• EnBW plant "größten Ladepark Europas"
  • Grüner Wasserstoff braucht viel günstigen Ökostrom
  • EWE und Uniper planen Wasserstoff-Hub
  • Re-Start für die Energiewende nach dem 26. September
  • Siemens und Messer mit Wasserstoff-Kooperation
  • Energiewende-Management von Bundesrechnungshof kritisiert
  • Stromliefervertrag inklusive Repowering
  • Spie verstärkt sich im Bereich Breitbandausbau
  • Grüner kühlen mit Magneten
  • Opposition und Verbände kritisieren Nachtrag zum EEG 2021
Enerige & Management > Wasserstoff - "Kein Champagner, sondern Tafelwasser"
Bild: EASAC
WASSERSTOFF:
"Kein Champagner, sondern Tafelwasser"
Die Rolle der Infrastruktur und des Imports für den Markthochlauf des Wasserstoffs machte eine Online-Paneldiskussion der Power-to-X-Allianz zum Thema.
 
Überwiegend waren sich die Referenten einig: Erneuerbarer Strom werde in Deutschland in absehbarer Zeit ein knappes Gut bleiben. "Deutschland wird auch langfristig trotz aller Effizienzsteigerung auf erhebliche Energieimporte angewiesen sein", betonte der Sprecher der Power-to-X-Allianz (PtX-Allianz), Christian Küchen. Daher müsse von Beginn an die internationale Perspektive bei der Diskussion rund um den Hochlauf des grünen Wasserstoffs mit berücksichtigt werden.

Im Rahmen einer Online-Diskussionsrunde hatte die Power-to-X-Alliance (PtX-Alliance) am 1. Dezember Referenten aus Industrie und Politik dazu eingeladen, über Wege für einen erfolgreichen Hochlauf grünen Wasserstoffs in Deutschland und Europa zu diskutieren.

Die PtX-Alliance ist ein Industriebündnis von Verbänden der Erdgas- und der Mineralölwirtschaft und unterschiedlichen Unternehmen. So gehören unter anderem dazu: Audi und die Thüga, Deutscher Verband Flüssiggas, das Institut für Wärme und Öltechnik, aber auch der regionale Gasversorger Erdgas Schwaben oder der Gasnetzbetreiber Ontras.

Gerald Linke, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfaches (DVGW), betonte die Rolle des Wasserstoffimports – gleich welcher Farbe – für die Versorgungssicherheit: Gleichgültig ob Wasserstoff aus Norwegen über Carbon Capture and Storage (CCS), pyrolytisch erzeugter Wasserstoff aus Russland oder Wasserstoff aus erneuerbaren Quellen aus Nordafrika: "Das sind alles Projekte, die wir zusammen denken müssen, wollen wir langfristig das Wort Versorgungssicherheit in den Mund nehmen, ohne rot zu werden", verdeutlichte Linke.

"Niemals möglich" bremst aus

Die Präferenz für grünen Wasserstoff stellte Ove Petersen, CEO vom Projektierer GP Joule, heraus. „Viel zu häufig höre ich, dass es niemals möglich sei, so viel erneuerbare Energien in Deutschland für die Wasserstoffherstellung zur Verfügung zu stellen.“ Dies stimme nicht, Deutschland sei durchaus in der Lage, konkurrenzfähig Erneuerbare-Energien-Strom herzustellen. "Wir werden dieses Jahr über vier Gigawatt Photovoltaik ans Netz bringen, vor drei Jahren waren es noch 500 Megawatt. Und wir brauchen, nur um die Erwartung im Wasserstoffmarkt zu decken, etwa 55 Gigawatt."

Mehr Optimismus in der Wasserstoffdiskussion forderte auch Jorgo Chatzimarkakis, Generalsekretär der European Clean Hydrogen Alliance: "Deutschland hat in Europa mit Abstand die meisten Wasserstofftankstellen, Deutschland hat die meisten Power-to-Gas-Projekte. Aber es wird darüber zu wenig geredet." Dabei stehe Deutschland mit seiner Nationalen Wasserstoffstrategie sehr gut da.

Abnehmer-Potenzial des Wärmemarkts

Die Referenten betonten: Der Wasserstoff dürfte nicht der "Champagner der Energiewende" sein, sondern das "Tafelwasser", das für alle bezahlbar und verfügbar ist. Ja, der Wasserstoff der ersten Stunde werde vermutlich seine Abnehmer in der Mobilität finden, so DVGW-Sprecher Gerald Linke. Dort sei der Leidensdruck besonders hoch und die Bereitschaft da, hohe Preise zu zahlen. „Volkswirtschaftlich betrachtet, ist es jedoch sinnvoller zu schauen, wo die Umstellkosten am niedrigsten sind, um rasch mehrere Millionen Tonnen Wasserstoff in den Markt zu bringen", so Linke mit Verweis auf den Wärmemarkt. Dieser könne große Mengen durch eine einfache Geräte-Adaption aufnehmen.

In die gleiche Kerbe schlug Eva Hennig, Leiterin Public Affairs Europa beim Stadtwerkeverbund Thüga: "Die Wärmewende wird ohne den Wasserstoff nicht funktionieren." Effizienz allein reiche nicht mehr aus, da deren Umsetzung Zeit braucht. Geschwindigkeit sei dagegen wichtig, um die Klimaschutzziele der EU zu erreichen.

Über die Verteilnetze ließen sich in Deutschland neben den Haushaltskunden weitere 1,6 Mio. Kunden aus Industrie und Gewerbe mit Wasserstoff und Biomethan versorgen. Lange bevor der europäische Wasserstoff-Backbone fertig ist, wäre darüber eine Versorgung der Endkunden möglich − sowohl der häusliche als auch der gewerbliche Wärmesektor sowie die Kraft-Wärme-Kopplung ließen sich mit der Wasserstoffeinspeisung schnell "begrünen". 20 bis 30 % Beimischung von Wasserstoff in die Verteilnetze hält Hennig für "gut machbar". 

Voraussetzung hierfür sei jedoch, zeitnah eine Regulierung für den Netzzugang zu bekommen. Es gelte, wie auch Ralph Bahke, CEO Ontras Gastransport, und Andreas Rimkus (SPD) betonten, den regulatorischen Rahmen noch in dieser Legislaturperiode anzustoßen. 

 
Möchten Sie diese und weitere Nachrichten lesen?
 
 
Testen Sie E&M powernews
kostenlos und unverbindlich
  • Zwei Wochen kostenfreier Zugang
  • Zugang auf stündlich aktualisierte Nachrichten mit Prognose- und Marktdaten
  • + einmal täglich E&M daily
  • + zwei Ausgaben der Zeitung E&M
  • ohne automatische Verlängerung
 
Jetzt kostenlos testen
 
Login für Kunden
 

Kaufen Sie den Artikel
  • erhalten Sie sofort diesen redaktionellen Beitrag für nur € 8.93
 
JETZT ARTIKEL KAUFEN
Mehr zum Thema

 
Haben Sie Interesse an Content oder Mehrfachzugängen für Ihr Unternehmen?
 
Sprechen Sie uns an, wenn Sie Fragen zur Nutzung von E&M-Inhalten oder den verschiedenen Abonnement-Paketen haben.
Das E&M-Vertriebsteam freut sich unter Tel. 08152 / 93 11-77 oder unter  vertrieb@energie-und-management.de über Ihre Anfrage.
 
WEITERE INFORMATIONEN
© 2021 Energie & Management GmbH
Dienstag, 01.12.2020, 16:46 Uhr