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Enerige & Management > Windkraft Onshore - Jüttemann: "Kleinwind hat ein Comeback erfahren"
Bild: Fotolia/Felix brönnimann
WINDKRAFT ONSHORE:
Jüttemann: "Kleinwind hat ein Comeback erfahren"
Patrick Jüttemann, seit Jahren einer der besten Kenner der Kleinwindbranche, hat jüngst seine neue Marktübersicht zu den Mini- und Mittelwindkraftanlagen veröffentlicht.
 
E&M: Herr Jüttemann, warum gibt es ein wachsendes Interesse an Kleinwindanlagen?

Jüttemann: Kleinwindkraftanlagen sind aufgrund der geringen Höhe und kleinen Rotoren optisch unauffällig, haben keinen Einfluss aufs Landschaftsbild. Das ist ein großer Vorteil für die Akzeptanz dieser Technologie in der Bevölkerung.
Die Kleinwindkraft profitiert zudem vom Trend zur Selbstversorgung durch erneuerbare Energien. Wer eine Photovoltaikanlage hat, wird im Winter aber nur eine geringe Eigenversorgung realisieren. Eine Kleinwindanlage produziert vor allem im Herbst und Winter besonders viel Strom. Wenn Sektorkopplung auch Heizen mit Strom bedeutet, dann liefert eine Kleinwindanlage den Strom genau während der Heizperiode.

Ein steigendes Interesse an der Kleinwindkraft lässt sich auch durch die Elektromobilität erkennen. Konkret was den Aufbau dezentraler Ladestationen angeht. Das macht an windstarken Standorten im ländlichen Raum oder am Siedlungsrand durchaus Sinn.
 
Jüttemann: "Ein steigendes Interesse an der Kleinwindkraft lässt sich auch durch die Elektromobilität erkennen"
Bild: Patrick Jüttemann

E&M: Was waren für Sie die wichtigsten technischen Neuerungen bei der Kleinwindanlagentechnologie im Jahr 2019?

Jüttemann: Ein technisches Konzept der Großwindkraft setzt sich zunehmend auch bei Kleinwindanlagen durch: Windanlagen für Standorte mit mäßigen Windgeschwindigkeiten. Das ist vor allem für die Kleinwindkraft wichtig, da das Windpotenzial aufgrund der geringen Anlagenhöhe begrenzt ist. Technisch bedeutet das immer größere Rotoren in Relation zur Nennleistung. Neue Hersteller wie B.Ventus und Solution 4 Energy (S4E; d. Red.) sind gute Beispiele. Beispielsweise haben die technischen Köpfe von S4E vorher bei Nordex gearbeitet und bringen ihr Wissen mit in die Kleinwindbranche.
 
E&M: Sie sprechen in Ihrer jüngsten Marktübersicht von einem Trend zur Vertikalkraft. Gehen Sie davon aus, dass dieser Trend anhält?

Jüttemann: Vertikale Kleinwindkraftanlagen haben im Jahr 2019 in der Tat ein Comeback erfahren. Während im Kleinwind-Marktreport 2018 keine Vertikalwindanlage nennenswerter Leistung präsentiert werden konnte, ist im neuen 2020er-Marktreport sogar erstmals eine vertikale Kleinwindanlage über 20 Kilowatt Leistung dabei. Die Anlage hat alle Tests im Vorfeld der Zertifizierung erfolgreich abgeschlossen. Außerdem wurde in den USA im Sommer 2019 erstmals eine vertikale Kleinwindanlage mit einer Leistung von 1,4 Kilowatt zertifiziert. Es wäre wünschenswert, wenn sich vertikale Kleinwindanlagen langfristig im Markt behaupten würden.
 
Bietet mit Abstand den besten Überblick über das Angebot bei den Kleinwindanlagen: der jüngst veröffentlichte Kleinwind-Marktreport 2020
Bild: Patrick Jüttemann

E&M: In Ihrem für den Kleinwindsektor führenden Marktreport schreiben Sie, dass es eine unüberschaubare Anzahl von Anbietern mit unterschiedlichen Anlagentypen gibt. Warum gibt es dann noch immer wieder Newcomer beim Kleinwind?

Jüttemann: Eine gute Frage. Meine Vermutung: Der Angebotsmarkt kleiner Windkraftanlagen hat offensichtlich noch keine Bereinigung erfahren. Anstatt weniger großer Hersteller, die sich im Wettbewerb durchgesetzt und den Markt unter sich aufgeteilt haben, gibt es viele kleine Anbieter. Für Newcomer wird diese Marktlage als Chance begriffen, sich mit ihrer Technologie durchsetzen zu können.
 
E&M: 2019 hat es gleich mehrere Premieren von Anbietern mit Anlagen gegeben, die mehr als 100 Kilowatt aufweisen. Teilweise tun sich diese Unternehmen schwer, ihre Anlagen unter der Rubrik Kleinwind eingeordnet zu sehen. Was wäre Ihr sprachlicher Vorschlag?

Jüttemann: Die Leistungsklasse zwischen 100 Kilowatt und 1 Megawatt wird auf internationaler Ebene häufig ‚Medium Wind Power‘ genannt. Deshalb ließe sich dieses Marktsegment durchaus als ‚Mittelwindkraftanlagen‘ bezeichnen.
 

Kleinwind-Marktreport

Der neue Kleinwind-Marktreport mit 205 Seiten Umfang kann zum Preis von 79,99 Euro (inklusive Mehrwertsteuer) unter "mail@klein-windkraftanlagen.com" bestellt werden.

 
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Montag, 30.12.2019, 11:05 Uhr