schell. „Die Zeiten, in denen man riesige Beträge in Software und On-Premise-Modelle gesteckt hat, sind bei den meisten Unternehmen vorbei“, so der Vertriebsleiter des IT-Dienstleisters Kisters. Stattdessen ein probater Ansatz: Software-as-a-Service, also standardisierte Programme, die nicht mehr auf eigenen Servern installiert sind, sondern beim Anbieter gehostet werden und dem Kunden die Applikationen über einen Internetzugriff erlauben. Solche Lösungen bescheren dem Nutzer über einen Laufzeitvertrag ein hohes Maß an Flexibilität, sollte sich etwa das neue Geschäftsmodell doch nicht als tragfähig erweisen. „Wir sehen, dass sich bei so manchem Direktvermarkter und Anbieter im Regelleistungsmarkt die Hoffnungen auf stabile Erlöse aufgrund sinkender Marktpreise nicht erfüllt haben und sie jetzt mit einem relativ schlechten Return on Investment leben müssen“, berichtet Schell.

Die Anbieter von Software-as-a-Service setzen aber nicht nur auf die Enttäuschten, sondern rechnen auch mit regem Zulauf aus den Reihen der Vorausschauenden. Denn die Unsicherheit ist in vielen Bereichen der Energiewirtschaft sehr groß, wie etwa beim intelligenten Messwesen, das für den Datenaustausch in der Marktkommunikation noch auf ein Interimsmodell setzt und allgemein außerordentlich hohe IT-Sicherheitsanforderungen an die Marktteilnehmer stellt. „Kleinere Unternehmen können das mit eigenen Ressourcen gar nicht mehr abdecken“, weiß Schell. „Deshalb überlegen jetzt viele, Software-as-a-Service-Leistungen von zertifizierten Anbietern zuzukaufen. Wir spüren das deutlich an den Anfragen zu unseren Produkten.“
 
Software-as-a-Service: Standardisierte Programme, die nicht mehr auf eigenen Servern installiert sind, sondern beim Anbieter gehostet werden und dem Kunden die Applikationen über einen Internetzugriff erlauben
Bild: Roland Horn Fotografie/Thüga SmartService

Im Idealfall kommt der Kunde dann auch noch um eine eigene Zertifizierung herum. Damit wirbt die Thüga, die Smart-Meter-Gateway-Administration als Software-as-a-Service anbietet und dem Kunden die Zertifizierung eines Informationssicherheits-Managementsystems erspart. „Wir haben uns dafür entschieden, einen Dienst anzubieten, bei dem wir die Software in unseren eigenen Rechenzentren zentral betreiben“, erklärt Andreas Gluth. Deshalb müssen sich seine Kollegen aus dem Support im Problemfall nicht mit einer Vielzahl verschiedener Kundensysteme auseinandersetzen.

Die dadurch erzielbaren „Effizienzvorteile“, so der Bereichsleiter Forschung und Entwicklung bei der Thüga Smart Service GmbH, könnten direkt an die Kunden weitergegeben werden. Außerdem liefere der Support immer wieder Impulse für die Software-Entwicklung, so dass eine neue Erkenntnis in kürzester Zeit allen Nutzern zugutekomme. Allerdings, so wendet Gluth ein, ist der Nutzer, auch wenn er keine eigene Zertifizierung benötigt, nicht jeglicher Verantwortung ledig. Die Thüga müsse selbstverständlich Sicherheitsanforderungen an ihre Kunden stellen, die vertraglich vereinbart werden.

Auch an die Kunden werden Sicherheitsanforderungen gestellt

Effizienzvorteile und Einsparungen durch Standardisierung und Skaleneffekte – das ist die Kausalkette, auf die Anbieter und Kunden setzen. Letztere kaufen eine fertige Infrastruktur, die Anbindung an den Server und die Nutzungsrechte an der Software. Dafür können sie bei der Hardware sparen und sich sicher sein, immer die neueste Software-Version zu nutzen.

