• Erdgas setzt steile Aufwärtsbewegung fort
  • Strom, CO2 und Gas überwiegend fester
  • Widerstreitende Reaktionen aufs neue Klimaschutzgesetz
  • Kabinett beschließt Gesetzesnovelle mit Klimaneutralität bis 2045
  • Südlink jetzt komplett in der Planfeststellung
  • RWE Q1: Ergebnis geschrumpft, Prognose bekräftigt
  • MVV steigert Ergebnis
  • Verbund: Quartalsgewinn sinkt um 7,6 %
  • Engie verliert Steuervorteil
  • Enapter entwickelt AEM-Elektrolyseur der Megawattklasse
Enerige & Management > Smart Metering - In der Warteschleife
Bild: Fotolia.com, Ben Chams
SMART METERING:
In der Warteschleife
Die Entwicklung von intelligenten Messsystemen kommt in Deutschland nicht recht voran. Denn nach wie vor sind die gesetzlichen Rahmenbedingungen nicht endgültig beschlossen und die wichtige Kosten-Nutzen-Analyse fehlt auch noch.
 
Eine der Voraussetzungen, um die Entwicklung von elektronischen Messgeräten zu starten, ist das Vorliegen des so genannten Schutzprofils. In diesem beschreibt das Bonner Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), welche Sicherheits-Anforderungen an Zähler und Gateways, die Einrichtungen zur Datensammlung und Datenübertragung, zu stellen sind. Beispielsweise wird darin festgelegt, welche Schnittstellen die Geräte haben müssen und was diese tun sollen. Beschrieben wird auch, was ein Angreifer tun könnte und welche Sicherheitsprobleme und Manipulationsmöglichkeiten in einem Smart-Meter-System überhaupt denkbar sind.
 
Nach der Analyse der Bedrohungen legen die Autoren vom BSI dann fest, mit welchen organisatorischen Maßnahmen, Hardware-Einrichtungen in den Geräten und mit welcher Software auf die einzelnen Bedrohungen reagiert werden muss. Beispielsweise wird beschrieben, wo in dem System eine Firewall installiert sein muss oder wie wichtige Bereiche im Gerät gegeneinander abgeschottet werden. Weiter ist festgelegt, welche Datenübertragungsvorgänge verschlüsselt durchgeführt werden müssen und wer sich wie identifizieren muss, damit nur die Berechtigten auf das Messgerät und seine Daten oder Einstellungen zugreifen können.
 
Technische Entwicklung verzögert
 
Der Entwurf der Schutzprofile für Messgeräte und Gateways wurde während der letzten Jahre erstellt und danach mit den Verbänden und Geräteherstellern abgesprochen. Nach rund 1200 eingereichten Kommentaren und Änderungswünschen – so das BSI – liegt er jetzt bei der EU in Brüssel zur Notifizierung. Andere EU-Staaten können zu dem Schutzprofil Stellung nehmen. Probleme sollte es dabei nicht geben, schätzt man zumindest beim ZVEI, dem Branchenverband der elektrotechnischen Industrie, in dem die Zählerhersteller organisiert sind; denn ein Einwender muss begründen können, dass durch die Vorschriften das Funktionieren des Binnenmarktes gefährdet wäre.  
 
Unklar ist, wann die EU ihr Einverständnis zu der Vorlage gibt. Erst wenn dieses vorliegt, kann die deutsche Gesetzgebung in Gang kommen, um die Vorschriften des Schutzprofils in Gesetzen und Verordnungen festzuhalten. Ob dies noch vor der Sommerpause in diesem Jahr der Fall sein wird, ist nach Einschätzungen aus der Branche sehr ungewiss.
 
Während das noch offene Schutzprofil die technische Entwicklung der Messgeräte verzögert, stellt die fehlende Kosten-Nutzen-Analyse für das Smart-Metering die Installation dieser Messgeräte generell infrage. Bei der Analyse, die das Wirtschaftsministerium vorlegen soll, wird untersucht, ob die flächendeckende Installation von intelligenten Messgeräten in Deutschland wirtschaftlich vertretbar ist. Bisher ist deren Einbau nur bei Kunden mit mehr als 6 000 kWh Jahresverbrauch und in Neubauten vorgeschrieben.
 
Diese Analyse war eigentlich für Ende Januar 2013 angekündigt, sagt Frank Wolf vom Smart-Metering-Dienstleister Voltaris. Wann sie tatsächlich vorgelegt wird, weiß man nicht. Beim Elektrotechnik-Verband VDE, der Mitte April mit einem großen Fachkongress in Leipzig aktuelle Fragen in der Entwicklung der Messtechnik diskutieren will, erwartet man sie für den April.
 
