• Gutes Zeugnis für das ETS
  • Die wichtigsten Länder bei neuinstallierter Windkraftleistung
  • Strom rutscht ab, CO2 und Gas steigen
  • 90 % der Planungen nicht mehr von Flugsicherung blockiert
  • Interne Lösung: Stadtwerke Wasserburg mit neuem Werkleiter
  • Stadt Essen gründet eigenen Wasserstoff-Beirat
  • Klima-Expertenrat drängt auf bessere Datenlage
  • Mit erfundenen Windparks Konzerne um Millionen gebracht
  • Enervie mit stabilem Ergebnis trotz 8 Mio. Euro Mindereinnahmen
  • Region Mittelrhein stellt auf H-Gas um
Enerige & Management > Effizienz - Kleineren Mieterstomprojekten fehlen Vorbilder
Bild: Heinz Wraneschitz
EFFIZIENZ:
Kleineren Mieterstomprojekten fehlen Vorbilder
Photovoltaikmieterstrom in einem KfW-40-Plus-Mietshaus: Es gibt bisher nur sehr wenige Vermieter, die das Wagnis eingehen. In Mittelfranken wird es aber nun seit Kurzem praktiziert.
 
Außenrum wird noch schwer gewerkelt. Doch innen in den 16, davon acht barrierefreien Wohnungen der beiden neuen Mehrfamilienhäuser im bayerischen Markt Erlbach wohnen bereits Mieter. Eine dreiköpfige lokale Bauherrengemeinschaft hat die Gebäude nach dem Standard „Effizienzhaus KfW 40 Plus“ errichtet.

KfW 40 bedeutet: Der Wärmebedarf muss mindestens 60 % weniger betragen, als die aktuell gültige Energieeinsparverordnung vorgibt. Und das „Plus“ verlangt zusätzlich eine erneuerbare Stromerzeugung, dazu einen stationären Stromspeicher, eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung sowie ein Benutzerinterface, das Stromerzeugung und -verbrauch aktuell und historisch visualisiert. Trifft das alles zu, gibt es von der KfW besonders geförderte Finanzierungsmöglichkeiten, darunter einen Erlass von maximal 30.000 Euro der Kreditsumme. Jedenfalls dann, wenn zwei weitere Vorgaben erfüllt sind: Stammt der EE-Strom aus einer Photovoltaikanlage, sollte er „überwiegend selbst genutzt“ werden. Und: „Die maximale Abgabe ans öffentliche Stromnetz ist auf 60 % der installierten Solarleistung zu begrenzen“, so die KfW-Vorgabe.

„Eigenstromerzeugung“, also am Hausdach gewonnenen PV-Strom selbst verbrauchen: Das ist bei heutigen Privathausneubauten fast die Regel, egal ob Effizienzhaus nach KfW-Standard oder nicht. Denn meist sind die Betreiber der Solaranlage gleichzeitig die Bewohner und Besitzer des Hauses, auf dem die PVA montiert ist.
 
Ingenieur Wolfgang Heffner im Batterieraum
Bild: Heinz Wraneschitz

Anders in Markt Erlbach: Hier wohnen Mieter in den geförderten Wohnungen. Solaranlagenbetreiber sind die Bauherren. Bei einem Mietshaus die KfW-40-Plus-Kriterien einzuhalten, das fällt nicht ganz so leicht. Denn wenn der selbst erzeugte Strom nicht an die Mieter verschenkt werden soll, werden die Vermieter zu lokalen Stromversorgern. Die dürfen den Strom zu höchstens 90 % des Preises verkaufen, den der lokale Grundversorger verlangt. Und sie haben all die dazugehörigen energiegesetzlichen Pflichten zu erfüllen, die vor allem das Energiewirtschaftsgesetz EnWG vorgibt.

Das hat auch besagte, als Wohneigentumsgemeinschaft (WEG) organisierte Bauherrengemeinschaft feststellen müssen. Hinter dieser stecken die beiden ortsansässigen Ingenieure Wolfgang Heffner und Manfred Müller sowie ein dritter Investor aus der Nachbargemeinde. Heffners und Müllers Ingenieurbüro für Bauwesen hat das Mietobjekt in dieser „hocheffizienten und in die Zukunft weisenden Bauweise“ auch selbst geplant. Die Planer haben alle technischen Kriterien für den Baustandard „KfW 40 Plus“ erfüllt: PV-Anlage auf dem Dach, Stromspeicher im Keller, Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung, Anzeigegeräte für die Energieflüsse in den Hausfluren.