Es kann auch so weit gehen, dass der Anbieter auf seinem eigenen System für den Kunden arbeitet: Business-Processes-as-a-Service- Bei der Thüga heißt der Ansatz Business Process Outsourcing, verspricht zusätzliche Flexibilität, die in einer zunehmend digitalisierten Energiewirtschaft in wachsendem Maße notwendig und insbesondere für kleinere Unternehmen schwer zu realisieren ist. „Der Kunde muss dann weder das Personal noch die fachliche Expertise vorhalten, um bestimmte Prozesse rund um die Uhr, auch an Sonn- und Feiertagen, laufen zu lassen“, erklärt Gluth.

Die Begriffsvielfalt ist groß – bei Kisters gibt es Infrastructure-as-a-Service, Plattform-as-a-Service und darüber die Software-as-a-Service. Landis+Gyr, hierzulande bisher vor allem als Hersteller von intelligenten Zählern bekannt, hat Ende 2017 aufhorchen lassen, als er sich als Dienstleister für Smart-Grid-as-a-Service empfohlen hat. Dabei ist das Konzept nicht ganz neu. „Wir haben in den USA und in Skandinavien schon vor einigen Jahren begonnen, Schritt für Schritt Funktionen im Messwesen von unseren Kunden zu übernehmen“, sagt Thorsten Klöpper. „Das reicht vom Smart Meter Rollout über technische Dienstleistungen bis hin zum Zählerdatenmanagement als Grundlage für weitere Geschäftsprozesse im Vertrieb oder bei der Netzplanung“, so der Vertriebsleiter des Bereichs Energy Solutions.

Sogar für die Finanzierung der Zählerinfrastruktur hat Landis+Gyr ein Modell entwickelt. Letztlich sei entscheidend, dass sich der Kunde darauf konzentrieren könne, mit vernetzten intelligenten Messsystemen einen Mehrwert zu generieren.

 
Umsatz mit Software-as-a-Service (SaaS) weltweit von 2010 bis 2016
und Prognose bis 2020 (in Milliarden US-Dollar)
Grafik: Statista


Im Herbst 2018 wird der Smart-Metering-Dienstleister das operative Messwesen und Datenmanagement von 650 000 Zählpunkten des größten finnischen Verteilnetzbetreibers Caruna übernehmen und dann europaweit rund 1,5 Mio. Zählpunkte unter Vertrag haben. In Deutschland laufen laut Klöpper noch die Gespräche mit ersten potenziellen Kunden über ähnlich weitgehende Kooperationsmodelle.

Berater wie Tobias Gehlhaar bescheinigen Software-as-a-Service in vielen Branchen, auch in der Energiewirtschaft, weiterhin ein deutliches Wachstumspotenzial. „Wer die Gelegenheit hat, Software-as-a-Service einzukaufen, sollte das auch tun“, rät er. Auch Plattform-as-a-Service ergebe in vielen Fällen Sinn, da häufig sehr flexible Entgeltmodelle daran geknüpft seien. „Was man zahlt, bemisst sich beispielsweise nach der Anzahl der Kunden“, so der Accenture-Manager.

Das heißt, wenn Kunden verloren gehen, verringert sich der Rechnungsbetrag. Der Aufbau eines eigenen IT-Systems habe zwei entscheidende Nachteile: Zum einen lege man es in der Regel maximal aus, da man nicht genau wisse, welche Kapazitäten in Zukunft benötigt werden. Zum anderen trage man die Kosten für Erhalt und Weiterentwicklung alleine. „Das lässt sich mit As-a-Service-Modellen vermeiden.“

Weitere As-a-Service-Produkte kommen an den Markt

Der Wunsch nach Flexibilisierung zieht mittlerweile weite Kreise. Nach und nach tauchen weitere Produkte wie Analytics-as-a-Service oder sogar Marketing-as-a-Service am Markt auf. Sie alle zeugen von einem wachsenden Bedarf an Datenverarbeitungskapazitäten und spezialisierter Kompetenz. „Und vom Wunsch, mit IT-Kapazitäten atmen zu können, was aber in der Regel nur spezialisierte Dienstleister können“, betont Gehlhaar.

 
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Dienstag, 30.01.2018, 09:07 Uhr