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Enerige & Management > Regulierung - Jedes Jahr ein Fotojahr?
Bild: Fotolia.com, Bertold Werkmann
REGULIERUNG:
Jedes Jahr ein Fotojahr?
Die Bundesnetzagentur arbeitet am Evaluierungsbericht zur Anreizregulierung: Viele Unternehmen plädieren dafür, mit dem System der Investitionskostendifferenz das Problem des Zeitverzugs bei Investitionen ins Verteilnetz zu lösen.
 
Bei der Anreizregulierung zwickt und kneift es. Verteilnetzbetreiber, die in den Ausbau ihres Netzes investieren, müssen zu lange auf den Rückfluss der Mittel warten. Die Bundesländer Bayern und Sachsen haben es auf den Punkt gebracht: „Der Bundesrat ist der Auffassung, dass die gegenwärtig in der Anreizregulierung vorgesehenen Instrumente zur Berücksichtigung von Investitionskosten (…) den künftigen Anforderungen der beschleunigten Energiewende nicht gewachsen sein werden.“ Dem VKU reicht in einem Positionspapier vom Mai 2014 für die wesentliche Botschaft sogar eine einzige Zeile: „Beseitigung des Zeitverzugs bei der Anerkennung der Investitionen".

Bis Ende des Jahres muss die Bundesnetzagentur ihren Evaluierungsbericht zur Anreizregulierung vorlegen. Die große Frage ist, ob sie darin ein neues Modell empfiehlt, das bei der jährlichen Ermittlung der Erlösobergrenze Kapitalkosten der Netzbetreiber unmittelbar berücksichtigt. Eine Vielzahl von Verteilnetzbetreibern hofft jedenfalls darauf. Denn wer investiert schon gerne, wenn die Kosten erst im nächsten Basisjahr geltend gemacht werden können und der Mittelrückfluss erst in der darauffolgenden Regulierungsperiode, im ungünstigsten Fall sieben Jahre nach der Investition, einsetzt?

Vorschlag ist Weiterentwicklung des Schäfer-Modells

„Für Investitionen ins Netz gibt es keine günstigen Rahmenbedingungen“, klagt Sandra Wimmer, Leiterin der Abteilung Netzwirtschaft/Regulierung der Thüga. Nur über den so genannten Erweiterungsfaktor ließen sich derzeit Erweiterungsinvestitionen zeitnah refinanzieren. Dieser Faktor kann in Anspruch genommen werden, wenn sich die Zahl der Anschluss- und Ausspeisepunkte oder die Jahreshöchstlast deutlich verändern. Je nachdem, ob die Investition vor oder nach dem 30. Juni erfolgt ist, kann „zeitnah“ allerdings auch hier einen Zeitraum von 18 Monaten bedeuten.

Und den Einsatz von intelligenten Technologien fördert der Erweiterungsfaktor schon gar nicht. „Denn beispielsweise bei einem regelbaren Ortsnetztrafo, der einen Standardtrafo ersetzt, ändert sich weder die Jahreshöchstlast, noch kommen zusätzliche Ein- und Ausspeisepunkte hinzu“, kritisiert Wimmer. „Und auch bei den hohen Investitionssummen, die notwendig sind, um die Netzleitstellen mit neuer Technik auszustatten und für die Steuerung intelligenter Netze fit zu machen, bleibt derzeit nichts anderes übrig, als auf das nächste Basisjahr zu warten“, erläutert Andreas Haak, Geschäftsführer der Wemag Netz GmbH die Krux der Branche. Selbst bei der Verstärkung von Mittelspannungsleitungen sei nicht gewährleistet, dass der Erweiterungsfaktor greife.
 
Kein Anreiz für Investitionen: Problem des Zeitverzugs im Rahmen der Anreizregulierung
Grafik: BET


Um all diese Probleme zu lösen, hat die Landesregulierungskammer Bayern eine Alternative vorgeschlagen: das Modell der Investitionskostendifferenz (IKD). Genaugenommen geht es dabei allerdings nicht um Investitionskosten, sondern um kalkulatorische Kapitalkosten bei der jährlichen Ermittlung der Erlösobergrenze. Alle Investitionen sollen berücksichtigt werden, und zwar ab dem Jahr, in dem sie getätigt wurden, und nicht erst in der dem nächsten Basisjahr folgenden Regulierungsperiode. Jedes Jahr kann also zum Basisjahr werden.
Im Grund handelt es sich um die Weiterentwicklung eines Vorschlags, den Gert Schäfer, Leiter der hessischen Landesregulierungsbehörde, bereits 2012 vorgelegt hat. In seinem Ansatz reduzieren sich jährlich die kalkulatorischen Kapitalkosten aller Anlagen. Bei der Investitionskostendifferenz fallen nur die Anlagen heraus, die kalkulatorisch abgeschrieben sind, alle anderen bleiben unverändert im Vergleich zum Basisjahr. Dieser Sockeleffekt ist im übrigen auch im gegenwärtigen Regulierungsregime bereits gegeben. Die Bundesnetzagentur wollte sich nicht zum IKD-Modell äußern und verwies auf den laufenden Evaluierungsprozess.

