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Enerige & Management > Gas - Klimaschutz bedrängt Gaswirtschaft
Bild: Fotolia.com, WoGi
GAS:
Klimaschutz bedrängt Gaswirtschaft
Unternehmen der Gaswirtschaft stemmen sich weiter gegen Versuche, die Wärmeerzeugung mit Erdgas schon 2030 auf das Abstellgleis zu schieben.
 
Entwürfe für einen Klimaschutzplan, die vorsehen, ab 2030 die Installation von Erdgasheizungen per Gesetz zu verbieten, haben die Gasbranche aufgerüttelt. „Wir haben viel zu lange die Herausforderung unterschätzt“, bekannte auf dem Ostdeutschen Energieforum am 31. August in Leipzig Bodo Rodestock, Finanzvorstand der Leipziger Verbundnetz Gas AG. „Wir laufen Gefahr, von der Politik beerdigt zu werden“, klagte Timm Kehler, Vorstand der Brancheninitiative Zukunft Erdgas.

Die Gasunternehmen, die bislang ohne klare Strategie gehofft hatten, bei der Energiewende als Partner der Erneuerbaren zum Zug zu kommen und so auf jeden Fall bis 2050 im Geschäft zu bleiben, sehen sich plötzlich genauso wie Kohlekraftwerke mit einer Ausstiegsdiskussion und konkreten Terminen konfrontiert. Erdgas soll nach den Plänen der Bundesregierung ab 2030 aktiv aus dem Markt gedrängt werden. Hintergrund dieser Bemühungen ist das Pariser Klimaschutzabkommen aus dem vergangenen Jahr, das verstärkte Bemühungen zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen verlangt.

Die Gasversorger müssen nun befürchten, dass Erdgasheizungen, die noch rund die Hälfte aller Wohnungen in Deutschland mit Wärme und Warmwasser versorgen und derzeit auch in 50 Prozent aller Neubauten zum Einsatz kommen, schneller aus dem Markt gedrängt werden als gedacht und so schon bald erheblich an Attraktivität verlieren. Und das hätte spürbare Folgen, denn die Wärmeversorgung ist der bei weitem wichtigste Absatzmarkt für Erdgas.

Die Gasunternehmen sehen sich deshalb zunehmend politisch ausgebremst und fordern ein „Umdenken bei der Energiewende“, wie es Ludwig Möhring, Vertriebsvorstand des Gasgroßhändlers Wingas, in Leipzig formulierte. Sie halten den von der Politik eingeschlagenen Weg für falsch.

Den Klimaschutz aus den Augen verloren

„Wir haben den Klimaschutz aus den Augen verloren“, kritisierte er. Trotz des Ausbaus der erneuerbaren Energien seien die CO2-Emissionen in den letzten Jahren nicht zurückgegangen. „Wir nehmen auch das Verfehlen der Verringerungsziele für 2020 einfach hin“, bemängelte der Wingas-Geschäftsführer. „Können wir bitte einmal anfangen, die Probleme von heute zu lösen“, so sein Appell.

In einem Unternehmen wäre ein solches Vorgehen undenkbar, meinte Möhring. Wenn er seinem Aufsichtsrat zu erklären versuchte, dass die Wingas zwar ihr Ziel für 2020 nicht erreiche, dass es aber 2050 klappen werde, „wäre das ein sehr kurzes Meeting“. Genau so argumentiere aber die Politik beim Thema Klimaschutz und „das akzeptiere ich nicht“.

Die Gasversorger schlagen deshalb weiter vor, mit einem konzertierten Heizungssanierungsprogramm rasch zu einer spürbaren Verringerung der CO2-Emissionen aus der Wärmeversorgung zu kommen. Der deutsche Heizungsbestand sei stark veraltet und allein der Austausch eines alten Kessels gegen ein neues Gasbrennwertgerät verringere den CO2-Ausstoß im Schnitt um etwa 30 Prozent, so die Branche. Das diskutierte Verbot von Erdgasheizungen halten die Gasversorger deshalb für ziemlich unvernünftig, wie Rodestock betonte.

„Wir haben einen Grundstoff, der uns in Richtung Dekarbonisierung ein gutes Stück weit tragen kann“, argumentierte auch Kehler für Erdgas. Wir brauchen am Wärmemarkt „eine Kombination aus erneuerbaren und konventionellen Energien“, forderte Möhring. Eine neue Heizung sei derzeit die Gebäudesanierungsvariante „mit den niedrigsten CO2-Vermeidungskosten“. Erdgas könne zu akzeptablen Kosten für rasche Erfolge beim Klimaschutz sorgen, versprach Rodestock.

Kritik am Elektrifizierungskurs der Politik

Die im Klimaschutzplan und auch im jüngst vorgelegten Grünbuch Energieeffizienz vorgesehene Alternative zur Wärmeversorgung aus fossilen Energien hält die Gasbranche für sehr fragwürdig. Es sei „naiv zu glauben", den gesamten Energiebedarf Deutschlands mit erneuerbarem Strom decken zu können, meinte Möhring. Die vollständige Elektrifizierung bedeute sehr hohe Investitionen und den „kompletten Neubau des Stromnetzes“, prophezeit der Wingas-Geschäftsführer.
Vor einer Energieversorgung, die nur auf Strom basiert, warnt nicht nur die Gaswirtschaft. „Ich sehe mit Sorge, dass wir nur noch von Elektrifizierung sprechen“, sagte in Leipzig Karl Gerhold, Geschäftsführer des Magdeburger Energiedienstleisters Getec. „Die Politik hat Visionen, aber die sind durch nichts belegt“, kritisierte er. „Wir müssen auf dezentrale Energieversorgung setzen und brauchen weiter auch Gas“, forderte er.

„Wir haben keinen Plan, sondern eine Vision“, kritisierte auch Möhring die seiner Ansicht nach unkoordinierte und wenig effiziente politische Vorgehensweise bei der Energiewende.

Die Gasbranche ist sich aber auch dessen bewusst, dass sie selbst gefordert ist, einen Weg in eine erneuerbare Zukunft aufzuzeigen. Für „mehr und mehr grüne Gase als Rückgrat der Versorgung“, plädierte VNG-Mann Rodestock. Den Betrieb von Brennstoffzellen mit Ökogas und Wasserstoff aus Power-to-Gas brachte Zukunft-Erdgas-Chef Kehler in die Diskussion. Mit solchen Perspektiven macht sich die Branche Mut für die Entwicklung einer Zukunftsstrategie. „Ich bin überzeugt, dass sich die besten und effizientesten Optionen durchsetzen werden“, sagte Rodestock.

 
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Dienstag, 06.09.2016, 11:09 Uhr