Weil die Eigenstromnutzung nicht mit dem Mietvertrag gekoppelt werden darf, mussten die Vermieter mit den einzelnen Bewohnern „Mieterstromverträge abschließen. Eine Pflicht mitzumachen gibt es nicht“, Manfred Müller. „Kein Mensch käme auf die Idee, dass man sich bei der Heizung im Mietshaus abkoppeln kann“, erklärt er zum Vergleich.

Keine Vorbilder oder Handreichungen zu finden

Außerdem: „Es gibt kein Beispiel, keine Handreichung, keinen Fahrplan für ein solches Mieterstrommodell wie unseres.“ Das Fazit des Planers und Bauherren: „Es scheint fast so, dass durch die Kompliziertheit eine weite Verbreitung bewusst verhindert werden soll, um großen Playern das Feld zu überlassen und die Privatleute abzuschrecken.“

Doch trotz der Wahlmöglichkeit nutzen fast alle den Mieterstrom, den die Photovoltaikanlage auf dem Flachdach produziert. Immerhin 15 der 16 Mietparteien haben unterschrieben: Die günstige 70-Euro-Grundgebühr im Jahr und 25 Cent pro kWh verbrauchten Solarstroms vom Dach waren für sie offenbar gute Argumente. Nur eine Mietpartei hat nicht mitgemacht: Der Mitarbeiter eines großen regionalen Energieunternehmens hat noch bessere Stromkonditionen.
Um alles rechtssicher zu machen, haben die Bauherren einen externen Dienstleister aus Baden-Württemberg − EM Energiemanagement, Kernen − dazugeholt.

Aber was ist, wenn der Strom tagsüber vom Dach und nachts aus dem Solarspeicher im Keller den Mieterstromkunden mal nicht ausreicht? „Dann liefert der ortsansässige Versorger Regiogrünstrom aus regionalen Wind- und Solarkraftwerken“, so der Bauingenieur.

Müller kennt sich ohnehin aus, wenn es darum geht, neue Energielösungen umzusetzen. Auf Anregung der (kürzlich wiedergewählten) Ortsbürgermeisterin hat er sich vor sechs Jahren als ehrenamtlicher Energiewendebeauftragter der Marktgemeinde zur Verfügung gestellt. Eine seiner Ideen war die inzwischen verwirklichte Nahwärmeversorgung für den Innenort und die Straßen im Umkreis. Ob Rathaus, Schule, Rangauhalle, Hallenbad, katholischer Gemeindesaal: Heute werden all diese öffentlichen Gebäude und einige andere mehr, auch Privathäuser, mit Wärme aus einem Hackschnitzelheizwerk versorgt. Diese Heizzentrale liegt nur einen Katzensprung vom neuen KfW-40-Mietshaus entfernt. Und für die Bauherrengemeinschaft war es keine Frage: Ihr Energiespargebäude wird ebenfalls an die Holzwärme angeschlossen.

Gerade mal zwei Jahre hat das Bauprojekt gedauert, von der ersten Planung bis zum Einzug der Mieter.


Daten und Fakten
Mietereigenstromversorgung: Photovoltaikanlage 42 kWp, Jahresertrag etwa 40.000 kWh; Eigenstromspeicher 22 kWh Kapazität; Energievisualisierung in beiden Hausfluren; begrünte Carports und Garagen mit Vorrüstung für Stromladesäulen für Elektroautos
Wärmeversorgung: Nahwärme aus Biomasse
Energiestandard: Effizienzhaus KfW 40 Plus

 
Möchten Sie diese und weitere Nachrichten lesen?
 
 
Testen Sie E&M powernews
kostenlos und unverbindlich
  • Zwei Wochen kostenfreier Zugang
  • Zugang auf stündlich aktualisierte Nachrichten mit Prognose- und Marktdaten
  • + einmal täglich E&M daily
  • + zwei Ausgaben der Zeitung E&M
  • ohne automatische Verlängerung
 
Jetzt kostenlos testen
 
Login für Kunden
 

Kaufen Sie den Artikel
  • erhalten Sie sofort diesen redaktionellen Beitrag für nur € 8.93
 
JETZT ARTIKEL KAUFEN
Mehr zum Thema

 
Haben Sie Interesse an Content oder Mehrfachzugängen für Ihr Unternehmen?
 
Sprechen Sie uns an, wenn Sie Fragen zur Nutzung von E&M-Inhalten oder den verschiedenen Abonnement-Paketen haben.
Das E&M-Vertriebsteam freut sich unter Tel. 08152 / 93 11-77 oder unter  vertrieb@energie-und-management.de über Ihre Anfrage.
 
WEITERE INFORMATIONEN
© 2021 Energie & Management GmbH
Mittwoch, 29.04.2020, 08:31 Uhr