Nicht für alle Unternehmen das Allheilmittel

Doch nicht alle Unternehmen sehen in der Investitionskostendifferenz das Allheilmittel. Die Allgäu Netz GmbH & Co.KG kann nach Aussage ihres Prokuristen Sven Pienitz mit dem Erweiterungsfaktor nach Erreichen des allerdings deutlich zu hohen Schwellenwertes die Kosten nahezu decken. „Anders als beim IKD-Ansatz dauert es hier nicht die gesamte Abschreibungsdauer, bis die Investition zurückgeflossen ist, sondern sie kann spätestens nach 18 Monaten pauschal in die Ermittlung der Erlösobergrenze einfließen.“ Eine Absenkung des Schwellenwertes wäre seiner Meinung nach allerdings wünschenswert. Dieser setzt derzeit noch voraus, dass die mit der Änderung der Versorgungsaufgabe einhergehenden Investitionen eine „erhebliche“ Kostensteigerung - um mindestens 0,5 Prozent der beeinflussbaren Gesamtkosten - verursacht. Allerdings sei der Erweiterungsfaktor allein nicht für jeden Verteilnetzbetreiber das richtige Mittel. Notwendig sei eine flexible Wahlmöglichkeit zwischen Erweiterungfaktor und dem Ansatz der Investitionskostendifferenz.

In einer Kurzstudie für den VKU hat BET in Aachen die Auswirkungen des IKD-Ansatzes bei unterschiedlichem Investitionsverhalten von Netzbetreibern untersucht. Die Berechnungen zeigen, dass bei Anwendung der Systematik in bestimmten Szenarien die Investitionskostendifferenz negativ wird und sogar eine Reduzierung der Erlösobergrenze bedeutet. Vor allem Unternehmen, die wenig oder zurückhaltend investieren, mit eher älteren Anlagen, die vor Beginn der Regulierungsperiode vollständig abgeschrieben sind, sind davon betroffen. Einen Anreiz, auf Teufel komm raus Kosten zu produzieren, sieht Thüga-Expertin Wimmer jedoch nicht: „Es geht nicht darum, die Netze zu vergolden. Wir stellen das Gesamtsystem mit Benchmarks, die für Effizienz sorgen, nicht in Frage.“ Es gehe nur darum, den Zeitverzug zu beseitigen und zwar mit einem sachgerechten Modell. „Dann wäre endlich gewährleistet, dass Investitionen zum notwendigen und sinnvollen Zeitpunkt stattfinden können und nicht regulierungsbedingt aufgeschoben werden oder ganz ausfallen“, ergänzt Mark Linke, Leiter Regulierungsmanagement bei EWR. Das kommunale EVU in Remscheid hat derzeit sein Investitionsverhalten ganz auf die Basisjahrsystematik der Anreizregulierung abgestimmt.

Fotojahre 2011 und 2016
Im Rahmen der Anreizregulierung werden derzeit in den so genannten Basis- oder Fotojahren die Investitionen der Netzbetreiber gemessen. Für die Stromnetze sind die Jahre 2011 und 2016 solche Basisjahre. Am Investitionsaufwand in diesen Basisjahren bemisst sich die jeweilige Erlösobergrenze in der folgenden fünfjährigen Regulierungsperiode. Dabei kommt es auch zum Basisjahr-Effekt: Investitionen werden gezielt in das Jahr gelegt, in dem der Aufwand ermittelt wird. Von Netzbetreibern ist außerdem zu hören, dass gerade in den Basisjahren und den Jahren unmittelbar davor die Tiefbauunternehmen auf die gestiegene Nachfrage nach ihren Dienstleistungen reagieren und ihre Preise entsprechend anheben. Auch eine solche Entwicklung könnte mit einem veränderten Regulierungsrahmen entschärft werden.

 
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Dienstag, 12.08.2014, 09:33 Uhr