Während der VDE für seine Veranstaltung, auf der alle aktuellen Aspekte des Metering diskutiert werden sollen, mit rund 1000 Besuchern rechnet, hat Voltaris seine Workshopreihe für die erfolgreiche Einführung neuer Messsysteme, die eigentlich Anfang März starten sollte, wegen der unklaren gesetzlichen Lage um acht Monate verschoben. Bis dahin, so hoffen die Veranstalter, sollten die genannten Schutzprofile und technischen Richtlinien sowie die Messzugangsverordnung und die Kosten-Nutzen-Analyse vorliegen.
 
Erste Geräteentwicklungen laufen an
 
Bei den Branchenverbänden VDE und ZVEI hat man beobachtet, dass erste Hersteller trotzdem mit der Entwicklung von Messgeräten beginnen. Manche Hersteller haben auch schon eine Zertifizierung für ihre Messgeräte, die noch entwickelt werden, beantragt. Dies ist nach Beobachtung des ZVEI trotz des frühen Zeitpunktes sinnvoll, weil der Zertifizierungsprozess länger dauert und alle Seiten in diesem Prozess erst Erfahrung miteinander sammeln müssen. Jede Entwicklung, die Zählerhersteller jetzt schon tätigen, trägt aber das Risiko, dass die Gesetzeslage teure Änderungen und Neuentwicklungen nötig macht.
 
Trotzdem ist Peter Heuell, Deutschland-Chef des Zählerherstellers Landis & Gyr, mit der aktuellen Situation nicht so unzufrieden. Auf die technischen Vorgaben, die heute bekannt sind, könne man bei der Geräteentwicklung aufbauen, obwohl es noch Unsicherheiten gibt. Mehr Kopfzerbrechen bereitet ihm die noch fehlende volkswirtschaftliche Kosten-Nutzen-Analyse und die damit geplante Rollout-Rate: „Von der Frage, wie viele Messsysteme ins Feld gebracht werden müssen, hängt die Entscheidung für das Systemdesign und die Kommunikationstechnik ab. Bei zu sehr verteilten Geräten wird es keine Powerline-Verbindungen geben, sondern etwa Mobilfunk oder Ethernet. Denn die Kommunikation via Powerline-Carrier-Technologie wird umso wirtschaftlicher, je größer die Ausbaurate ist“, beschreibt er die Schwierigkeiten.
 
Die Kosten-Nutzen-Analyse wird derzeit vom Beratungsunternehmen Ernst & Young erstellt und sollte in den nächsten Wochen abgeschlossen sein und dem Wirtschaftsministerium übergeben werden.
 
Derzeit entwickeln die Ingenieure des Zählerherstellers erste, noch nicht endgültig zugelassene Prototypen, die bis Ende des Jahres vorliegen sollen. Sie sollen dann zusammen mit der Software getestet werden. „Ich glaube nicht, dass es zugelassene Geräte und Systeme vor 2014 geben wird“, sagt Heuell.
 
Einen ähnlichen Zeitplan sieht Voltaris bei der Messgeräteentwicklung. Geschätzt wird dort, dass ab 2015 Smart Meter auf dem Markt sein werden. Danach werden Energieversorgung, Gerätehersteller und Softwareanbieter etwa ein Jahr benötigen, um ein funktionierendes Messsystem aufzubauen und zu testen. Frühestens 2016, so die Schätzung, könnte dann mit einem größeren Einsatz von elektronischen Messgeräten in Deutschland begonnen werden.

 
Möchten Sie diese und weitere Nachrichten lesen?
 
 
Testen Sie E&M powernews
kostenlos und unverbindlich
  • Zwei Wochen kostenfreier Zugang
  • Zugang auf stündlich aktualisierte Nachrichten mit Prognose- und Marktdaten
  • + einmal täglich E&M daily
  • + zwei Ausgaben der Zeitung E&M
  • ohne automatische Verlängerung
 
Jetzt kostenlos testen
 
Login für Kunden
 

Kaufen Sie den Artikel
  • erhalten Sie sofort diesen redaktionellen Beitrag für nur € 8.93
 
JETZT ARTIKEL KAUFEN
Mehr zum Thema

 
Haben Sie Interesse an Content oder Mehrfachzugängen für Ihr Unternehmen?
 
Sprechen Sie uns an, wenn Sie Fragen zur Nutzung von E&M-Inhalten oder den verschiedenen Abonnement-Paketen haben.
Das E&M-Vertriebsteam freut sich unter Tel. 08152 / 93 11-77 oder unter  vertrieb@energie-und-management.de über Ihre Anfrage.
 
WEITERE INFORMATIONEN
© 2021 Energie & Management GmbH
Mittwoch, 27.03.2013, 14:14 Uhr