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Enerige & Management > Smart Grids - In jeder Minute den Netzzustand kennen
Bild: Fotolia.com, Ben Chams
SMART GRIDS:
In jeder Minute den Netzzustand kennen
Ein Stromversorger in Kaufbeuren im Allgäu rüstet sich für die smarte Energiezukunft.
 
Viele schwarze, eckige Ferraris-Zähler lagern in den Regalen im Keller der Vereinigten Wertach-Elektrizitätswerke (VWEW); sie warten auf ihre Überprüfung und Reparatur, bevor sie bei den Kunden wieder zum Einsatz kommen. Auf zwei Paletten im Zählerlager ist aber auch schon die Zukunft der Messtechnik zu besichtigen: elektronische Stromzähler von ubitronix in weißen Gehäusen mit abgerundeten Ecken, die demnächst bei den Kunden eingebaut werden sollen.  

Rund 3 000 dieser Smart Meter möchte Ingo Vorndran, der technische Leiter des kommunalen Stromversorgers, während der nächsten Monate in seinem Netzgebiet installieren. Derzeit hat VWEW in den Allgäuer Gemeinden Kaufbeuren, Mindelheim und Marktoberdorf rund 46 000 herkömmliche Stromzähler in den Kellern hängen. Zuerst sollen die Messgeräte, deren Eichfrist abläuft, ausgetauscht und durch die neuen elektronischen Zähler ersetzt werden; in Kaufbeuren sind das zunächst 500 Zähler, dazu kommt dann noch eine kleine Gemeinde als Smart-Meter-Pilotprojekt.
 
Die Leerrohre liegen schon
 
Zusätzlich zu den neuen Messgeräten will der Versorger auch Erfahrungen mit unterschiedlichen Kommunikationswegen wie Glasfaser, Powerline oder Funk zur Übermittlung der Zählerdaten sammeln. Die Technik dazu ist schon teilweise installiert, denn in Kaufbeuren wird derzeit auf Wunsch des Stadtrates ein Breitbandnetz ausgebaut, um den Bürgern einen schnellen Internetanschluss zu bieten. Seit etwa 17 Jahren verlegt VWEW deswegen bei Bauarbeiten im Netz gleichzeitig Leerrohre, in die man jetzt die Glasfaserkabel einziehen kann, erzählt Vorndran. Zur datentechnischen Anbindung von Schaltanlagen und Kraftwerken sind die Glasfaserkabel schon installiert, jetzt will man sie bis zu den Kunden ziehen. „Es ist dann ein Leichtes, von jedem Kunden die Daten in die Zentrale zu holen“, sagt der Technik-Chef. Zuerst ist an die Anbindung der Gewerbekunden an das Datennetz gedacht, dann sollen weitere Gebiete mit den Breitbandleitungen erschlossen werden.
 

Ingo Vorndran will in den nächsten zehn Jahren 46 000 Smart Meter installieren  
Bild: E&M

In dem Versorgungsgebiet der VWEW entlang des Flusses Wertach sind heute sieben eigene Wasserkraftwerke mit einer Gesamtleistung von 7,5 MW und vier große Dieselanlagen mit zusammen über 20 MW Leistung installiert. Diese produzieren nur elektrische Energie und waren zum Abfahren von Bedarfsspitzen geplant. In der Summe erzeugten diese Kraftwerke 2011 mit rund 33,4 Mio. kWh etwa zehn Prozent des Bedarfs, der Fremdstrombezug lag im gleichen Zeitraum bei 356 Mio. kWh.

Eigene Windkraft- oder Solaranlagen hat der Versorger derzeit noch nicht, aber in der Region gibt es Solaranlagen und viele Aktivitäten zum Aufbau von Windkraftwerken. Planungsverbände sind dabei, Standorte zu suchen. „Wir als Kommunalunternehmen möchten versuchen, Bürgerwindanlagen für die jeweiligen Gemeinden zu initiieren“, sagt Vorndran, „denn die Gemeinden arbeiten lieber mit einem kommunalen Unternehmen zusammen als mit einem fremden Projektierer.“
 
Weitere Veränderungen im Netz zeichnen sich ab
 
Es ist also absehbar, dass sich die Verhältnisse in dem ungefähr 1 700 km langen Netz deutlich verändern werden, schon im vergangenen Geschäftsjahr kamen bei den Kunden etliche Photovoltaik- und KWK-Anlagen dazu, derzeit sind rund 1 800 EEG-Anlagen im Netz der VWEW. Die Schwankungen nehmen dadurch zu, und damit die Notwendigkeit, vor allem die Prognosen von Eigenproduktion und Kundenbedarf zu verbessern, damit möglichst wenig teure Ausgleichs- und Regelenergie zugekauft werden muss.

Dafür setzt Vorndran jetzt auf die elektronischen Messgeräte. Mit deren Hilfe möchte er mehr Kenntnisse über die Zustände im Netz gewinnen. „Ich muss minutengenau wissen: Wo herrscht welche Last und welche Erzeuger sind am Netz?“ Reicht es dazu nicht, wenn man an wichtigen Stellen im Netz über den aktuellen Zustand Bescheid weiß? Nein, sagt Vorndran, „mein Ziel ist es, die Einzeldaten von allen Kunden zu gewinnen.“

Mit dem jetzt begonnenen Pilotprojekt möchte sich der Versorger vor allem für die Zukunft rüsten und auf den möglicherweise flächendeckenden Rollout von Smart Metern vorbereiten. So will man Erfahrungen sammeln, wie mit den jetzt absehbaren Vorgaben rund um das BSI-Schutzprofil, das sicherheitstechnische Anforderungen an das Messsystem beschreibt, umzugehen ist und welche Schwierigkeiten auftreten können, wenn fremden Messstellenbetreibern der Zugriff auf die Daten erlaubt werden soll. Testen will Vorndran aber auch, wie die älteren Zählermeister mit den neuen elektronischen Geräten und den IT-technischen Anforderungen umgehen.

Gegenwärtig sind die ersten neuen Zähler installiert, haben aber noch keine datentechnische Anbindung an die Zentrale. Im April soll die Software von ubitronix folgen. Das neue Smart-Meter-System will man dann mit der vorhandenen Zählerfernauslesung für die Gewerbekunden, deren Lastgang gemessen wird, verbinden. Ab Herbst, so der Zeitplan, soll die Infrastruktur fertiggestellt sein.

Mit welcher Geschwindigkeit es danach weitergeht, hängt auch von den finanziellen Mitteln ab, die der Aufsichtsrat des Versorgers immer wieder neu genehmigen muss. Vorndran plant jedenfalls, dass bis in etwa zehn Jahren alle 46 000 Ferraris-Zähler gegen neue Smart Meter ausgetauscht sind. „Dann werden die Qualität der Prognosen und der Einblick in die aktuellen Verbräuche sehr viel besser“, freut er sich. Wie der Kunde auf die Daten zugreifen kann und ob ihm später auf Basis der Zählerdaten auch Smart-Home-Produkte angeboten werden sollen, überlegt der Netzbetreiber  zusammen mit dem Vertrieb.

 
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Dienstag, 26.03.2013, 14:31 Uhr